Robbenjäger konnten ihre Quote in diesem Jahr nicht erfüllen

Montag, Juni 25, 2007
Ottawa
Samstag abend beendete die kanadische Regierung offiziell die diesjährige Robbenjagd. Nach Angaben des kanadischen Fischereiministeriums wurden ca. 215.000 Sattelrobben getötet, die erlaubte Quote betrug 270.000. Der IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) hatte gegen den Jagdbeginn protestiert, da die Robbenpopulation aufgrund schlechter Eisbedingungen und hoher Jungtiersterblichkeit ohnehin schon stark bedroht war.
Die Jagd endet normalerweise Mitte Mai oder entsprechend früher, sobald die Quote erfüllt ist. In diesem Jahr erschwerten ungünstige Wetterbedingungen die Jagd. Daher hat das Fischereiministerium das offizielle Ende aufgeschoben.
Aufgrund ungewöhnlich hoher Temperaturen gab es im südlichen Golf zunächst kaum zusammenhängende Eisflächen und infolgedessen kaum Robben, da sie zum Gebären und zur Aufzucht ihrer Jungen Packeis benötigen. So erstreckte sich die Jagd viel weiter in den Norden als üblich, die Jäger mussten weitere Strecken zurücklegen. Dort wurden etwa 100 Boote der Robbenjäger im Eis eingeschlossen und mussten die Jagd unterbrechen, bis sie von Eisbrechern der kanadischen Regierung befreit wurden. Dies hat jedoch nicht zu einem Ende der Jagd geführt, sondern das Töten lediglich in die Länge gezogen.
„Es ist keine Überraschung, dass die Robbenjäger Schwierigkeiten hatten, ihre Quote zu erfüllen. Unsere Erkundungsflüge im St.-Lorenz-Golf im März und April zeigten eine katastrophale Eissituation“, so Dr. Ralf Sonntag, Meeresbiologe und Direktor des deutschen IFAW-Büros. „Viele Robbenjunge sind schon gestorben, bevor die Jagd überhaupt begann. Genau aus diesem Grund hatten wir die kanadische Regierung aufgefordert, die Jagd in diesem Jahr abzusagen oder zumindest die Quote drastisch zu senken.“
Wie viele Robben tatsächlich ihr Leben gelassen haben, lässt sich schwer feststellen. Auf festem Eis werden normalerweise fünf Prozent der Jungtiere verletzt, aber nicht geborgen. Sie erleiden einen qualvollen Tod durch Ertrinken. Wenn überwiegend vom Boot aus ins Wasser geschossen werden muss, wie in diesem Jahr, erhöht sich diese Verlustrate auf bis zu 50 Prozent. Diese Tiere tauchen in keiner Statistik auf.

Post a comment

Pressekontakt

Dörte von der Reith (IFAW, Germany)
Telefon:
+040-866 500 33
E-Mail: