Historisches Ereignis: Drei Nashörner im Manas Nationalpark haben Nachwuchs bekommen

Jamuna und ihr neugeborenes Kalb © IFAW-WTI/O.Basumatary

Diesen Text schrieb unser Tierarzt, Dr. Bhaskar Choudhury. Übermittelt wurde er uns von Sheren Shrestha (Leiter Kommunikation). Beide sind Mitarbeiter des IFAW-WTI (Partnerschaft des IFAW mit dem Wildlife Trust of India).

Bihu, unser im April stattfindendes traditionelles assamesisches Neujahrsfest war für uns in Manas eine Zeit der gemischten Gefühle. Wir hatten uns noch nicht ganz von den erschütternden Nachrichten über Nashornwilderei im Nationalpark erholt, als wir Zeugen eines Ereignisses werden durften, auf das wir seit Jahren gewartet hatten: Nashorndame Ganga hatte ein Junges geboren.

An dieser Stelle muss ich ein wenig ausholen und etwas mehr über Ganga erzählen: Gemeinsam mit dem State Forest Department retteten wir sie und Jamuna, ein weiteres Nashorn, im Jahr 2004 während der jährlichen Überschwemmungen im Kaziranga Nationalpark. Beide Tiere wurden in unserer Wildtier-Rettungsstation in der Nähe des Kaziranga-Parks aufgepäppelt. Als die beiden drei Jahre später alt genug waren, wurden sie in den Manas Nationalpark gebracht.

Bereits zuvor, im Jahr 2002, hatten wir Mainao, ein traumatisiertes und verletztes Nashorn, gerettet. Das wenige Wochen alte Nashornkind hatte sich während der Flut zwischen großen Zweigen verfangen und war nicht in der Lage, sich alleine zu befreien. 

Mainao, Ganga und Jamuna waren die allerersten von Hand aufgezogenen Nashörner, die in Indien ausgewildert wurden, worauf wir sehr stolz waren. Dabei ging es uns nicht um unsere Leistung, sondern darum, dass diese kleinen Nashorndamen, die aus ihrer ursprünglichen Umgebung gerissen worden waren, es zurück in ihren natürlichen Lebensraum geschafft hatten.

Als wir jetzt erfuhren, dass eines unserer “Mädchen” Mutter geworden war, kannte unsere Freude keine Grenzen. Das erste von Menschen aufgezogene und ausgewilderte Nashorn bekommt Nachwuchs – ein historisches Ereignis, mit dem sich die harte Arbeit eines knappen Jahrzehnts für uns bezahlt gemacht hat.

In Manas wurde gefeiert. Wir tauften Gangas Baby, das sich als Mädchen entpuppte, auf den Namen “Dharati”, was „Erde“ bedeutet. Fast einen Monat später erhielten wir erneut fantastische Neuigkeiten: Mainao war ebenfalls Mutter geworden!

An dem Tag, als wir diese freudige Nachricht erhielten, mussten wir daran zurückdenken, wie wir Mainao im Jahr 2002 gerettet hatten. Es war das Jahr, in dem unsere Rettungsstation gegründet worden war. Mainao hatte immer schon einen besonderen Platz in unseren Herzen gehabt. Wir waren damals alle noch in der Lernphase und das zwei Wochen alte Nashornbaby wurde von allen Tierärzten und Pflegern wie ihr eigenes Kind verhätschelt und mit Samthandschuhen angefasst.    

Nun war Mainao selbst Mutter geworden und für ein neues Leben verantwortlich. Die Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Und natürlich diskutierten wir, welche Folgen die Geburt haben würde. Mutter Natur lachte wahrscheinlich über unsere Aufregung, denn wir benahmen uns wie kleine Kinder zu Weihnachten.

Doch einen Monat später überraschte sie uns wieder mit dem Klapperstorch: Jamuna wurde, nachdem wir sie bereits zwei Tage vermisst hatten, mit einem Babynashorn an ihrer Seite gesichtet!

Nachdem nun alle drei Nashorndamen in freier Wildbahn erfolgreich Nachwuchs zur Welt gebracht hatten, war der Beweis endgültig erbracht: Verwaiste Nashörner müssen nicht ein Leben lang in Gefangenschaft leben und von Menschen versorgt werden. Sie können wieder ausgewildert werden.

Diese drei in Freiheit geborenen Nashornbabys sind der lebende Beweis dafür, dass unsere Anstrengungen sich gelohnt haben – jede schlaflose Nacht in Sorge und jeder Tropfen Schweiß während ihrer Rettung. Wir waren unglaublich glücklich und stolz, zu sehen, dass sie unabhängig von uns waren.  

Alles hatte 2002 als Versuch angefangen, ein einziges Nashorn zu retten. Bis 2006 hatte sich dies in ein Projekt verwandelt, das zum Ziel hat, die gesamte Art zu retten. Nashörner werden nach Manas umgesiedelt, um sie dort wieder anzusiedeln.  Eine Tierart, die vor ungefähr einem Jahrzehnt dort ausgerottet worden war.

Außer den fünf von Menschenhand aufgezogenen Nashörnern aus unserer Wildtier-Rettungsstation haben noch mehr Nashörner, die aus der Wildnis hierher gebracht worden waren, Manas zu ihrer Heimat gemacht.

Ich empfinde es als ein großes Geschenk, dass ich während der letzten Jahre Teil dieser Arbeit sein durfte. Es gab mir die Möglichkeit, das Leben auch aus anderen wunderbaren Perspektiven heraus zu sehen.

Und ich danke unseren Förderern auf der ganzen Welt, die dies möglich gemacht haben.

Sheren Shrestha

Unterstützen Sie uns dabei, in Indien wieder eine stabile Nashornpopulation aufzubauen.

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