Massentötungen von Straßenhunden in Sotschi sind keine Lösung

Die Massentötung von Hunden in Sotschi – wie auch in jeder anderen Stadt – ist die falsche Lösung. © IFAW

Wir sind entsetzt, dass im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2014 erneut Massentötungen von Straßenhunden in Sotschi geplant sind.

Während der letzten neun Monate hat der IFAW der Umweltabteilung des Olympischen Organisationskomitees mehrmals angeboten, zu helfen, um einen humanen und nachhaltigen Plan für die Kontrolle der Straßenhundepopulation in Sotschi zu entwickeln und umzusetzen. Doch unsere Apelle wurden ignoriert.

Der IFAW ist noch immer bestrebt Sotschi zu helfen, einen humanen, nachhaltigen Plan für die Kontrolle seiner Hundepopulation zu erarbeiten. Massentötungen muss es nie wieder geben!

Die Massentötung von Hunden in Sotschi – sowie auch in jeder anderen Stadt – ist die falsche Lösung.

Und zwar aus folgenden Gründen:

  • Sie ist ineffektiv. Massentötungen von Hunden packen das Problem nicht an der Wurzel und müssen deshalb immer wiederholt werden.
  • Sie ist inhuman. Es gibt international anerkannte Standards für humane Euthanasie bei Tieren. Darunter fällt auf keinen Fall, dass ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen die Tiere zusammentreibt und als Abfall entsorgt.
  • Sie traumatisiert die Bevölkerung. Die Einwohner von Sotschi kümmern sich um die Hunde. Laut eines kürzlich bei Associated Press erschienenen Artikels werden die Hunde von einheimischen Bauarbeitern gefüttert und untergebracht. Zahlreiche Bürgervereinigungen aus Sotschi sind an uns herangetreten und haben uns gebeten, die Massentötung zu verhindern.
  • Sie strebt vergeblich ein unerreichbares Ideal an. Die Annahme, dass internationale Besucher, die nach Sotschi kommen, eine hundefreie Stadt vorfinden wollen, ist falsch. Das beweisen die immer lauter werdenden internationalen Proteste gegen die Massentötung.
  • Sie wird dem Ansehen der Spiele in der Öffentlichkeit großen Schaden zufügen. Sie führt das Motto der Olympiade "Spiele im Einklang mit der Natur“ mit dem sich Sotschi schmückt, ad absurdum.

Das kann Sotschi tun:

  • Die Anordnung zur Tötung der Hunde sofort zurücknehmen.
  • Die Hilfe und den Expertenrat des IFAW annehmen. Wir bieten unsere Hilfe an, sofort wirksame und langfristige Strategien für den Umgang mit Straßenhunden zu entwickeln.
  • Das Thema Sicherheit angehen. Die russische Regierung hat große Mengen Geld und Personal bereitgestellt um die Veranstaltungsorte vor terroristischen Bedrohungen zu schützen und die Besucher über Sicherheitsthemen aufzuklären. Besucherbroschüren sollten auch Informationen über richtiges Verhalten bei Begegnungen mit Straßenhunden enthalten.
  • Maßnahmenplan für den humanen Umgang mit Straßenhundeproblemen erarbeiten, der ab sofort bei jeder Veranstaltung angewendet wird. Bei der Entwicklung eines solchen Planes sollten verschiedene Interessengruppen einbezogen werden. Der Gemeinschaftsgeist, der durch das gemeinsame Lösen des Problems entsteht, wird auch auf andere Initiativen übergreifen.

Wir sind überzeugt, dass unsere Empfehlungen das Problem auf humane Art lösen können. Der IFAW Russland arbeitet seit über fünfzehn Jahren zum Thema Straßenhunde. Dazu gehört unter anderem, dass wir eng mit dem Büro des Moskauer Bürgermeisters zusammenarbeiten, um Massentötungen in der Hauptstadt zu vermeiden.

Bei der Lösung von Straßenhundeproblemen ist der IFAW eine der erfahrensten Organisationen weltweit. Unser Leitfaden "Humane Communities: Security, Health and Animal Welfare Commitment" definiert Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Plänen für eine humanen und nachhaltige Kontrolle von Hundepopulationen. Er ist Teil der Clinton Global Initiative (CGI) und wird derzeit in neuartigen Projekten in Bosnien und Chile angewandt. Gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) arbeiten wir in mehreren bosnischen Gemeinden an der Lösung des Streunerproblems. Diese Pilotprojekte werden zweifellos Modellcharakter für viele andere Gemeinden haben, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind. Außerdem unterstützen wir auch Gemeinden in Mexiko, Bali und Südafrika bei der Lösung ihrer Probleme mit Straßenhunden und -katzen.

Wir möchten sehr gerne unsere Erfahrung und unsere Expertise den Behörden in Sotschi zur Verfügung stellen. Die Politik und das Olympische Komitee haben eine wichtige Entscheidung zu treffen. Wir hoffen, dass sie sich richtig entscheiden. Helfen Sie uns dabei, Sotschi zu überzeugen.

Fordern Sie die russischen Behörden auf, mit dem IFAW zusammenzuarbeiten und eine humane Lösung für die Straßenhunde von Sotschi zu finden.

Kate Natrass Atema

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
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Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
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Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
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Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
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Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe