Können wir es uns leisten, mit Nashörnern zu experimentieren?

Dieses Breitmaulnashorn wurde im kenianischen Meru-Nationalpark ausgewildert. © IFAW/D. Willetts 2002Die jüngste Ankündigung der südafrikanischen Regierung, den Verkauf von Nashorn legalisieren zu wollen, gibt Anlass zur Beunruhigung, auch wenn dies nicht überraschend kommt. Die internationale Lobbyarbeit Südafrikas für den Handel mit Nashorn begann bereits auf der 16. Vertragsstaatenkonferenz (CoP16) der Convention on International Trade in Endangered Species (CITES). Dort versuchte Südafrika bereits, andere Regierungen dahingehend zu beeinflussen, den Lagerverkauf von Nashorn und den anschließenden regulierten Handel zu erlauben. Die Entscheidung soll nun auf der  kommenden 17. Vertragsstaatenkonferenz fallen. Die südafrikanische Regierung begründet ihre Haltung damit, dass eine Legalisierung des Handels die Märkte mit Nashorn überschwemmen und so eine Reduzierung der Wilderei herbeiführen würde. Doch das ist nicht nur ein trügerisches Argument, sondern auch ein überaus gefährliches Experiment! Das Schockierendste an dem Vorschlag ist die naive Argumentation, die sich dahinter verbirgt.

Der Verkauf von Nashorn aus Lagerbeständen mag vielleicht kurzfristig betrachtet, finanziell lukrativ sein, langfristig zieht dies jedoch für Ökosysteme und Tierwelt fatale Folgen nach sich. Und aus rein ökonomischer Sicht sind die Argumente ebenfalls falsch. Die Wahrheit ist, dass niemand vorhersagen kann, wie groß die Nachfrage für Nashorn tatsächlich wäre, besonders da China hier eine wichtige Rolle spielt. Wie kommen wir überhaupt dazu, über die Deckung von Nachfrage und eine Überschwemmung der Märkte zu spekulieren, wenn wir nicht einmal die geringste Ahnung haben, wie sich die Nachfrage angesichts der aktuellen Konsumtrends entwickeln wird – und vor dem Hintergrund, dass Nashorn in China bereits als künftige Geldanlage gelagert wird?

Durch den jetzt schon exzessiv betriebenen illegalen Handel sind Nashörner bereits vom Aussterben bedroht. Was soll erst werden, wenn der Markt durch zusätzlichen legalen Handel noch weiter stimuliert wird? Und dann existiert auch noch das (ebenfalls falsche) Argument, dass ein  legaler Handel reguliert und kontrolliert werden könne. Das von der CITES genehmigte Handelsexperiment mit gelagertem Elfenbein, an dem Südafrika ebenfalls beteiligt war und durch das große Mengen "legalen" Elfenbeins nach China gelangten, sollte Beweis genug sein, dass es schlichtweg unmöglich ist, den legalen Handel auf dem chinesischen Markt zu kontrollieren. Wenn es also unmöglich ist, den Handel in einem Land zu regulieren, das über die beste Regulierungsbehörde der Welt verfügt, bleibt mir nur zu sagen: "Pretoria, wir haben ein Problem."

Die südafrikanische Regierung muss endlich begreifen, dass es für die Nashörner bald zu spät sein könnte:  Die Bestände sinken von Jahr zu Jahr und die Nachfrage nach Nashorn steigt kontinuierlich. Wenn die Nashornpopulationen weiter schrumpfen, haben wir ein großes Problem. Falls das Experiment misslingt, wird das unweigerlich der Fall sein. - Ist es das wirklich wert? Sind uns schnelle Gewinne wirklich wichtiger als das Leben der Nashörner?

Jason Bell

Erfahren Sie mehr darüber, was der IFAW tut, um gegen den illegalen Wildtierhandel vorzugehen.

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