Im Hinblick auf Populationskontrolle bedeutet „zu viele“ eigentlich „nicht genug“

Auf der ganzen Welt werden Hunde und Katzen vergiftet, geschlagen, vernachlässigt oder anderweitig misshandelt, weil es „zu viele“ von ihnen gibt. Für die Lösung des Problems sind ein paar Herangehensweisen gang und gäbe. Tötungen oder Sterilisierungen sind beispielsweise gängige Methoden, um die Anzahl der Hunde und Katzen zu reduzieren.

Doch ganz so einfach ist es leider nicht. „Zu viele“ ist sehr oft eine Vereinfachung des Problems, das viele verschiedene Ursachen hat. Sind es tatsächlich „zu viele“ abgemagerte und kranke Hunde, die durch die Straßen streunen? Sind es tatsächlich „zu viele“ Tiere, denen es an tierärztlicher Versorgung fehlt oder einfach an einer Unterkunft oder an einem Halter, der sich um sein Tier so gut kümmert, dass es für andere Menschen kein Ärgernis wird? Rücken tatsächlich „zu viele“ aggressive Hunde eine gesamte Population in ein schlechtes Licht, deren überwiegende Mehrheit aus friedfertigen Haustieren besteht?

„Zu viele“ klingt einfach, doch das Problem ist komplex. „Zu viele“ bedeutet in vieler Hinsicht eigentlich „nicht genug“. Nicht genug verantwortungsvolle Halter, nicht genug tierärztliche Versorgung, nicht genug Futter oder nicht genug Verständnis davon, warum Menschen überhaupt Hunde und Katzen halten und warum sie mit ihrem Umfeld Probleme bekommen. Nicht genug Entschlossenheit, das Problem langfristig zu lösen.

Manchmal haben wir Glück: Durch Impfungen, Sterilisierungen oder ein Lizenzsystem können sich die Probleme in den Griff kriegen lassen. Doch in den meisten Fällen bedarf es außer den eben genannten Maßnahmen eben noch weiterer Vorkehrungen. Die Wahl der „einfachen“ Lösung – seien es Tötungen, Sterilisierungen oder Registrierung – kann langfristig sehr teuer und ineffektiv sein, wenn man die Wurzel des Problems nicht versteht, weil nur das Symptom und nicht das eigentliche Problem behandelt wurde.

Eine weitere Sache, von der es definitiv „nicht genug“ gibt, sind wissenschaftliche Fakten.

Wir beginnen gerade erst damit, die Vielzahl an komplexen menschlichen, sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Faktoren zu begreifen, die zu Problemen im Zusammenhang mit Hunden und Katzen in unserer Gesellschaft führen können, aber eben auch gleichzeitig der Schlüssel zu Lösungen sind. Eine Sache ist ganz klar: Jede Gemeinde ist anders und für jede muss ein Lösungsweg erarbeitet werden, der langfristig bei der Wurzel des Problems ansetzt.

Und genau deshalb ist der IFAW stolz darauf, als einer der Hauptsponsoren an der ersten internationalen Konferenz zur Kontrolle von Hundepopulationen beteiligt zu sein – gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und unseren wichtigsten Partnern bei der International Companion Animal Management Coalition.

Es wird die erste Konferenz sein, die eine direkte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Fachleuten und Vertretern der Politik zum Thema Kontrolle von Hundepopulationen ermöglicht. Das Ziel der Konferenz wird sein, einen Konsens in Bezug auf Wissensstand, Empfehlungen und den zahlreichen innovativen Methoden zu erarbeiten, die uns zur Lösung von Problemen mit Hundepopulationen auf der ganzen Welt behilflich sein können.

Wir freuen uns schon auf den Tag, wenn „zu viele Hunde“ und einfache, inhumane Lösungen endlich der Vergangenheit angehören. An diesen Punkt können wir nur gelangen, wenn wir verstehen, dass Gemeinden komplex sind; dass Lösungen zu unseren Problemen unter Einbeziehung vieler Ansätze und langfristig angegangen werden müssen und dass sinnvoll kontrollierte Hunde- und Katzenpopulationen eine Bereicherung für unsere Gesellschaft sind.

--KNA

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Faye Cuevas, Esq., Strategische Beraterin und Leiterin tenBoma
Strategische Beraterin und Leiterin tenBoma
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Jason Bell, IFAW Vizepräsident für internationale Koordination
Vizepräsident für internationale Koordination
Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz
Sonja Van Tichelen, Vizepräsident für internationale Koordination
Vizepräsident für internationale Koordination
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien