Josey Sharrad
Wie Koala-Spürhund Bear seine Bestimmung fand
Wie Koala-Spürhund Bear seine Bestimmung fand
Vor zehn Jahren begegnete ich einem jungen Hund namens Bear.
Er war unruhig, sehr reizempfänglich und hyperfokussiert, ohne jedes Interesse an Menschen oder anderen Hunden. Ein nervöses Energiebündel, das nur darauf wartete, losgelassen zu werden. Das Leben als Haustier in einer engen Wohnung an der Gold Coast war einfach nichts für ihn.
Seine Halter waren mit ihren Nerven am Ende.

Dann sahen sie unseren Aufruf für einen Koala-Spürhund, der lebende Koalas aufspüren konnte. Was wäre, wenn all die Eigenschaften, die Bear als Haustier so herausfordernd machten, seine grenzenlose Energie und seine obsessive Liebe zu Bällen, nützlich eingesetzt werden könnten? Was gab es zu verlieren?
Einen Hund darauf zu trainieren, lebende Koalas aufzuspüren, war ein Traum unserer guten Freundin Romane Cristescu von Detection Dogs for Conservation an der University of the Sunshine Coast. Es war neu. Es war mutig. Und niemand wusste, ob es funktionieren würde.
Die meisten Koala-Spürhunde werden darauf trainiert, Koala-Kot zu erschnüffeln, was relativ klar aufzubauen ist. Koala-Kot liegt am Fuß der Bäume auf dem Boden, und es gibt oft reichlich davon, denn Koalas können bis zu 300 Kotpellets pro Tag produzieren.
Das Aufspüren lebender Koalas ist eine ganz andere Herausforderung. Sie leben hoch oben in den Bäumen. Kleine, perfekt getarnte graue Fellbälle in der Größe eines Fußballs, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Und sie bewegen sich viel mehr, als viele Menschen vermuten.
Könnte ein Hund darauf trainiert werden, statt auf Kot den Geruch von Koalafell zu erkennen und so zu finden, was wir nicht sehen können? Das wäre ein echter Wendepunkt, vor allem in Notfällen, wenn Helfer verwaiste oder verletzte Koalas schnell lokalisieren müssen. Es könnte Leben retten.
Also wagte der IFAW den Schritt und tat sich mit Romane zusammen, um es herauszufinden.
Und es stellte sich heraus, dass es nichts zu verlieren und alles zu gewinnen gab.
Als Bear durch die Tür kam und uns mit seinen inzwischen berühmten intensiven Augen anstarrte, wussten wir, dass wir den Richtigen gefunden hatten. Er bestand seine ersten Tests mit Bravour und war bald darauf im Einsatz, um lebende Koalas aufzuspüren. Dabei hatte er kein Interesse an den Koalas selbst, sondern für eine Belohnung, einen Ball. Von diesem Moment an war er nicht mehr aufzuhalten. Er hatte seine wahre Bestimmung gefunden.
Dann kam der sogenannte „Black Summer“ 2019–2020: Die Brände, die durchs Land fegten und Koala-Populationen verwüsteten.
Wir hatten eine Idee. Sie war verrückt, aber vielleicht verrückt genug, dass sie, wenn sie funktionierte, bemerkenswert wäre. Könnte Bear helfen, überlebende Koalas zu finden? Würde er Koalas durch den überwältigenden Geruch von Asche und Feuer erkennen können? Das war noch nie zuvor versucht worden.

Als die Brandgebiete als sicher erklärt wurden, begleitete Bear uns bei Such- und Rettungseinsätzen mit Schutzschuhen, die seine Pfoten vor dem heißen Boden schützten.
Ich weiß nicht, warum wir jemals an ihm zweifelten. Er wurde in diesen dunklen Tagen unsere Geheimwaffe und spürte mehr als 100 Koalas auf. Tiere, die wir ohne ihn schlicht nicht gefunden hätten. Er war ein dringend benötigter Hoffnungsschimmer mitten in der Tragödie und half nicht nur Koalas, sondern auch Menschen, wieder Hoffnung zu schöpfen.
Bilder von Bear, wie er in seinen ikonischen roten Pfotenschuhen in den Brandgebieten arbeitete, verbreiteten sich rasch viral und eroberte Herzen bis nach Hollywood. Selbst Tom Hanks und Leonardo DiCaprio wurden auf ihn aufmerksam.
Er wurde Protagonist seiner eigenen „Dogumentary“ Bear Koala Hero, gewann Tausende Follower auf Instagram und inspirierte ein neues Buch von Romane über seine außergewöhnliche Geschichte.
Doch Bear selbst ist sich seines Ruhms völlig unbewusst. Für ihn war Arbeit einfach nur Spiel und er lebte sein bestes Leben, wenn er durch das australische Buschland streifte, um Koalas zu finden.
Seine Bestimmung zu finden, hat ihn verwandelt. Er ist ein völlig anderer Hund als der, dem ich vor zehn Jahren begegnete. Er ist selbstbewusst, sozial und sehr anhänglich geworden. Mit dem Alter ist er ruhiger geworden und hat sich zu einem echten Schmuseweltmeister entwickelt.
Nun ist die Zeit gekommen, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen und seine Pfotenschuhe an den Nagel zu hängen. Ein bittersüßer Moment.
Er wird seine Tage damit verbringen, am Strand entlangzulaufen, auf dem Sofa zu entspannen und mit seiner besten Freundin Luna zu spielen. Aber ich vermute, er wird trotzdem noch von der Suche nach Koalas träumen.
Sein Beitrag zum Schutz der Koalas ist außergewöhnlich und wird niemals vergessen werden.
Danke, Bear, für alles.
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