Nach den Überschwemmungen in Bosnien hilft der IFAW weiteren Gemeinden beim Umgang mit Straßenhunden

Unsere Gruppe im bosnischen Gradacac bestand aus Vertretern der Gemeindeverwaltung, privaten und staatlichen Tierärzten, Lehrern, Vertretern der Rentenkasse, der Vereinigung für Menschen mit Behinderung und Medienvertretern.

Weite Teile Bosnien-Herzegowinas und seiner Nachbarländer wurden kürzlich von verheerenden Überschwemmungen verwüstet. Die Flut spülte Häuser davon, zerstörte Felder und kostete Menschen und Tiere das Leben.

Die vergangenen zwei Wochen habe ich mit dem IFAW in Bosnien-Herzegowina verbracht. Gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) unterstützen wir dort sechs Gemeinden, um einen Plan für den Umgang mit ihren Straßenhunden zu entwickeln.

Zusammen mit unseren bosnischen Kollegen vom UNDP, die wir zuvor mit der Vorgehensweise des IFAW vertraut gemacht hatten, fuhren meine Kollegin Becky und ich nach Jajce und Gradacac, um mit dem Planungsprozess zur Verbesserung der Situation der Hunde vor Ort zu beginnen. Jajce liegt im Zentrum Bosnien-Herzegowinas, Gradacac ist ein Dorf im Nordosten des Landes, unweit der kroatischen Grenze.

Am ersten Tag nahmen wir an einem UN-Koordinationstreffen im Haus der Vereinten Nationen in Sarajewo teil. An dem Treffen nahmen unter anderem Botschaftsvertreter sowie Abgesandte der NATO und anderer internationaler Streitkräfte teil. Wir erhielten dort wichtige Informationen zur Wanderung der Landminen und zur Unterkunftssituation der Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina.

Wir wurden gewarnt, dass 70 Prozent des von den Überschwemmungen betroffenen Gebiets mit Landminen verseucht sei, die durch Fluten und Erdrutsche gewandert waren. Schilder und Zäune, die auf Landminen hingewiesen hatten, waren weggespült worden. Beim Betreten dieser Gebiete besteht somit Lebensgefahr. Im Land umherzureisen ist hingegen sicher, da die meisten Hauptverkehrsstraßen minenfrei sind.

Außerdem wurden wir bei dem Treffen informiert, dass noch immer mehr als 1.500 Menschen in Übergangsunterkünften leben und 20 Prozent von ihnen vermutlich nie wieder in ihr Zuhause zurückkehren können.

Auf unserem Weg von Sarajewo nach Jajce sahen wir schon nach kurzer Zeit, was für eine beispiellose Katastrophe die Menschen und Tiere hier erlitten haben mussten.

Diesen Welpen fand das IFAW Rettungsteam nach den verheerenden Überschwemmungen in Bosnien. Einige Wochen später führten IFAW Mitarbeiter James und Becky Workshops für einen humanen Umgang mit Straßenhunden durch.

Mindestens fünf Meter über der Wasseroberfläche hingen entlang des Flusses Bosna Plastiktüten und anderer Müll in den Bäumen. Dies zeigte eindeutig, wie hoch das Wasser gestanden haben musste.

Die Wucht der Fluten hat alles mitgerissen und Hunderte Häuser und Felder unter Wasser gesetzt. Manche Häuser waren durch Erdrutsche unter Felsbrocken, Kies und Schlamm begraben worden. Andere hingen nur noch an den Berghängen.

Gleich nach unserer Ankunft in der beschaulichen mittelalterlichen Stadt Jajce begab sich unser Team ins Hotel "Turist 98", um den Raum für den Workshop herzurichten. Der Bürgermeister sprach zu Beginn des Workshops einige Begrüßungsworte. Er sagte, dass schon vieles erreicht worden sei, um das Problem mit den streunenden Hunden in den Griff zu bekommen. Doch es müsse noch mehr getan werden. Er wurde nicht müde, die Gemeindemitglieder zu bestärken, mit dem IFAW und dem UNDP zusammenzuarbeiten, um einen langfristigen Plan zum Umgang mit den streunenden Hunden in Jajce zu entwickeln.

Die Teilnehmergruppe bestand aus Vertretern der Gemeindeverwaltung, der Polizei, der Vereinigung für Menschen mit Behinderung sowie aus Schülern, Lehrern, Jägern und den Lokalmedien.

Am ersten Tag waren die Spannungen innerhalb der Gruppe deutlich spürbar, da alle Vertreter ihre eigene Sichtweise auf die Probleme mit den Hunden in ihrer Gemeinden hatten. Doch dies ist zu Beginn häufig der Fall, wenn wir die unterschiedlichen Interessengruppen zusammenbringen. Im Laufe der Zeit entspannte sich die Stimmung, die Diskussion wurde immer konstruktiver und alle konnten nach einer Weile die Sichtweise der anderen nachvollziehen.

Im Laufe des zweitägigen Workshops arbeitete die Gruppe immer besser zusammen. Am Ende war sich die Gruppe einig, wo die Ursache der Probleme mit den Hunden lag. Außerdem hat sie einige Annahmen erarbeitet, die sie mittels Datenerhebung überprüfen will, bevor später im Jahr der zweite Workshop stattfindet. So soll sichergestellt werden, dass ihr Plan so wirksam, hundefreundlich und nachhaltig wie möglich ist.

Zur Überraschung aller bot eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung den Teilnehmern an, ihre Arbeit im Zusammenhang mit der Datenerhebung in den Räumen der Verwaltung durchzuführen. Sie stellte sogar ihr Büro zur Verfügung, um dort diejenigen Teilnehmer mit Infomaterial zu versorgen, die keinen Internetzugang haben. Das Angebot wurde von der Gemeinde freudig begrüßt.

Der Autor steht neben einem Aufklärungsplakat in Gradacac.

In Gradacac wurde der Workshop in einem wunderschönen Landgasthof abgehalten. In den Kaffeepausen, die in der bosnischen Kultur eine wichtige Rolle spielen, sahen die Teilnehmer den Hasen zu, wie sie quer über die Wiese hoppelten. Die Gruppe in Gradacac bestand aus Vertretern der Gemeindeverwaltung sowie aus privaten und staatlichen Tierärzten, Lehrern, Vertretern der Rentenkasse, der Vereinigung für Menschen mit Behinderung und Medienvertretern.

In Gradacac war die Zusammenarbeit in der Gruppe von Anfang an sehr konstruktiv. Alle brachten sich bei den Übungen aktiv ein und es schien bereits eine breite Übereinstimmung in Bezug auf die Ursache der Probleme mit streunenden Hunden in Gradacac vorhanden zu sein.

Erfreulicherweise stellten sowohl die Gruppe in Jajce als auch die Teilnehmer in Gradacac fest, dass sie sofort nach dem Workshop beginnen können, das Verständnis für die Bedürfnisse von Hunden innerhalb ihrer Gemeinden zu fördern.

Erfahren Sie mehr über die Partnerschaft zwischen dem IFAW und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen in Bosnien.

James Pirnay

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