Internet fördert die Ausrottung von Wildtieren

Dienstag, August 16, 2005
Hamburg/London
Junger Gorilla gewünscht? Zwei Jahre alte Giraffe für Ihren Privatzoo? Appetit auf Krokodilfilet? Elefantenfuß als Barhocker? Kein Problem, gibt es im Internet.
Das Internet wird immer mehr zu einem Umschlagplatz für den illegalen Handel mit lebenden Tieren und mit Tierprodukten. Die gängigen Angebote überprüft hat der IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) in ausgewählten Ländern wie Großbritannien, USA, Kanada, Deutschland, Israel und Indien. Die Bilanz ist erschreckend.
 
Allein in einer Woche wurden in Großbritannien 9.000 lebende Wildtiere oder Wildtierprodukte ausfindig gemacht. Wenigstens 70 Prozent gehörten solchen Arten an, die nach internationalem Recht geschützt sind. Dabei hatte sich der IFAW bei seinen Recherchen auf fünf Kategorien beschränkt: lebende Primaten, Elfenbein, Schildkrötenprodukte und solche anderer Reptilien sowie auf Wildkatzen. Aufgrund dieser Einschränkung wurde nur die Spitze des Eisbergs sichtbar.
 
Der Gorilla wurde in London angeboten.
Mindestgebot: € 6.750.
 
Ende Juli hat der IFAW Deutschland abgesucht. Trotz der auch hier praktizierten Einschränkung auf wenige Kategorien kamen in nur 48 Stunden 353 Wildtiere und Wildtierprodukte zusammen. Die meisten Angebote illegal. 279 Objekte stammten von Elefanten. 42mal handelte es sich um lebende Affen. 12 Wildkatzenprodukte wurden gefunden, darunter ein Löwenfell, ein Tigerfell, mehrere Pranken und ein Schwanz vom selben Löwen. Auch das Krokodilfilet stand auf einer deutschen Webseite - möglicherweise legal, aber doch dubios. 
 
Das Internet fördert die bereits bestehende Bedrohung vieler Arten. Der  durch den Cybermarkt  verstärkte massenhafte Handel kann Arten sogar endgültig an den Rand der Ausrottung bringen.
 
In seinem Umfang gar nicht abzuschätzen ist das millionenfache Leiden der Tiere, das hinter diesem Handel steht. Schon Einfangen und Transport von Wildtieren weisen eine hohe Todesrate auf. Viele Tiere sterben in Gefangenschaft einen frühen Tod.    
 
Das Internet bewirkt, dass sich der legale als auch der illegale Markt für den Handel mit Tieren und Tierprodukten erheblich erweitert und dass sich neue Märkte auftun, wobei sich das tatsächliche Ausmaß des Handels allerdings nicht ermitteln läßt. Eine große Rolle spielen bestimmte Vorzüge: Der Internet-Handel ist leicht zu handhaben, er ist preiswert und anonym. Das Internet macht die Jagd, das Fallenstellen und den Handel immer profitabler. Die Kehrseite: noch mehr Raubbau an Tieren, noch mehr Leiden. Dies schließt natürlich auch den legalen Handel ein.
 
Bedrohte Arten schützt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, engl. CITES), und erschwert den Handel mit anderen, indem es Genehmigungen vorschreibt, die nur in besonderen Fällen gewährt werden. Aber das WA regelt nicht den nationalen Handel. Dies fällt in die Zuständigkeit der Länder.
 
Wirksame Kontrollen sind nur bedingt möglich. Beim Internet-Handel reichen alle Maßnahmen bisher nicht aus, um mit den neuen Problemen fertig zu werden. Zwar haben sich mehrere Internet-Plattformen wie etwa Ebay – 80 Prozent der deutschen Angebote wurden dort gefunden – Regeln gegeben, nach denen ein illegaler Handel auf ihren Seiten nicht stattfinden darf. Aber auf die Einhaltung der Regeln wird dann kaum geachtet.
 
Lediglich einige professionelle Händler erklären ihre Übereinstimmung mit den internationalen Artenschutz-Abkommen und versichern, dem Angebot die erforderlichen Papiere beizulegen. Vielen Händlern mag überhaupt nicht klar sein, ob und inwiefern sie gegen Gesetze handeln. Manche benutzen das Internet dazu, gesetzliche Hürden zu umgehen. 

Ein deutscher Händler bietet zum Fell einer Großkatze zwar auf Wunsch das CITES-Zertifikat an, wünscht aber, dass der Käufer dafür zusätzlich € 70 bezahlt. Somit stellt er den Kunden vor die Entscheidung, nur mit viel Geld möglicherweise einen Legalitätsnachweis zu erwerben oder nicht.
 
Die Mehrheit der Ebay-Verkäufer erwähnt nicht die Übereinstimmung mit den Ebay-Grundsätzen. Dafür kommen diese Gründe in Frage: Der Verkäufer
 
- interessiert sich nicht für den Artenschutz
- kennt die Grundsätze von Ebay nicht
- wälzt die Verantwortung auf andere ab (Kommissionsverkauf)
- hat keine Ahnung davon, dass er etwas eventuell illegal zum Verkauf anbietet 
 
Die Ebay-Grundsätze für den Handel mit Tieren und Pflanzen sind allerdings auch schwierig ausfindig zu machen.
 
Mit einer heute anlaufenden Kampagne in mehreren Ländern will der IFAW die internationale Öffentlichkeit auf das sich auftuende weite Feld der ungelösten Probleme des Tierhandels im Internet aufmerksam machen.
 
Der IFAW fordert, dass die Regierungen aller Länder diesen Sektor mit mehr Aufmerksamkeit überwachen, die Lücken in den Rechtssystemen und im Vollzug ausfindig machen, die Gesetze verbessern und den Betreibern von Internet-Plattformen mehr Verpflichtungen auferlegen. Aber auch jeder Verkäufer und jeder einzelne Kaufinteressent sollte seine Verantwortung erkennen und danach handeln.
 
Wünschenswert wäre es, in jedem Land eine Hotline einzurichten, bei der sich Käufer und Verkäufer kundig machen können.
 
Robert Kleß vom IFAW: „Wenn die Nachfrage aufhört, wird das Töten von Tieren automatisch nachlassen.“
 
In mehreren Ländern, so in Deutschland, hat der IFAW mit Ebay Kontakt aufgenommen. Der IFAW sieht bei Ebay im Vergleich zu anderen Website-Betreibern zwar einiges Engagement, trotzdem findet illegaler Handel in erheblichem Umfang weiterhin statt. „Ziel eines verantwortungsvollen Providers muß es sein, eine lückenlose Überwachung der eigenen Seiten zu gewährleisten.“ Wie schon in den USA, Großbritannien und in Australien hat IFAW Deutschland eine Zusammenarbeit angeboten, in die es konkrete Empfehlungen einbringen könne.

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