Tierschutz siegt über Handelsinteressen in historischer WTO-Entscheidung

Das IFAW-Team bejubelt die Entscheidung des EU-Parlaments 2009
Montag, November 25, 2013
Hamburg

Heute bestätigte die WTO (World Trade Organisation), dass das EU-Handelsverbot für Robbenprodukte weitgehend den Richtlinien der WTO entspricht. Kanada und Norwegen wollen das Handelsverbot kippen und führten deshalb eine Anhörung bei der WTO herbei. Die 2009 beschlossene Gesetzgebung verbietet die Einfuhr von Robbenprodukten aus kommerzieller Jagd in die EU. Der IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) hatte jahrelang für die Einführung des Gesetzes gekämpft und begrüßt das Urteil der WTO.

„Die Entscheidung der WTO ist ein Sieg für die Robben, für den Tierschutz und für die Europäer“, so Dr. Ralf Sonntag, Direktor des IFAW-Deutschland. „Die WTO befand, dass die EU richtig handelte, indem sie Handelsbeschränkungen aufgrund von Tierschutzbedenken einführte, da das ein anerkannter moralischer Wert sei. Hier wurde der Tierschutz über bestimmte Handelsinteressen gestellt. Das ist eine historische Entscheidung, der viele folgen könnten. Außerdem entspricht das Urteil dem mehrheitlichen Wunsch der EU-Bürger, mit den Produkten aus der grausamen Robbenjagd nichts zu tun haben zu wollen.“

Im Wesentlichen besagt das Urteil, dass der größte Teil des EU-Handelsverbotes mit WTO-Gesetzen kompatibel ist und die EU den Handel mit Robbenprodukten aufgrund öffentlicher moralischer Tierschutzbedenken verbieten darf. Der Ausschuss bestätigte außerdem, dass die Robbenjagd aufgrund ihrer Bedingungen unweigerlich zu Tierschutzproblemen führt.

Insgesamt 34 Länder verbieten inzwischen den Handel mit Robbenprodukten, davon 28 Länder der EU, Russland und die USA. Der IFAW erwartet, dass sich noch mehr Länder diesem Boykott anschließen werden. Nach Schätzungen des IFAW sind ca. 1 Million Robben einem unnötigen und brutalen Tod durch die Entscheidung des EU-Parlaments im Frühjahr 2009 entgangen. 

„Der IFAW hat hart für dieses Handelsverbot gekämpft und wird auch weiterhin alles für seinen Erhalt tun“, so Dr. Sonntag weiter. „Wir glauben, dass die kommerzielle kanadische Robbenjagd in ihren letzten Zügen liegt und fordern die kanadische Regierung auf, lieber die Robbenjäger bei ihrem Sprung ins 21. Jahrhundert zu unterstützen, anstatt sich gegen den demokratischen Willen der EU-Bürger zu stemmen. Das ist eine ungeheuerliche Verschwendung von Ressourcen und Steuergeldern.“

Zwei Ausnahmeregelungen des EU-Handelsverbots wurden von der WTO beanstandet: Zum einen die Erlaubnis, Robbenprodukte aus indigenen Jagden in der EU zu verkaufen. Zum anderen die sogenannte „Marine Resource Management exception“, die es Fischern ermöglicht, Fischbestände durch das Töten von Robben zu schützen und die Kosten dafür durch den Verkauf von Robbenprodukten zu decken. Es ist noch unklar, wie diese Regelungen angepasst werden, um den WTO-Bestimmungen zu entsprechen.

Die beteiligten Parteien haben 60 Tage Zeit, um in Berufung zu gehen. Die kanadische Regierung hat bereits angekündigt, das zu tun.

Link zum WTO-Report: http://g.ifaw.org/1aT0XPR

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Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
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