Grausamkeit feiert in England und Wales kein Comeback

"Haben Sie schon die frohe Kunde gehört, was die Jagd angeht?", fragte mich eine Abgeordnete. "Der Premier hat gerade bekannt gegeben, dass sie den Gesetzeszusatz fallen lassen werden."

Ist es nicht großartig, wenn ein Plan funktioniert? Vor rund vier Wochen hatte der IFAW aus zuverlässiger Quelle die Information erhalten, dass die britische Regierung durch die Hintertür die Jagd wieder einführen wolle. Das entsprechende Gesetz sollte an entscheidender Stelle minimal verändert werden, dann wollte man das Ganze als Unterstützung für einige wenige Bauern in Wales verkaufen.

Wir haben jedoch rasch realisiert, dass in Wales nicht nur ein wenig Feintuning geplant war, sondern eine massive Änderung für ganz England und Wales. Außerdem wäre die Umsetzung des Jagdverbots nahezu unmöglich geworden – der Wunschtraum aller Jäger.

Wir informierten die Medien und erhielten vom Umweltministerium und der Regierung erste Bestätigungen, dass tatsächlich derartige Überlegungen existieren. Wie von uns schon vermutet, hatte man sich für das Parlament eine Strategie überlegt, die rasch und ohne großes Aufsehen umgesetzt werden sollte. Außer natürlich, jemand sorgt dafür, dass die Öffentlichkeit davon erfährt.

Und genau das haben wir mit der Hilfe unserer großartigen Helfer getan. Zunächst haben wir mehr als 100.000 Menschen per E-Mail alarmiert. Die Botschaft: "Wendet euch an eure Parlamentsabgeordneten. Sagt ihnen, sie sollen sich entschlossen gegen jeden Versuch sperren, das Verbot durch die Hintertür zu kippen." Anschließend ging ein Brief mit derselben Bitte an weitere 50.000 Unterstützer. Erst gestern bat mich eine Abgeordnete, unseren Unterstützern in ihrem Namen zu danken. Sie habe mehr als 40 Briefe mit der Aufforderung erhalten, sich für das Jagdverbot stark zu machen.

Außerdem haben wir gemeinsam mit der League Against Cruel Sports und der RSPCA (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals) allen Abgeordneten detaillierte Unterlagen zukommen lassen. Diese belegen, dass die Behauptung, es handele sich hier nur um eine kleine Änderung, damit es einigen walisischen Bauern besser gehe, falsch ist.

Und schließlich haben wir in Zentral-London noch ein Rudel Bluthunde losgelassen, damit sie einen Fuchs und einen Hirsch "jagen". "Entschuldigung, was haben Sie gemacht?", fragen Sie sich jetzt bestimmt.

Keine Sorge, es waren keine echten Tiere. Wir haben nur Fotos von den Tieren auf riesige Plakatwände geklebt und die Wände dann auf zwei Fahrzeugen montiert. Die Autos haben sich dann rund um den Parliament Square und quer durch die Londoner Innenstadt „gejagt“. Auf den Plakaten stand, dass eine Gesetzesänderung das Jagdverbot aushebelt und jeder sich an seinen Abgeordneten wenden soll. Vier Tage lang kreuzten die Fahrzeuge in den vergangenen zwei Wochen durch die Londoner Innenstadt.

Unser Parlamentsteam blieb unterdessen ebenfalls aktiv und bereitete mit Abgeordneten, die uns unterstützen wollten, alles vor, falls das Thema plötzlich zur Abstimmung kommen sollte.

Gerade als die Fahrzeuge wieder am Parlamentsgebäude „vorbeijagten“, war ich im Portcullis House, wo die Abgeordneten ihre Büros haben. Eine konservative Abgeordnete, die gerade an der Fragestunde mit dem Premierminister teilgenommen hatte, kam auf mich zu. "Haben Sie schon die frohe Kunde gehört, was die Jagd angeht?", fragte sie mich. "Der Premier hat gerade bekannt gegeben, dass sie den Gesetzeszusatz fallen lassen wollen."

Ist es nicht großartig, wenn Menschen im ganzen Land auf einen Hilferuf reagieren und sich für den Erhalt des Jagdverbots stark machen? Und ist es nicht großartig, wenn die Regierung sich der öffentlichen Meinung beugt – und einsieht, dass es abscheulich wäre, im 21. Jahrhundert eine Sportart wieder aufleben zu lassen, bei der Tiere getötet werden.

Es werde trotzdem bis zum Mai 2015 eine Abstimmung zum Jagdgesetz geben, heißt es aus Regierungskreisen. Sollte diese Bedrohung konkret werden, weiß ich, dass wir uns auf unsere Unterstützer verlassen können.

Robbie Marsland

Erfahren Sie mehr über unsere Projekte zum Schutz von bedrohten und notleidenden Tieren weltweit.

Kommentar schreiben: