Ein Jahr nach der Freilassung in die Wildnis: Gibt es ein Happy End für Tigerin Cinderella?

Fotofallen-Bild von Cinderella, der Sibirischen Tigerin, die mittlerweile in der russischen Wildnis lebt.

Am 9. Mai war es genau ein Jahr her, dass wir die verwaiste Sibirische Tigerin Cinderella in die geschützte Wildnis entlassen haben. Deshalb möchte ich jetzt noch einmal all die freudigen und auch angstvollen Momente Revue passieren lassen, die uns Cinderella beschert hat.

 

Wir haben sie auf den Namen Cinderella getauft (auf Russisch Zolushka), in der Hoffnung, dass auch ihre Geschichte wie im Märchen enden würde. Sehen Sie sich auch unser Video von Cinderellas spektakulärer Freilassung.

Am 25. Februar 2012 wurde sie im Alter von etwa fünf bis sechs Monaten zur Russischen Naturschutzbehörde im Dorf Krounovka gebracht. Sie war in eine Decke gewickelt, da sie sich in einem geschwächten Zustand befand. Normalerweise sind Tigerjunge in diesem Alter bereits gefährlich, doch Cinderella war viel zu hilflos. Sie blieb zweieinhalb Wochen in der Obhut eines Amtstierarztes, bevor sie am 14. März in die Auswilderungsstation in Alekseyevka gebracht wurde, die von unserer Partnerorganisation Special Inspection Tiger betrieben wird. Dort blieb sie bis zur ihrer Freilassung am 9. Mai 2013.

Die Nachricht von Cinderellas Freilassung sorgte weltweit für Aufsehen. Millionen Menschen sahen die beeindruckenden Bilder und Videos von Cinderellas berühmtem Sprung in die Freiheit und freuten sich für sie. Auf dem New Yorker Times Square konnte man ihren Sprung auf einem riesigen Bildschirm bewundern. Es ist das meistgesehene Video, das der IFAW je gedreht hat. Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben es bereits gesehen und es werden immer mehr.

Doch nach Cinderellas spektakulärem Sprung in die Freiheit war unsere Arbeit noch lange nicht beendet. Während sie ihre neue Umgebung erkundete, sah die Welt mit Spannung zu, ob sie in der Lage sein würde, sich den Bedingungen in der Wildnis anzupassen.

Es war ein ständiges Auf und Ab: Die ersten Daten ihres GPS-Halsbands und die Berichte der Ranger waren positiv. Cinderella fand Nahrung und erkundete ihr neues Revier. Dann plötzlich meldete das GPS-Halsband, dass sie das geschützte Gebiet verlassen hatte. Wir verharrten einige Tage mit angehaltenem Atem, bis sie endlich zurück ins Reservat kam. Weitere Wochen vergingen, in denen wir die Signale über ihre Aufenthaltsorte kontinuierlich empfangen konnten. Doch dann plötzlich übertrug das GPS-Halsband nichts mehr.

Wo war sie? War sie am Leben? Waren Wilderer in das geschützte Gebiet eingedrungen, die sie getötet hatten? Die Ranger machten sich auf die Suche und wir setzten alles daran, Cinderella zu finden. Es vergingen einige angstvolle Wochen. Die Ranger orientierten sich bei ihrer Suche an den  letzten existierenden Daten. Irgendwann empfingen sie endlich ein Signal. Sie lebte und war wohlauf! Die Ranger überwachten Cinderella den ganzen kalten Winter über und sammelten Daten über ihre Aufenthaltsorte.

Unser Ziel ist es, Tiere so zu rehabilitieren, dass sie sich Verhaltensweisen und Fähigkeiten aneignen, die ihrer Art entsprechen und die sie zum Überleben in der Wildnis benötigen. Im Anschluss beobachten wir die ausgewilderten Tiere, bis wir sicher sind, dass sie allein in der Wildnis zurechtkommen. Folgende Indikatoren weisen für uns darauf hin, dass eine Rehabilitation erfolgreich war:

  • Das Tier verhält sich genauso, wie ein wildes Tier sich verhalten würde.
  • Es gerät – so wie jedes andere Wildtier – kaum oder gar nicht in Konflikt mit Menschen und Haustieren.
  • Eine bestehende Population und andere Tierschutzmaßnahmen werden nicht beeinträchtigt.
  • Nur bei Sibirischen Tigern: Das Tier übersteht allein die schwierigste Zeit (zum Beispiel den Winter)

Cinderella hat alle Kriterien erfüllt. Sie ist jetzt eine der wenigen kostbaren Sibirischen Tiger, die noch frei in der Wildnis leben.

Ein weiterer verlässlicher Indikator für eine erfolgreiche Rehabilitation ist, dass ein Tier Nachkommen zeugt. Darauf warten wir jetzt. Obwohl Cinderella im Moment noch zu jung ist, um sich fortzupflanzen, gibt es Hinweise, dass sie in unmittelbarer Nähe eines alleinstehenden Tigermännchens lebt und auch zu ihm Kontakt hat.

Das sind sehr positive Zeichen. Wir danken und gratulieren allen Organisationen und Beteiligten, die mit uns auf diesen Erfolg hingearbeitet haben. Danke an all diejenigen, die von Anfang an geholfen haben, als ein hilfloses Tigerjunges, unterernährt und schwach, mit Erfrierungen an Pranke und Schwanz, Hilfe brauchte. Danke auch an jene, die ihr im kalten Winter monatelang auf der Spur geblieben sind, um ihre Bewegungen und Aktivitäten zu überwachen. Danke an unsere unglaublichen Unterstützer, die ihre Rehabilitation mit Ermutigung und Spenden unterstützt haben.

Auch wenn Cinderella nicht selber Danke sagen kann, ist sie ganz offensichtlich sehr glücklich darüber, wieder in der Wildnis sein zu dürfen, wo sie zuhause ist. Cinderellas Erfolgsgeschichte zeigt zugleich, dass es möglich ist, Tigerpopulationen wiederherzustellen – nicht nur in Russland, sondern überall Asien.

Gail A’Brunzo

Erfahren Sie mehr darüber, was der IFAW tut, um die Tiger zu retten.

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien