SLIDESHOW: So funktioniert die Rehabilitation von drei Sibirischen Tigern im Osten Russlands

 

Update:
Langsam kündigt sich in der Region Primorje der Herbst an. Das Verhalten der jungen Tiger hat sich leicht verändert: Sie sind jetzt nicht mehr nur nachts aktiv, sondern auch am frühen Abend. Während die Sonne untergeht, spielen Kuzya und Borya ausgelassen Fangen, rennen auf den Hügel und lassen sich wieder hinunterrollen. Das Verhältnis zwischen den beiden Männchen ist nach wie vor harmonisch. Sie teilen sich friedlich das Fleisch.

Tiger Ustin hat im Nachbargehege zwei neue Mitbewohnerinnen bekommen. Er erschnuppert mit großem Interesse ihr Territorium. Allerdings haben wir noch keinen direkten Kontakt beobachtet. Die Tiger sind sehr vorsichtig.

Die Tiger sind jetzt ein Jahr alt und werden erwachsen. Sie haben ihre Milchzähne verloren und sind bereit für ihre erste Jagd auf große Beutetiere.
 

Ursprünglicher Blogbeitrag:
Der IFAW unterstützt die Rehabilitation von drei jungen Tigern, die im vergangenen Winter gerettet wurden. Im Herbst 2012 verloren die beiden Tigerjunge Borya und Kuzya ihre Mutter. Sie wurden im Bezirk Yakovslevsky in der Region Primorje gefunden. Ein weiteres Tigerjunges (Ustin) wurde im Bezirk Kavalerovsky in der Region Primorje gefunden. Lesen Sie auch: Blickpunkt Russland: Ausgewilderte Tigerin Cinderella entwickelt sich prächtig.

Mit ihren zarten vier bis fünf Monaten suchten sie verzweifelt nach ihrer Mutter und nach Nahrung. Sie hatten bereits viel Gewicht verloren und waren sehr schwach. In diesem Alter sind Tiger noch sehr klein und unselbstständig. Ende November wird es in der Region Primorje in der Regel schon sehr kalt und die Nahrungssuche gestaltet sich für verwaiste Tigerjunge äußerst schwierig.

Die Tiere waren bis zur Straße geirrt, wo Ranger sie bemerkten. Dank der Mitarbeiter der Organisation Special Inspection Tiger konnten sie eingefangen werden. Selbst in ihrem geschwächten Zustand versuchten sie noch wegzulaufen und wehrten sich. Ihre Mutter hatte ihnen offensichtlich beigebracht, dass man Menschen fürchten muss.

Die Tiger wurden am 4. Dezember 2012 in die Auswilderungsstation in Alexeevka gebracht. Die Station war von Special Inspection Tiger und dem A.N. Severtsov Institute of Ecology and Evolution speziell für Waisen eingerichtet worden. Borya und Kuzya wurden nach ihren Rettern benannt. Ustins Name hingegen ist angelehnt an den Fluss Ustinovka, der durch das Gebiet fließt, in dem er gefunden wurde.

In der Auswilderungsstation begann das Leben der Tigerjunge in einem kleinen Haus mit einer Höhle, wo sie fressen und zunehmen konnten. Sie blieben Menschen gegenüber misstrauisch – auch jenen gegenüber, die sie fütterten. Wenn sich jemand mit Futter dem Haus näherte, versteckten sie sich in der Höhle und legten sich flach hin. Angst vor Menschen ist ein gutes Zeichen. Allerdings konnten wir sie deshalb nur über Kameras beobachten. Nach einer Weile öffneten wir die Tür des Hauses und die Tiger zogen in ein kleines Gehege um.

Die Tigerjungen verhalten sich untereinander sehr freundschaftlich und es gibt keinerlei aggressive Auseinandersetzungen. Wenn wir ihnen ein großes Stück Fleisch geben, fressen sie es gemeinsam in aller Ruhe. Dabei "schnurren" sie sich oft gegenseitig zu – eine Bekundung ihres freundschaftlichen Verhältnisses. Wir beobachten die Tiere täglich über ferngesteuerte Videokameras und Kamerafallen, die im ganzen Gehege verteilt sind. Dadurch erfahren wir viel über das Leben der jungen Tiger, ohne ihnen nahe kommen zu müssen und sie zu verängstigen.

Klar erkennbar ist, dass verwaiste Tigerjunge vorsichtiger sind als ihre Artgenossen, die mit einer Mutter aufwachsen. Sie müssen permanent wachsam sein, um beim geringsten Anzeichen von Gefahr weglaufen und in Deckung gehen zu können. Meistens streifen sie rastlos durchs Gehege, spitzen die Ohren und schauen sich aufmerksam um. Tiger, die mit ihrer Mutter aufwachsen, verbringen ihre Zeit hingegen beim sorglosen Spiel. Nur in der Höhle, in die sie sich gerne zum Ausruhen zurückziehen, entspannen und spielen sie ein wenig. Dann fangen sie beispielsweise gegenseitig ihre Schwänze.

Diese Tiger mussten viel früher erwachsen werden, als es ihrem Alter entspricht. Ein Verhalten, das bei vielen verwaisten Tigerjungen festgestellt wurde. Eine weitere interessante Fähigkeit wilder Tigerjungen ist das Lauern. Wenn sie Geräusche hören, die ihnen Angst machen, legen sie sich flach auf den Boden und verstecken sich. Sogar ein sehr kleiner Busch kann als Deckung dienen. Sie können stundenlang dort verharren, bis die potenzielle Gefahr verschwunden ist.

Tiger haben ein sehr ruhiges und ausgeglichenes Temperament. Falls es jedoch Anzeichen für Gefahr gibt, etwa durch ein unbekanntes Geräusch in der Nähe des Geheges, fängt ihre Schwanzspitze an, schnell zu zucken. Dies ist das einzig sichtbare Zeichen für Angst bei den Tieren.

Im Sommer steht das Gras im Gehege sehr hoch, sodass sich die Tiger sehr gut verstecken können. Lediglich platt gelegene Stellen und ausgetretene Pfade deuten dann auf ihre Anwesenheit hin. Nachts und in der Dämmerung jedoch bewegen die Tiger sich offen durchs  Gehege und baden im kühlen Wasser. Auch am Morgen nehmen Borya und Kuzya täglich ein Bad in dem extra für sie ausgehobenen Graben, springen danach auf den Hügel, um das Wasser abzuschütteln, und spielen im hohen Gras.

Die Tigerjungen werden immer kräftiger. Bald müssen sie lernen, wie man jagt. Über Monate werden sie üben, wie man Wildschweine und Rotwild erlegt. Erst wenn sie dies gelernt haben, werden sie in allein in freier Wildbahn überleben können.

Ekaterina "Katya" Yourievna Blidchenko

Unterstützen Sie unsere Projekte für den Schutz von Tigern und anderen bedrohten Tierarten.

Post a comment

Experten

Kampagnenberater
Kampagnenberater
Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien