Kenianische Naturschutz-Behörde Kenya Wildlife Service versieht Elefanten im Tsavo-Nationalpark mit Senderhalsbändern

Vergangene Woche versah ein Team aus Mitarbeitern des IFAW und des Kenya Wildlife Service (KWS) in Kenia neun Elefanten im Tsavo-East- und Tsavo-West-Nationalpark erfolgreich mit Satelliten-Sendern. Damit sind nach einer ähnlichen Aktion im vergangenen Jahr nun insgesamt zwölf Tiere mit Satelliten-Sendern ausgestattet. Dies ist die erste groß angelegte Überwachung von Elefantenbewegungen mithilfe von Satellitentechnologie in den Tsavo-Nationalsparks; die letzte Überwachung dieser Art wurde im Jahr 1971 noch mit traditionellen Funkhalsbändern durchgeführt.

KWS-Tierarzt Dr. Jeremiah Poghon betäubt die Elefanten von einem Hubschrauber aus.Die ersten vier Elefanten wurden in den nördlichen Gebieten von Tsavo East bei der um vier Uhr morgens beginnenden Operation für den Bodentransport betäubt (Foto 1).

KWS-Tierarzt Dr. Jeremiah Poghon verpasste von einem Hubschrauber aus den Elefanten einen Betäubungsschuss. Er traf alle neun Tiere direkt beim ersten Versuch.

Den betäubten Elefanten wurden daraufhin Namen zugewiesen, die sich aus Wörtern zusammensetzten, die einerseits auf den Ort ihrer Behandlung, andererseits auf das Geschlecht des Tiers hinwiesen. So bekam der erste Elefant, der am Morgen des 19. März betäubt wurde, ein ca. 30jähriger ausgewachsener Jungbulle, also den Namen Emusaya Male (EM). Er hatte nur seinen linken Stoßzahn, und war zu unserer späteren Überraschung nicht das einzige Tier in der Gruppe, das diese Eigenart aufwies.

Das nächste betäubte Tier war dann Ndiandasa Male (NM), ca. 35 Jahre alt, und wieder nur mit einem Stoßzahn auf der linken Seite. NM hatte seitlich im Bauch zwei Pfeilspitzen stecken (siehe Foto 2), die entweder von Wilderern oder anderweitigen Auseinandersetzungen mit Menschen stammen mussten. Da durch die dicke Haut eines Elefanten angesammelter Eiter schwer austreten kann, besteht das Risiko schwerer innerer Entzündungen, die das Tier schwächen und im schlimmsten Fall sogar langsam und schmerzvoll töten können. In diesem Fall wurde die Verletzung aber von den Tierärzten gereinigt und behandelt. NM hat Glück gehabt!

Der dritte Elefant des Tages war dann Ithumba Male (IM), zwischen 20 und 25 Jahre alt. Auch er hatte nur einen Stoßzahn – den linken. Glücklicherweise hatte das letzte zu betäubende Tier des Tages, Sangayaya Female (SGF), ein Weibchen zwischen 20 und 25, beide Stoßzähne.

Am darauffolgenden Tag wurden dann weitere vier Elefanten betäubt und mit Senderhalsband ausgestattet.

Diese Kuh mit einem Stoßzahn bekam den Namen Maktau Female (MKF).

Der erste war ein riesiger Bulle mit einem Stoßzahn von mindestens 40 Jahren, dem der Name Kasigua Male (KM) gegeben wurde. Dann folgte Maktau Female (MKF). Nach ihnen bekam Jipe Male (JM) sein Halsband, ein Bulle zwischen 30 und 40, von dessen Rüssel mindestens 15 cm fehlten – wahrscheinlich hatte er sich in einer Drahtschlinge verfangen und den Rüssel so abgetrennt (Foto 3).

Njukini Female (NJF) war die letzte des Tages. Wir fanden zwischen 20 und 25jährige Kuh in einer Gruppe von 80 anderen außerhalb des Westteils des Tsavo-West-Nationalparks in der Nähe des benachbarten Tansania.

Den Biologen an Bord des Hubschraubers, Steve Njumbi vom IFAW und David Kimutai vom KWS, fiel die außergewöhnliche Körper- und Stoßzahngröße dieser Herde auf – die Tiere waren insgesamt kleiner als die anderen Elefanten in Tsavo, hatten kürzere, schmalere und geradere Stoßzähnen und eine herausragende Wirbelsäule. Diese Beobachtungen bestätigten sich auch während des Anbringens des Halsbands bei NJF auf dem Boden noch einmal. Wir zogen den Schluss, dass es sich bei den Tieren um das Überbleibsel einer im Wald lebenden Population handelt, die zwischen Tsavo West und dem Kilimandscharo-Nationalpark in Tansania hin- und herpendelt. Das Halsband wird uns Aufschluss darüber geben, ob wir mit dieser Annahme richtig liegen.

Das letzte Halsband wurde bei einem jungen gesunden Bullen zwischen 20 und 25 angebracht, der auf den Namen Kamboyo Male getauft wurde. Da das Tier noch wachsen wird, achteten wir darauf, dass das Halsband locker genug angebracht wurde.

Das Wohl der Tiere

Bei den vier Elefanten am ersten Tag dauerte das Anbringen des Senderhalsbands durchschnittlich 13 Minuten pro Tier.

Dass die gesamte Aktion für die Tiere weitgehend stressfrei über die Bühne geht, hat für uns höchste Priorität. Wir bringen die Halsbänder so schnell wie möglich an, damit der Elefant auch so schnell wie möglich aus der Betäubung geholt werden kann. Die ersten vier Tiere wurden alle durchschnittlich innerhalb von 13 Minuten mit Halsband ausgestattet. In dieser Zeit wird der Halsumfang des Elefanten gemessen, das Halsband auf ebendiese Länge zugeschnitten und mithilfe eines mit Haken versehenen Drahts unter dem schweren Hals des schlafenden Elefanten hindurchgeführt und um ihn herumgelegt.

Am zweiten Tag verbesserten wir unsere Zeit sogar auf 10 Minuten pro Tier. Und das einzige Tier am dritten Tag bekam das Halsband sogar innerhalb von neun Minuten angebracht, obwohl es nach der Betäubung in einer sitzenden Position einschlief. So eine Position kann für einen Elefanten sehr gefährlich sein, weil die Lungen zerquetscht werden können, doch innerhalb dreißig Sekunden war sie schon von den beiden erfahrenen Mitarbeitern Patrick Mulandi und Sergeant Lelimo auf die Seite gehievt.

Am Ende überstanden also sowohl alle Elefanten als auch Mitarbeiter die nicht ungefährliche Operation völlig unbeschadet. Die bemerkenswerte Effizienz zeugt von der sehr sorgfältigen Vorbereitung in den letzten sechs Monaten und der großen Erfahrung der an der Operation beteiligten Teams.

Sinn und Zweck der ganzen Aktion ist es, mithilfe der Satellitenhalsbänder über die Bewegungen der Elefanten und ihre Nutzung des Ökosystems im Tsavo-Nationalpark auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Seit der letzten Aktion dieser Art im Jahr 1971 ist die Bevölkerung in der Region stark gewachsen und dieser Bevölkerungszuwachs hat gleichzeitig eine Beeinträchtigung des Lebensraums der Elefanten durch Landwirtschaft und menschliche Infrastruktur mit sich gebracht. Dadurch kommt es immer häufiger zu Konflikten zwischen Siedlern und Elefanten.

Im Dezember 2011 wurde in Tsavo West in der Nähe der Stadt Voi ein Einheimischer von einem Elefanten getötet. Doch während die Gemeinde bei früheren Vorfällen dieser Art die Tötung des „wild gewordenen“ Elefanten forderte, forderten einige diesmal sogar das Leben eines Mitarbeiters des KWS.

Die Wilderei in Kenia hat in den vergangenen zwei Jahren alarmierende Ausmaße angenommen. Dem KWS zufolge wurden letztes Jahr mindestens 278 Elefanten wegen ihres Elfenbeins getötet. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es nur 47 gewesen. Tsavo ist da keine Ausnahme. Erst zwei Wochen vor der Halsband-Operation wurden zwei Tsavo-Ranger von Wilderern getötet.

Die Senderhalsbänder sollen letztendlich dazu dienen, die Informationen zusammenzutragen, mit denen effektive Lösungsansätze für den Mensch-Elefanten-Konflikt, für das Wildererproblem und für den Umgang mit den wichtigsten Wanderkorridoren und Lebensräumen außerhalb der geschützten Gebiete entwickelt werden können.

Die Informationen, die wir von den im letzten Jahr mit Halsbändern ausgestatteten Elefanten gewinnen konnten, haben uns bereits zwei sehr wichtige Erkenntnisse eingebracht:

(i) Elefanten sind „gebietsgebunden“, d.h. sie haben bevorzugte Gebiete innerhalb des Ökosystems, wo sie sich immer wieder aufhalten. Man kann dieses Verhalten damit erklären, dass die Elefanten sich die für sie wichtigen Ressourcen in den jeweiligen Gebieten aufteilen. Für das Elefantenmanagement ist dies einerseits eine gute, andererseits eine schlechte Nachricht. Es lässt sich zwar leichter vorhersagen, wo sich Elefanten aufhalten, und dadurch können in den betreffenden Gebieten gezielte Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Allerdings können auch Wilderer die Elefanten so viel leichter aufspüren.

(ii) Eine Elefantenkuh hat die meiste Zeit außerhalb des Schutzgebiets auf einem Farmgelände südlich von Tsavo East verbracht. Dies ist der Beweis dafür, dass es einen Wanderkorridor und einen Lebensraum außerhalb der Parkgrenzen gibt, der sehr wichtig für Elefanten ist und der aus diesem Grund abgesichert werden muss. Die Sicherheitsmaßnahmen in diesen Gebieten sind allerdings lange nicht so gut ausgebaut wie im Park selbst.

Wissen ist Macht. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Erkenntnisse, die wir von den zwölf mit Halsbändern ausgestatteten Elefanten gewinnen, uns die Macht verleihen, Elefanten und ihre so wichtigen Lebensräume in und um Tsavo in Zukunft besser zu schützen.

--Steve Njumbi

Handeln Sie jetzt und unterstützen Sie den IFAW beim Schutz der Elefanten vor Wilderen. Sagen Sie „Nein zum Elfenbein“ und unterzeichnen Sie unsere Petition hier.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
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Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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