Sensation in Russland: Bärin brachte sechs Junge zur Welt

Montag, März 14, 2005
Moskau
Sechs neugeborene Bären aus einem einzigen Wurf sind im IFAW-Bärenwaisen-Haus 300 Kilometer nördlich von Moskau eingetroffen. Dies ist eine Sensation. Bären bringen normalerweise zwei bis maximal vier Junge zur Welt.
Die Mutter war bei einer Jagd in der Region von Novgorod in Nordwest-Russland getötet worden. Die Jagd war legal. Die Jäger folgten Wolfsspuren, als sie in einer offenen Grube auf einen Bären trafen - eigentlich ein untypisches Verhalten für ein weibliches Tier. Sie kehrten dreimal an den Ort zurück, bis sie sich entschlossen, den Bären zu erlegen.

Der russische Zoologe und Bärenforscher Prof. Valentin Pashitnov, der das IFAW-Barenwaisen-Haus leitet, kann nur den Kopf schütteln: „Die Jäger erklärten, sie seien ganz sicher gewesen, dass es sich um einen männlichen Bären handelte. Aber erfahrene Jäger hätten erkannt, dass es ein Weibchen war, denn männliche Tiere verlassen ihr Lager, wenn sie gestört werden. Die Bärin dagegen bleibt bis zur allerletzten Minute bei ihren Jungen.“

Ein Jäger brachte die sechs Geschwister - vier Jungen und zwei Mädchen - in die Bärenstation des IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds). Ein Tier hat schwere Kratzspuren - möglicherweise unabsichtlich von der Mutter im Todeskampf zugefügt.

„Sechs Bären in einem Wurf, das ist noch nicht dagewesen,“ hält Dr. Maria Vorontsova stolz fest, Leiterin des Moskauer IFAW-Büros. „Lediglich einen Bericht gibt es: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte eine erschossene Bärin sechs Embryos im Uterus. Aber das heißt ja nicht, dass sie alle lebend und gesund zur Welt gebracht hätte. Und es gibt noch einen unbestätigten Bericht über Fünflinge in der Nähe von Irkutsk (Sibirien).“

Der IFAW fordert für ganz Russland ein Gesetz zur Abschaffung der Winterjagd auf Bären. Zusammen mit Prof. Pashitnov hat der IFAW ein befristetes Jagdverbot für die Region Tver durchsetzen können, in der die Bärenstation liegt. Sie wird seit 1995 vom IFAW unterhalten. Rund hundert Bärenwaisen hat Pashitnov dort aufgezogen, für das Leben in freier Wildbahn ausgebildet und später ausgewildert. Sein Prinzip: So wenig Kontakt wie möglich, die Bären dürfen sich nicht an Menschen gewöhnen. Fast alle waren durch die Jagd zu Waisen geworden.

Zur Zeit versorgt er 13 Junge, alle etwa zehn Wochen alt. Sie werden im August dieses Jahres in die Natur entlassen. Darüber hinaus betreut er noch zwei 15 Monate alte Bären. Sie werden im April ausgewildert.

Post a comment

Pressekontakt

Ulli Schnapauff (IFAW, Germany)
Telefon:
+040-555 44 34
E-Mail: