Bären-Rehabilitationszentrum – Indien
Ein Bärenjunges, das seine Mutter verliert, sollte nicht auch noch sein Zuhause verlieren.Gerettet und wieder ausgewildert: Tigerjunges zurück in Indiens Wildnis
Gerettet und wieder ausgewildert: Tigerjunges zurück in Indiens Wildnis
Ein drei Monate altes Tigerjunges ist wieder in der Wildnis, nachdem es in der Nähe eines Dorfes im indischen Bundesstaat Assam, getrennt von seiner Mutter, festsaß.
Der junge Tiger wurde in den frühen Morgenstunden des 17. September im Dorf Natugaon im Gebiet Biswanath der Kaziranga-Landschaft entdeckt. Das Jungtier war in einem häuslichen Nutzgarten zwischen landwirtschaftlichem Gerät und Fischernetzen gefangen. Dort war es weit von seiner Mutter entfernt, an deren Seite ein Tiger in diesem Alter eigentlich sein sollte.
Starke Strömungen im nahegelegenen Brahmaputra-Fluss könnten das Jungtier von seiner Mutter getrennt haben. Die Herausforderung für die Einsatzkräfte bestand somit nicht nur darin, den jungen Tiger in Sicherheit zu bringen, sondern ihm auch die bestmöglichen Chancen zu geben, seine Mutter wiederzufinden.

Rettung mit dem Ziel der schnellstmöglichen Wiederauswilderung
In Zusammenarbeit mit der Forstbehörde von Assam, der Polizei und der Bezirksverwaltung half das Team des IFAW und des Wildlife Trust of India (WTI) dabei, das Gebiet um das Jungtier herum abzusichern, während Fachleute nahegelegene Flussinseln nach Spuren seiner Mutter absuchten.
Dem Rettungsteam gelang es, das Jungtier vorsichtig in eine Transportkiste zu führen. Angesichts des jungen Alters des Tieres wurde dabei erfolgreich auf den Einsatz chemischer Betäubungsmittel verzichtet. Der junge Tiger wurde anschließend zur tierärztlichen Beobachtung ins Central Range Office gebracht.
Doch die Rettung war nur der erste Schritt. Bei einem so jungen Tiger hoffte das Team, ihn in einen geeigneten Lebensraum zurückbringen zu können, wo ein Wiedersehen mit seiner Mutter möglich sein könnte.
Jüngste Berichte und Hinweise deuteten darauf hin, dass in der Gegend eine Mutter mit Jungen gesichtet worden war. Unter der Leitung von Dr. Panjit Basumatary vom Bären-Rehabilitationszentrum (CBRC), das vom IFAW und dem WTI gegründet wurde, machte sich das Team auf den Weg zu einer Flussinsel flussaufwärts. Auf einem „Bhut-Bhuti“, einem in Assam weit verbreiteten motorisierten Boot, ging es für das Jungtier den Brahmaputra stromaufwärts. Währenddessen versorgte das Team es mit Nahrung und Wasser. Am ausgewählten Ort angekommen, installierte das Team eine Kamerafalle, um nach Anzeichen einer erwachsenen Tigerin Ausschau zu halten.
„Für ein so junges Tier ist die eigene Mutter nach wie vor die beste Überlebenschance in freier Wildbahn. Unsere Priorität war es, menschliche Eingriffe zu minimieren und gleichzeitig die sicherste Möglichkeit zu schaffen, dass sie einander wiederfinden können. Jede Entscheidung, die wir trafen, von dem Ort der Freilassung des Jungtiers bis hin zur Überwachung des Gebiets, orientierte sich an dem Ziel, diesem jungen Tiger weiterhin ein Leben in freier Wildbahn zu ermöglichen“, sagte Dr. Panjit Basumatary vom Bären-Rehabilitationszentrum des WTI.
Reaktion auf veränderte Bedingungen
Tierrettungen verlaufen selten nach einem vorhersehbaren Schema. Am folgenden Nachmittag zeigte eine Drohnenbeobachtung, dass sich das Jungtier weiterhin an Ort und Stelle befand. Gleichzeitig offenbarte sich jedoch ein neues Problem. Steigende Flusspegel drohten, das Gebiet um die Transportkiste herum zu überfluten.
Das Team reagierte schnell und brachte das Jungtier an einen sichereren Ort. Bei der Auswahl des neuen Standorts wurden sowohl der umliegende Lebensraum als auch die wahrscheinlichen Bewegungsmuster des Tigers berücksichtigt. Die Transportkiste wurde unter einem Baum aufgestellt, um das Jungtier vor direkter Sonneneinstrahlung und Regen zu schützen, während das Team es dennoch aus der Ferne beobachten und bei Bedarf mit Futter versorgen und pflegen konnte.

Zwei Tage nach Beginn der Rettungsaktion stellte das Team fest, dass das Jungtier die Transportbox verlassen hatte.
Sie durchsuchten die Umgebung nach Abdrücken von Tatzen und anderen Anzeichen für seine Bewegungen. Außerdem wurde das Bildmaterial der Kamerafallen ausgewertet. Obwohl beides keine unmittelbare Bestätigung für den Aufenthaltsort des Jungtiers lieferte, deutete der Zustand der Transportbox, einschließlich beschädigter Belüftungsöffnungen und einer Bambusbarriere, darauf hin, dass der Tiger sich höchstwahrscheinlich selbstständig den Weg nach draußen gebahnt hatte.
Einige Tage später gab es ein ermutigendes Zeichen: Rund 200 Meter von der Freilassungskiste entfernt wurden Abdrücke von Tatzen eines Tigers entdeckt.
In der Hoffnung, in den kommenden Wochen Bilder des jungen Tigers aufnehmen zu können, bleiben die Kamerafallen an Ort und Stelle, und auch die Überwachung durch die Forstbehörde wird fortgesetzt.
Schutz einzelner Tiger und der Lebensräume, die sie mit Menschen teilen
Diese Rettungsaktion zeigt, wie schnell sich die Umstände ändern können, wenn man sich um in Not geratene Wildtiere kümmert. Das Ziel besteht nicht nur darin, ein Tier aus unmittelbarer Gefahr zu befreien. Es geht auch darum, zu verstehen, was passiert ist, Stress und Eingriffe so gering wie möglich zu halten und dem Tier, wann immer möglich, die Chance zu geben, sein Leben in freier Wildbahn fortzusetzen.
Diese Arbeit ist besonders wichtig in der Kaziranga-Landschaft, wo sich ändernde Flussverhältnisse Wildtiere vertreiben. Die Suche nach sicherem Terrain kann die Tiere näher an benachbarte, von Menschen bewohnte Gemeinden führen. Der IFAW und der WTI arbeiten mit Regierungsbehörden und Gemeinden zusammen, um einzugreifen, wenn Wildtiere in Not sind. Im Fokus steht dabei auch, Menschen und Tieren zu helfen, diese dynamischen Landschaften sicher gemeinsam zu nutzen.
In ganz Indien umfasst unsere Arbeit zum Schutz der Tiger auch die Entschärfung von Konflikten zwischen Mensch und Tiger, die Sicherung von Wanderkorridoren durch fragmentierte Landschaften, die Stärkung des Wildtierschutzes vor Ort sowie den Aufbau lokaler Unterstützung für den Artenschutz.

Jeder einzelne Tiger zählt. Jedes Tier kann eine wichtige Rolle für die Zukunft seines Bestands und die Gesundheit der Ökosysteme spielen, zu deren Erhalt die Tiger beitragen. Für den geretteten jungen Tiger haben sich Fachleute aus der Tiermedizin, Expertinnen und Experten für Wildtiere sowie Regierungsbehörden und lokale Einsatzkräfte mit einem gemeinsamen Ziel zusammengeschlossen: ihm die bestmöglichen Chancen zu geben, ein wild lebender Tiger zu bleiben.
Vorerst werden Kamerafallen das Jungtier im Auge behalten, während es sich auf eigene Faust durch die Wildnis bewegt.
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