Trotz Klimawandel: Kanada hält an der Robbenjagd fest

Sonntag, April 1, 2007
Berlin
Eine Quote von 270.000 Sattelrobben hat die kanadische Regierung am Donnerstag für die Robbenjagd freigegeben. Die Jagd beginnt in den nächsten Tagen.
Inzwischen verstärkt Kanada seine Bemühungen, die Europäer von ihren Plänen für ein gesetzliches Einfuhrverbot von Robbenprodukten abzubringen. Diese Gesetze sind in mehreren Ländern, darunter auch Deutschland, in Vorbereitung. Ralf Sonntag, Leiter des deutschen IFAW-Büros: „Die Gesetze sollen Kanada, der siebtgrößten Wirtschaftsnation der Welt, signalisieren: Wir wollen nicht, dass Ihr die grausame Robbenjagd fortsetzt. Sie muss Vergangenheit bleiben.“

Zur Zeit bereist eine Truppe von Kanadiern Europa und macht Werbung für die Robbenjagd. In Belgien, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Österreich sind Treffen mit Regierungsvertretern, Parlamentariern und NGOs angesetzt.

Von dem Gespräch in der kanadischen Botschaft am Donnerstag in Berlin haben sich der IFAW und Greenpeace enttäuscht gezeigt. Das Robbenschlachten in Kanada wird auch in diesem Jahr fortgesetzt, obwohl viele der neu geborenen Sattelrobben ertrinken werden, da das Eis im Norden Kanadas durch den Klimawandel wesentlich dünner ist als in den Jahren zuvor.

„Die bedrohliche Klimasituation ist ein Grund mehr, endlich Konsequenzen zu ziehen,“ sagt Ralf Sonntag vom IFAW. „Die Kanadier haben zwar die Quote auf 270.000 Tiere herabgesetzt, aber die Jagd muss endlich ganz aufhören,“ erklärt Thomas Henningsen von Greenpeace. „Sie ist grausam und überflüssig“. Die alljährliche kanadische Robbenjagd ist das weltweit größte Massaker an Meeressäugetieren. Ihr sind in den letzten Jahren jeweils 350.000 Tiere zum Opfer gefallen.

An der Spitze der kanadischen Delegation stand Kanadas „Fischereischutz-Botschafter“ Loyola Sullivan. Er versuchte, die Robbenjagd als „human, nachhaltig und gut reguliert“ darzustellen.

„Das war kein Austausch, das war eine Vorladung“, sagt Thomas Henningsen von Greenpeace zum Verlauf des Gesprächs. Die Argumente für die Jagd bleiben weiter falsch und vordergründig. Die Fischbestände werden sich durch die Vernichtung der Robbenbestände auch nicht wieder erholen.

„An sich begrüßen wir den Dialog," bilanziert Ralf Sonntag. “Aber die Kanadier haben keine Argumente. In ihrer Verzweiflung haben sie sogar die Karte der Inuit gespielt. Die Inuit sind die Ureinwohner Kanadas. Für sie sei die Robbenjagd unverzichtbar, hieß es. Das ist falsches Spiel und ein Missbrauch der Inuit. Sie leben hoch im Norden. Mit der kommerziellen Robbenjagd im Süden haben sie nichts zu tun. Dagegen, dass die Ureinwohner Robben fangen, haben wir nichts.“

Sonntag zur Rolle Europas: „270.000 sind 270.000 zu viele. Jetzt ist es umso dringender, dass die europäischen Länder die Handelsverbote verabschieden.“

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