IFAW überprüft Baulärm im Esszimmer der Grauwale

Donnerstag, Juli 20, 2006
Sachalin
Ein Team von russischen und amerikanischen Wissenschaftlern überprüft im Auftrag des IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) die Auswirkungen des Baulärms auf die letzten 100 Westpazifischen Grauwale im Ochotskischen Meer. Sie sind in der Lagune Piltun bei Sachalin, dem Hauptfutterplatz der Wale, eingetroffen und messen die Lärmentwicklung bei den Bauarbeiten des Öl- und Gasförderprojekts Sachalin-2.
Viele Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass die Erschließung der
Sachalin-2 Ölfelder an der Pazifikküste Russlands das Überleben dieser Wale gefährdet. Die Felder liegen am Rande der Nahrungsgründe der Wale, und die Pipelines führen teilweise direkt durch das Gebiet der Wale. Der IFAW hat Vorschläge gemacht, wie die Auswirkungen auf die Wale minimiert werden können. Bisher sind diese jedoch nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Ein Firmenkonsortium von Shell, Mitsui und Mitsubishi ist dort tätig und hat bei der Europäischen Entwicklungsbank EBRD für das Projekt einen Kredit von 500 bis 700 Millionen Euro beantragt. Auf Grund der zu erwartenden negativen Auswirkungen des Projekts auf die Wale und nicht eingehaltener Umweltrichtlinien ist der Kredit umstritten. Der IFAW und andere Umweltschutzorganisationen fordern, den Kredit an strenge Umweltauflagen zu knüpfen.

Seit 2004 unterstützt der IFAW die akustische Überwachung der Bauarbeiten und die Erforschung der letzten Tiere dieser Walart. Die Forscher konnten dabei feststellen, dass die Wale sehr empfindlich auf den Lärm reagieren und in ihrem Fressverhalten gestört werden. Die Folgen konnten schon die letzten Jahre beobachtet werden: viele Wale waren abgemagert.

Die Westpazifischen Grauwale fressen nur zwischen Mai und November in ihren Nahrungsgründen um die Halbinsel Sachalin. Die verbleibenden fünf Monate leben sie von ihren Fettreserven. Sind diese nicht groß genug, leidet auch die Fortpflanzung. Nur noch 24 Weibchen sind reproduktionsfähig.

„Nicht nur der Lärm bedroht die Tiere. Der erhöhte Schiffsverkehr ist eine zusätzliche Gefahr,“ erklärt Dr. Ralf Sonntag, IFAW-Meeresbiologe und zur Zeit vor Ort. „Durch Kollisionen mit Schiffen sterben immer wieder einzelne Wale. Das kann für eine so kleine Population fatal sein“.

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