Neue Studie zeigt: Illegaler Wildtierhandel bedroht Sicherheit weltweit

Gewildertes Nashorn-Horn im Tsavopark in Kenia
Donnerstag, September 12, 2013
Hamburg

Der illegale Wildtierhandel gefährdet nicht nur viele Arten und bringt einige an den Rand der Ausrottung, sondern stellt auch eine ernsthafte Bedrohung der nationalen und regionalen Sicherheit vieler Staaten dar. Das belegt eine neue Studie des IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds).

Der Report „Criminal Nature“ zeigt auf, dass die Wilderei und der internationale illegale Wildtierhandel eng mit der organisierten Kriminalität verknüpft sind und zunehmend zu einer Gefährdung von Menschen führen. So starben mehr als 1000 Ranger in den letzten zehn Jahren in 35 Ländern im Einsatz und Dorfbewohner müssen um ihr Leben fürchten, wenn sie das schmutzige Geschäft nicht unterstützen. Paramilitärische und terroristische Gruppierungen wie z. B. al-Shabaab in Somalia oder die Lord’s Resistance Army in Uganda nutzen die Schwarzgeschäfte zur Beschaffung von Waffen und Ausrüstung.

„Der Handel mit Elfenbein und anderen Wildtierprodukten befeuert bewaffnete Konflikte in Krisenregionen“, so Peter Pueschel vom IFAW-Deutschland. „Längst bedroht die Wilderei nicht mehr nur Tiere und die Artenvielfalt, sondern ist zu einer massiven Gefahr auch für die lokale Bevölkerung und die nationale Sicherheit in vielen Ländern geworden. Die internationale Staatengemeinschaft muss den Kampf gegen den illegalen Wildtierhandel endlich ernst nehmen und zur Priorität erklären. Länder, wie Deutschland und die EU sollten eine eigene Task Force ins Leben rufen, um der Wildtierkriminalität wirksam entgegenzutreten und Projekte und Finanzierungsprogramme unterstützen, die die Wilderei in den betroffenen Ländern effektiv bekämpfen.“

Aber nicht nur das Ausmaß der Wilderei hat drastisch zugenommen, auch die Methoden werden immer raffinierter und damit auch schwerer aufzudecken. Drogensyndikate aus Brasilien, Kolumbien und Mexiko beispielsweise schmuggeln illegale Wildtierprodukte in die USA und die EU. So können sie ihre ausgeklügelten Methoden zur Verschleierung illegaler Drogen nun für den Wildtierhandel nutzen.

„Hohe Profite, niedrige Strafen und geringes Risiko einerseits und die Nutzungsmöglichkeit ihrer ohnehin bestehenden Strukturen und illegalen Handelswege – das macht den Wildtierhandel so ungeheuer attraktiv für kriminelle Syndikate“, so Pueschel. „Produkte wie Nashorn-Horn oder Bärengalle können mehr Geld einbringen als Gold oder Kokain, der Gewinn kann locker ein zehnfaches der investierten Summe betragen. Entscheidungsträger müssen verstehen, dass sich „die Szene“ gewandelt hat: Der kriminelle Wildtierhändler von heute ist top organisiert, hat finanzstarke Auftraggeber im Rücken, nutzt moderne Technologien und beschäftigt hochgerüstete Wildererbanden.“

Nach Angaben von Europol beziffert sich das Geschäft mit dem illegalen Wildtierhandel und der Wilderei auf 18 bis 26 Milliarden Euro pro Jahr und rangiert damit an vierter Stelle der weltweiten organisierten Kriminalität, nach dem Handel mit Drogen, der Produktpiraterie und dem Menschenhandel.

Neben der gestiegenen Nachfrage nach Wildtierprodukten tragen auch unzureichende Gesetze, mangelhafte Strafverfolgung, der Onlinehandel und der legale Wildtierhandel zum rasanten Anstieg der Wilderei bei. 

Seit 2005 arbeitet der IFAW mit INTERPOL zusammen, um weltweit die Vollzugskapazitäten im Bereich Strafverfolgung und Aufdeckung von Wildtierkriminalität zu verbessern. 2012 führten IFAW und Interpol gemeinsam die bisher größte Anti-Wilderei-Operation in 14 afrikanischen Ländern durch, was zu 214 Verhaftungen führte und zur Beschlagnahmung von 2 Tonnen Elfenbein, 20 kg Nashorn-Horn und 30 Feuerwaffen.

Sie können die Studie „Criminal Nature:  The Global Security Implications of The Illegal Wildlife Trade” hier herunterladen (Englisch):  http://g.ifaw.org/19KhLXB
 

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