Viele Haiarten werden für immer verschwinden, wenn der Mensch sein Verhalten nicht ändert

100 Millionen Haie werden schätzungsweise jedes Jahr wegen ihrer Flossen getötet.

An Haien fasziniert mich einfach alles: ihre Eleganz, ihr über Jahrtausende hinweg perfektionierter stromlinienförmiger Körperbau, ihre Kraft –  die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Als ich dann im März 2011 die Gelegenheit bekam, mit Haien zu schwimmen, konnte ich nicht Nein sagen. Die Woche die ich daraufhin auf den Bahamas verbrachte, hat mein Leben für immer verändert.

Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass mir wegen des bevorstehenden Tauchgangs nicht unwohl war – immerhin genießen Haie durch Filme wie „Der Weiße Hai“ einen schlechten Ruf. Zudem stoßen Angriffe von Haien bei den Medien immer wieder auf große Resonanz. Ich recherchierte deshalb und kam zu der beruhigenden Erkenntnis, dass die Wahrscheinlichkeit bei einem ganz normalen Strandbesuch von einem Hai angegriffen zu werden bei  1 zu 11,5 Millionen liegt. Und die Chance, von einem Hai getötet zu werden, liegt  sogar nur bei  1 zu 264 Millionen.

Als ich mich auf den ersten Tauchgang vorbereitete, war ich besorgt und aufgeregt zugleich. Der Anblick, der sich mir dann aber im Wasser bot, war atemberaubend: Haie, wohin ich auch schaute. Riffhaie schwammen um meinen Kopf und  dichter am Meeresboden und zwischen uns Tauchern waren  überall Zitronenhaie. Wir hatten sogar das Glück, Tigerhaie zu sehen. Keine dieser Arten war aggressiv oder verteidigte das Territorium, in das wir temporär eingedrungen waren. Während dieser Reise wurde mir auch zum ersten Mal bewusst, in was für einer schlimmen Situation Haie sind.  

100 Millionen Haie werden schätzungsweise jedes Jahr wegen ihrer Flossen getötet. Haifischflossensuppe ist eine Delikatesse, die  für bis zu 100 US-Dollar pro Teller verkauft wird.  Umgerechnet werden  11.000 Haie pro Stunde getötet. Das entspricht drei getöteten Haien pro Sekunde.

Ein Drittel aller Haie in den Ozeanen ist  laut einer Studie, die die IUCN (International Union for Conservation of Nature) im Jahr 2009 durchgeführt hat, in den kommenden Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Seit Millionen von Jahren hat es Haie gegeben  – und während meiner Lebenszeit könnten sie ausgerottet werden.

Zum Glück gibt es auf der ganzen Welt Bemühungen, Haie besser zu schützen. Langsam wird den Menschen bewusst, dass diese Tiere lebend wertvoller sind als tot. Trotzdem wird noch sehr viel Arbeit nötig sein, um mit vielen fest verankerten Vorurteilen zu brechen.

Die Ängste der Menschen, ihre Ignoranz und ihr Desinteresse gehören zu den schlimmsten Feinden des Hais. Wie kann es sein, dass wir Menschen meinen, dass wir mehr Rechte an den Ozeanen haben als jedes andere Lebewesen?

Haie sind im Meer unerlässlich. An der Spitze der Nahrungskette sorgen sie für den Erhalt anderer Fischpopulationen. Wenn es keine Haie mehr gibt, kippt das Ökosystem.

Nachdem ich drei Wochen auf den Bahamas unter Haien verbracht habe, kann ich nicht mehr schweigen, wenn es um die Not der Haie geht. Sie sind keine Menschenfresser.  Sie patrouillieren keine Strände, um Schwimmer anzugreifen. Aber die Haie sind in großer Gefahr, sehr bald schon zu verschwinden,  wenn wir nicht unsere Einstellung ihnen gegenüber ändern.

Vanessa Mignon

Erfahren Sie mehr über die Situation der Haie weltweit.

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Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
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Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
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Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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