Südafrika: Rettungsmarathon für Affen, Eulen, Katzen und Hunde an einem einzigen Wochenende

Cora Bailey, Leiterin des kommunalen Tierschutzprogramms CLAW, beruhigt eine Meerkatze mit Trockenfrüchten, die von Kindern bedroht wurde.

Was ist für Dich eine normale Woche? Diese Frage höre ich oft. Und eine Antwort habe ich eigentlich nie. Beim kommunalen IFAW-Tierschutzprogramm CLAW (Community Led Animal Wefare) gibt es so etwas wie eine normale Woche nicht.

An einem Freitag am späten Nachmittag ging vor kurzem ein Notruf bei uns ein. Eine Meerkatze war in einem Fahrzeugdepot des südafrikanischen Snackherstellers Simba in Johannesburg aufgetaucht. Einige Mitarbeiter waren besorgt, zum einen weil die Meerkatze in einem mit scharfen Drahtzäunen abgesperrten Bereich festsaß und dort permanent schwere LKWs ihre Wendemanöver vollzogen, zum anderen weil viele Kollegen, was Affen angeht, abergläubisch sind. Unser mobiles Team mit Tierarzt Eric Mimbi und DeVilliers Katywa traf auf halber Strecke ein Helferteam, das eine Affenfalle bei sich hatte. Die Hunde, die sie noch im Auto hatten, wurden in ein anderes Fahrzeug gebracht und los ging die Rettungsmission.

Als Eric und DeVilliers beim Fahrzeugdepot ankamen, wollte das Sicherheitspersonal sie zunächst nicht aufs Gelände lassen. Erst nach einigen Anrufen bei Vorgesetzten, die schon im Wochenende waren, wurde ihnen Zutritt gewährt. Doch es war inzwischen schon dunkel und der Affe war nicht zu sehen. Die beiden platzierten daher eine Falle auf einem der Dächer und füllten sie mit einem Köder aus Früchten und Eiern. Sicherheitsleute und Mitarbeiter versprachen, die Falle im Auge zu behalten und uns sofort anzurufen, sollte sich der Affe zeigen.

Samstagmorgen und einige Anrufe später sah alles danach aus, als sei der Affe verschwunden. Er ist wie vom Erdboden verschluckt, lautete die Auskunft. Ich machte mich mit DeVilliers auf, um der Sache nachzugehen - was sich als sehr gute Idee erwies. Der Affe war in der Falle! Die Mitarbeiter bettelten uns an, das Äffchen noch einen Tag im Käfig zu lassen, damit Freunde und Kollegen es sehen könnten. Natürlich taten wir das nicht und befreiten es sofort.

Zur selben Zeit hatte Tierarzthelferin Jennifer Gerner in der Tierklinik ebenfalls alle Hände voll zu tun: Verkehrsunfälle, Vergiftungen sowie kranke Hunde und Katzen. Bis Mittag mussten schon 25 Notfälle versorgt werden. Parallel kümmerte sie sich um die Vermittlung von Tieren an neue Besitzer, während 50 Kinder beim Kinderprogramm "CLAW Juniors" sangen, spielten und bastelten.

Als wir gerade mit der Meerkatze im Gepäck auf dem Rückweg waren, rief mich eine Frau an, die am Morgen ein Kätzchen adoptiert und mit nach Hause genommen hatte. Sie brachte es nicht übers Herz, sein Geschwisterchen allein zurückzulassen und war schon auf dem Weg, um es ebenfalls abzuholen.

Später am Vormittag erhielten wir einen Anruf von einer Frau aus Soweto: ihr Hund war vor ein paar Tagen gestorben und sie hatte Mühe, acht Welpen zu ernähren - ob wir helfen könnten? Unsere Kollegin Lumka machte sich auf, um die Welpen abzuholen. Als sie dort ankam, sah sie, dass die Hundemutter im Hof mit Blumen und einem Kreuz begraben worden war. Eindeutig war die Hündin ein geliebtes Familienmitglied gewesen. Den Welpen ging es aber sehr gut.

Am Sonntag dann fuhr Katie, unsere Tierarzthelferin, das gerettete Äffchen nach Bambelala – in eine Rettungsstation für Wildtiere, die auf Meerkatzen spezialisiert ist. Es ist dort gut jetzt aufgehoben und kommt  in eine Gruppe von Meerkatzen, die momentan ausgewildert werden.

Kaum war das Wochenende vorbei und die Klinik wie üblich schon wieder brechend voll mit tierischen Patienten, als plötzlich jemand eine tote Eule hereinbrachte, die er unweit unserer Durban Deep-Klinik gefunden hatte. Der Finder vermutete, dass sie Junge hatte. Ein Team machte sich daher auf, um die Eulenbabys zu suchen - was auch gelang! Katie und Themba mussten dafür allerdings erst einmal auf das Dach eines baufälligen Gebäudes klettern und sie aus einem Rohr hervorholen. Katie ist eine großartige Tierarzthelferin, aber sie leidet unter Klaustrophobie. Tapfer kroch sie dennoch in das Rohr und befreite die drei Babyeulen. Danach musste sie sich, beschmiert mit Eulenkot, erst einmal sammeln. Die Babyeulen wurden zu einer Auswilderungsstation für Greifvögel gebracht. Die Untersuchung der toten Eulenmutter ergab, dass sie vermutlich durch einen Stromschlag umgekommen war.

Auch die acht Welpen waren mittlerweile gut untergebracht, der Affe war in Sicherheit, die Babyeulen gerettet, die Klinik voll und es gingen weiterhin jede Menge Notrufe ein.

Zu guter Letzt kamen dann noch Dr. Mimbi von der mobilen Tierklinik mit zwölf Hunden im Gepäck zurück, die alle kastriert werden sollten, und Danile mit zwei Opfern von Vergiftungen, die dringend Hilfe brauchten. Wir räumten einen Lagerraum aus, um Platz für zusätzliche Käfige zu schaffen, achteten darauf, dass es alle Hunde warm und bequem hatten, schlossen das Büro ab und gingen endlich nach Hause.

Cora Bailey

Erfahren Sie mehr über unseren Einsatz für Tiere in Not in Südafrika.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe