Rio+20: Tragen wir nicht alle eine „moralische Verantwortung“ für den Tierschutz?

Bei der heute legendären Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung vor zwanzig Jahren unterschrieben 100 führende Politiker aus aller Welt ein Übereinkommen zum Schutz der Erde und all ihrer Bewohner und trafen in dessen Rahmen wichtige Abmachungen wie die Biodiversitäts-Konvention.

Seit der Konferenz ist eine gesamte Generation erwachsen geworden.

Wir hatten also zwanzig Jahre Zeit, unsere Kinder zu einer Generation von erwachsenen Verbrauchern und Entscheidungsträgern zu erziehen, die mit mehr Rücksicht auf die Umwelt agieren. Dieser Generation wurde von den Vereinten Nationen damals „moralische Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung“ bescheinigt.

Was haben wir also erreicht?

Man kann durchaus beobachten, dass viele junge Erwachsene heutzutage etwas begreifen, was ihre Eltern und Großeltern nie begriffen haben.

Letzte Woche erst wurde in der New York Times über ein steigendes Interesse unter Studenten an tierbezogenen Universitätsstudiengängen berichtet – über den Trend, Tiere „aus dem Labor in den Hörsaal zu holen“ und sich auf eine Wissenschaft zu berufen, in der „die früher sehr klare Abgrenzung zwischen Menschen und anderen Tieren plötzlich verschwimmt“.

Es gibt jedoch andererseits auch Studien über die Gewohnheiten junger Erwachsener, die so genannte Generation Y, die ganz klar eine fehlende Verknüpfung zwischen Rücksichtnahme und Konsum feststellen.

So berichtete im Februar das Forbes-Magazin, dass die Generation Y sich zwar stärker für Themen wie den Klimawandel oder Tierschutz interessiert, dass ihre Kaufentscheidungen durch dieses Interesse allerdings eher selten beeinflusst werden.

Sie haben zwar grundsätzlich die Bereitschaft die Umwelt zu schonen und Mensch und Tier zu schützen, doch viele von ihnen weisen immer noch das gleiche Konsumverhalten auf, das letztendlich zum jetzigen Zustand der Umwelt und zum Rückgang der Artenvielfalt geführt hat.

Wir müssen also weiterhin daran arbeiten, dass endlich eine Brücke geschlagen wird zwischen dem, was junge Leute wollen und dem, was sie tatsächlich tun.

Das Animal Action-Programm des IFAW hat sich zum Ziel gesetzt, genau diese Brücke zu schlagen und richtet sich jedes Jahr an mehr als fünf Millionen junge Leute, Lehrer und Eltern in aller Welt, um über Umwelt- und Tierschutzthemen aufzuklären.

Auch auf der Rio+20-Jubiläumskonferenz im Juni dieses Jahres leisten wir Aufklärungsarbeit, um eine Brücke zu schlagen – und zwar die zwischen internationaler Politik und dem Handeln Einzelner. Das Gleiche tun wir bei anderen wichtigen internationalen Abkommen und Initiativen wie der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und der UN-Dekade der Biodiversität.

Denn tragen wir letztendlich nicht alle eine moralische Verantwortung für den Schutz von Mensch und Tier vor menschlicher Ignoranz?

-Fred O’Regan

Kommentare: 1

 
Gast
2 Jahre ago

Sehr schön geschrieben. Man darf aber dazu auch nicht vergessen, dass die Politik die Menschen ja geradezu zum Konsum "zwingt", denn ohne Wirtschaftswachstum geht gar nichts. Leider kommen wir irgendwie aus dieser Falle nicht heraus.

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Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
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Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Sonja Van Tichelen, Regionaldirektorin Europäische Union
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