China: Mitgefühl für und verantwortungsvoller Umgang mit Haustieren

In China gibt es kein landesweit geltendes Tierschutzgesetz und keinerlei Vorschriften, die Haustiere vor Misshandlung, Vernachlässigung oder Grausamkeit schützen. Da die Zahl der Hundebesitzer im Land wächst, ist es heute wichtiger denn je, die Grundsätze verantwortungsvoller Tierhaltung im Bewusstsein der Menschen zu verankern. 

Wachsendes Problem
Der Schutz von Haustieren ist weltweit eine große Aufgabe, aber in China ist die Situation besonders problematisch.

Haustiere wurden hier erst vor knapp zehn Jahren populär. Heute wünschen sich immer mehr Chinesen ein Tier, obwohl sie oft gar nicht wissen, wie man sich richtig um einen solchen Begleiter kümmert. Informationen über tiergerechte Haltung und den richtigen Umgang mit Tieren sind kaum verfügbar, und es fehlt auch an Einrichtungen zur ärztlichen Grundversorgung.

Dass man seinen Hund kastrieren und impfen lassen sollte, dass man ihn an der Leine ausführt und seinen Kot von der Straße beseitigt, ist den Besitzern meist unbekannt oder gleichgültig. Dadurch entstehen fast zwangsläufig Konflikte zwischen Tierhaltern und Menschen ohne Haustiere. Behörden nutzen solche Problemlagen gern als Rechtfertigung für den Erlass von Vorschriften zur Beschränkung der Tierhaltung. Die Folgen sind wachsende Diskriminierung von Tierhaltern und Intoleranz gegenüber Haustieren.

Soziale Vorurteile, fehlende Impfprogramme zur Seuchenbekämpfung und mangelnde Information der Bevölkerung veranlassen die Kommunen dann oft dazu, der rasanten Haustiervermehrung mit Massenkeulungen zu begegnen. Dabei ziehen Schlägertrupps mit Knüppeln durch die Straßen und erschlagen jeden frei laufenden Hund, gelegentlich sogar direkt vor den Augen seines Besitzers.

So hilft der IFAW
Der IFAW gehört in China zu den führenden Organisationen in Sachen Tierrettung und Informationsarbeit. Wir unterstützen lokale Rettungsmaßnahmen und leisten politische Arbeit für humane Tierschutzgesetze und die Verankerung des Tierschutzgedankens im Bewusstsein der Menschen.

Mit unserer Kampagne gegen die Massenkeulung von Hunden konnten wir seit 1998 jährlich etwa drei bis vier solcher Tötungsaktionen verhindern. Für einen langfristigen Erfolg wollen wir die bestehende Gesetzeslage in China an zwei entscheidenden Punkten ändern: Städte und Kommunen müssen Vorschriften erlassen, die Tollwutprävention und eine Kontrolle der Hundebestände vorsehen. Auf nationaler Ebene muss ein Tierschutzgesetz verabschiedet werden, dass Grausamkeit an Tieren, einschließlich solcher Massenkeulungen, unter Strafe stellt.

Die chinesische Regierung änderte 2004 einige der Vorschriften für Hundehaltung und orientierte sich dabei an Empfehlungen des IFAW. So wurden die Anmeldegebühren für Hunde reduziert, Tollwutimpfungen vorgeschrieben, Anreize für die Kastration vorgesehen und das Ausführen der Hunde während des Tages erlaubt.

Am Stadtrand von Peking entwickeln wir gemeinsam mit Tierärzten und Behörden vor Ort ein Kastrationsprojekt, das eine effektive Kontrolle der Hundebestände durch humane Vorschriften, verbesserte medizinische Versorgung und verantwortungsvolle Tierhaltung gewährleistet.

Mit diesem Modellprojekt will der IFAW ein Vorbild schaffen für humane Tierbestandskontrolle und verantwortungsvolle Haustierhaltung in China.