Discounter handelt mit Fleisch bedrohter Haiarten

Montag, Mai 23, 2005
Hamburg
Von heute an bietet die Handelskette Lidl in ihren Märkten Haifisch-Fleisch in großen Mengen an. Die Tier- und Naturschutzorganisationen Internationaler Tierschutz-Fonds (IFAW), Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und NABU sowie der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) verurteilen diese Geschäftspraxis als verantwortungslos und fordern die Verbraucher auf, keine Hai-Steaks zu kaufen.
Haie - und zwar alle Arten - sind weltweit in ihren Beständen bedroht. Viele Arten drohen auszusterben. Experten schätzen, dass für die Lidl-Aktion rund 150.000 Haie getötet worden sein könnten.

Haiprodukte wurden bislang hauptsächlich auf dem asiatischen Markt angeboten. Für die begehrten Flossen, aus denen die Haifischflossen- Suppen hergestellt werden, zahlen viele Esser absurd hohe Preise. Den lebenden Haien werden die Flossen abgeschnitten („finning“), und die verstümmelten Körper werden wieder ins Meer geworfen, wo die Tiere qualvoll sterben.

Auf dem deutschen Markt werden - neben dem Haifisch-Steak - Haifisch-Produkte unter Handelsnamen wie Seeaal, Schillerlocken, Kalbsfisch, Speckfisch, Karbonadenfisch, Königsaal, Steinlachs und Seestör verkauft. Schätzungen zufolge sind die Bestände des Dornhais, aus dessen Fleisch Schillerlocken produziert werden, im Nordatlantik in den letzten zehn Jahren um 89 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig steigt weltweit die Nachfrage nach Haiprodukten drastisch an.

Lidl ist hierzulande einer der ersten Discountmärkte, der offensiv mit dem Angebot „Hai-Steaks“ Werbung macht. Die 2.500 deutschen Filialen von Lidl bieten Packungen mit 0,880 Kilogramm tiefgefrorenem Hai-Steak, wahrscheinlich vom Blauhai, für 4,95 € an. Insgesamt dürften so ca. 440.000 Kilo Hai-Fleisch in die Einkaufswagen wandern. Sollte sich die Aktion über eine Woche erstrecken, würde sich die Angebotsmenge auf 2,2 Millionen Kilogramm belaufen. Dafür müssten rund 150.000 Blauhaie sterben.

„Lidl fördert mit seiner gedankenlosen Aktion die weitere Zerstörung des Ökosystems Meere,“ sagt Dr. Ralf Sonntag, Meeresbiologe und Leiter des IFAW-Büros in Deutschland.

Erst vor wenigen Monaten hatte Deutschland auf der Konferenz der Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens in Bangkok versucht, die durch Überfischung in ihren Beständen stark einge­brochenen Dorn- und Heringshaie unter den Schutz der Konvention zu bringen. Der Antrag scheiterte jedoch innerhalb der Europäischen Union am Widerstand von Frankreich, Griechenland, Spanien und Irland.

Jährlich werden offiziell über 800.000 Tonnen Haie und Rochen gefangen, das entspricht etwa 100 Millionen Haien. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weitaus höher. Über 200 Millionen Tiere pro Jahr, so schätzen Fachleute, sterben durch gezielte Jagd auf Haifisch-Flossen und Haifisch-Steaks sowie als Beifang in Langleinen und Netzen.

Solange es keine verbindlichen nationalen und internationalen Regelungen gibt, appellieren IFAW, NABU, VDST und ZGF (Zoologische Gesellschaft Frankfurt) an Verbraucher und Unternehmen, Verantwortung zu zeigen und sich nicht am Ausverkauf der weltweit vom Aussterben bedrohten Haie zu beteiligen.

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