Drei Walkühe starben in japanischen Stellnetzen

Montag, Oktober 10, 2005
Tokio
Schwerer Schlag für den Schutz einer stark gefährdeten Wal-Art: Durch japanische Stellnetze kamen in diesem Jahr drei Westpazifische Grauwale ums Leben. Von der Art gibt es nur noch ganze 100 Tiere. Sie steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
„Eine Katastrophe, denn bei einem so niedrigen Bestand zählt für die Erhaltung dieser Art jedes einzelne Exemplar,“ klagt der Meeresbiologe Dr. Ralf Sonntag, Leiter des deutschen IFAW-Büros (Internationaler Tierschutz-Fonds).

Im vorigen Jahrhundert galt der Westpazifische oder Koreanische Grauwal sogar schon einige Jahrzehnte als ausgestorben, bis chinesische Fischer in den 60er Jahren wieder Hinweise auf Grauwale in ihren Gewässern gaben. Zehn Jahre später entdeckten russische Wissenschaftler eher zufällig den kleinen Restbestand vom Westpazifischen Grauwal im Ochotskischen Meer und lieferten konkrete Fotobeweise.

Die 100 Wale halten sich von Mai bis November im zu Rußland gehörenden Ochotskischen Meer auf, nordöstlich von Sachalin. Dort haben sie an bestimmten Küstensäumen ihre Futterplätze. Allerdings können sie nicht ungestört fressen. Im Ochotskischen Meer wurden gigantische Erdöl- und Erdgas-Vorkommen entdeckt. Die Förderung hat längst begonnen, und es kommen weitere internationale Konsortien mit großen Offshore-Förderprojekten hinzu.

Der IFAW und weitere Organisationen wie WWF und Greenpeace versuchen seit Jahren, ein Zwölf-Milliarden-Dollar-Vorhaben der Shell, das den Grauwalen zu Leibe rücken würde, durch Vorschläge von Abänderungen zu entschärfen.

 „Die drei toten Wale sind viel verheerender, als man sich das allgemein vorstellt. Denn von den 100 Walen sind nur 23 reproduktionsfähige Weibchen, und alle drei in den japanischen Netzen umgekommenen Wale waren ebenfalls weiblich. Wenn es weitere Fälle von unnatürlichem Tod wie 2005 gibt, wird der Grauwal aussterben,“ erläutert Sonntag. Auf das Konto der Japaner gingen schon früher einige Verluste. So töteten 1996 japanische Fischer einen Grauwal mit Harpunen. Ein Jahr darauf wurde ein weiterer tot angeschwemmt.

Hintergrundinformation: Grauwale gehören zu den Großwalen. Sie werden bis zu 15 Meter lang und 35 Tonnen schwer. Es gibt sie nur in der nördlichen Hemisphäre. Ursprünglich existierten – voneinander isoliert - drei Populationen: die nordatlantisch-europäische, die ostpazifische und die westpazifische. Für die Existenz eines nordatlantischen Bestands gibt es nur historische Beweise. Er gilt schon seit 1700 als ausgestorben.

Die beiden pazifischen Populationen waren lange vom Walfang verschont geblieben, weil ihr geringer Trangehalt wirtschaftlich nicht attraktiv war. Nachdem den Walfängern aber die fetteren Arten ausgingen, rückten auch Grauwale in ihr Blickfeld. Insbesondere als ein Amerikaner die „Winterresidenz“ des Ostpazifischen Grauwals in den Lagunen der mexikanischen Halbinsel Baja California entdeckt hatte: Im flachen Wasser drängten sich die Grauwalmütter mit ihren Kälbern und konnten, so leicht wie keine andere Art zuvor, abgeschlachtet werden. Was denn auch geschah. Allein im Jahr 1874 wurden 11000 Tiere getötet.

Das brachte in Kürze die ganze Art in Gefahr. Die ostpazifische Population galt um 1900 als ausgestorben. Als später aber doch noch einzelne Tiere gesichtet wurden, ließ man sie in Ruhe, und 1946 wurden sie unter Schutz gestellt. Heute ist die Population auf etwa 20.000 Tiere angewachsen.

Die westpazifische Unterart hat es dagegen nie in großer Zahl gegeben. Man geht heute von einem einstigen Bestand von 2.500 bis 10.000 Tieren aus. Fast die gesamte Population fiel dem kommerziellen Walfang des 18. und 19. Jahrhunderts zum Opfer.

Post a comment

Pressekontakt

Ulli Schnapauff (IFAW, Germany)
Telefon:
+040-555 44 34
E-Mail:

Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
Regionaldirektorin Ozeanien
IFAW Japan Representative
Repräsentantin IFAW Japan
Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
Programmdirektor Wale