Das chinesische Twitter, genannt Weibo, gibt Impulse für den Tierschutz

Der Aufruf, der Gesetze gegen Tierquälerei fordert, wurde 34.000 Mal geteilt und mehr als 2.600 Internetuser kommentierten begeistertEs verbreitete sich wie ein Lauffeuer, als eine Gruppe von Polizisten aus einer der Küstenstädte Südchinas auf ihrem offiziellen Weibo-Account @ Xiamen Siming Police Station einen Aufruf startete (Weibo ist die chinesische Version von Twitter).

Der Aufruf, der Gesetze gegen Tierquälerei fordert, wurde 34.000 Mal geteilt und mehr als 2.600 Internetuser kommentierten begeistert:

“Es reicht. Wir haben genug von der grausamen Behandlung von Tieren. Über hundert Länder weltweit haben Gesetze gegen Tierquälerei verabschiedet.

Doch auf dem chinesischen Festland gibt es noch immer kein Gesetz, das vorsätzliche Tierquälerei bestraft.

Deshalb rufen wir Euch heute auf, uns zu unterstützen.

Mit einem Mausklick auf Weibo kannst Du eine Änderung der chinesischen Gesetze und auf den Erlass von Gesetzen gegen Tierquälerei fordern. Damit die Misshandlung von Tieren, die Verbreitung von Videos, die Tierquälerei verherrlichen, und das Aussetzen von Haustieren zu strafrechtlich verfolgbaren Vergehen werden.”

Dies ist keine vollkommen neue Entwicklung. Bereits in den letzten Jahren haben mehr und mehr Chinesen ihre Stimme erhoben, wobei sie die staatlich kontrollierten Medien durch die Nutzung sozialer Online-Netzwerke umgingen.

Zurschaustellungen von Tierquälerei im Internet haben bereits Wellen öffentlicher Entrüstung ausgelöst. Dies führte oft zu beachtlichen und manchmal auch sofortigen Ergebnissen wie zum Beispiel dem Stopp einer geplanten Massentötung von Hunden und der Verhinderung des Börsengangs eines Unternehmens, das eine Gallenbärenfarm betrieb.

Doch dieser Fall jetzt hat mich besonders berührt, weil der Aufruf von Polizeibeamten kam. Im ganzen Land gibt es viele Polizisten, die sehr frustriert darüber sind, dass die Gesetze überholt, widersprüchlich und voller Schlupflöcher sind. Und es keinerlei Gesetze, die den Umgang mit Tieren regeln.

Das Wildtier-Schutzgesetz beispielsweise schützt die Wildtiere und deren Lebensraum nicht wirksam. Es regelt vielmehr nur die Verwendung von Wildtieren – vor allem solcher Tiere, die einen „wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Wert“ haben.

Kraft dieses Gesetzes werden Tausende Bären gefangen gehalten. Sie haben überall am Körper offene Wunden, aus denen bei lebendigem Leib ihr Gallensaft abgezapft wird, der dann als Zusatzstoff für Augentropfen, Tees, Weine und Shampoos dient.

Das Wildtier-Schutzgesetz Gesetz regelt außerdem die Massenzucht von Tigern. Seine Knochen werden in Wein eingelegt und sein gestreiftes Fell wird zu Vorlegern verarbeitet.  

Während das Gesetz die Jagd und das Töten geschützter Arten in freier Wildbahn verbietet, ist der Verkauf von Körperteilen und Produkten aus Tigern und Elefanten erlaubt. Die Lizenzen dafür stellen dieselben Behörden aus, die für den Wildtierschutz verantwortlich sind.

Kritiker argumentieren oft, dass die schlechte Anwendung der Gesetze der Grund dafür ist, dass es in China den größten illegalen Elfenbeinmarkt der Welt gibt, der das Massaker an Tausenden afrikanischen Elefanten verursacht. Jedoch erkennen nur wenige, dass die Nichtdurchsetzbarkeit der Gesetze der wahre Grund ist.

Der nationale chinesische Elfenbeinmarkt verwirrt Konsumenten und sorgt für gute Deckung beim Verkauf illegalen Elfenbeines. Vollzugsbeamte beschweren sich, dass die parallele Existenz legaler und illegaler Märkte eine Anwendung von Gesetzen so gut wie unmöglich mache. Sobald ein Stück Elfenbein auf dem Markt ist, kann weder der Konsument noch der Vollzugsbeamte unterscheiden, ob es aus legalen oder illegalen Quellen stammt.

Während Gesetze zum Schutz von Wildtieren vorhanden sind und den Gegebenheiten angepasst und verbessert werden müssen, leiden viele Haustiere ohne jeglichen Schutz. 

Lebende Tiere, die wegen ihres Fells gehäutet werden, Katzen, die lebendig in kochendes Wasser geworfen werden, Schweine, die voller Wasser gepumpt werden, um sie für den Verkauf schwerer zu machen, oder ein Video, das zeigt, wie ein Katzenjunges von hochhackigen Schuhen zerquetscht wird, sind nur einige Beispiele von Tierquälerei, die für weitreichende Empörung in China und auf der ganzen Welt gesorgt haben. Und trotzdem bleiben die Täter dieser unaussprechlich grausamen Taten unbestraft.

Nehmen wir zum Beispiel den Fall von Liu Haiyang, einem Collegestudenten der angesehenen Qinghua-Universität, der im Zoo von Beijing Säure auf Bären schüttete. Man konnte ihn lediglich wegen der Zerstörung öffentlichen Eigentums belangen, was einem Kavaliersdelikt gleichkommt.

Seit 2011 werden den Gesetzgebern bei ihren jährlichen Treffen immer wieder Vorschläge für Änderungen der chinesischen Wildtierschutz-Gesetze sowie für Gesetze gegen die Tierquälerei unterbreitet.

Hoffentlich wird die jetzt auf Weibo gestartete Initiative, die durch die Macht des Internets gestärkt wird, den Sitzungen der legislativen Organe im März einen Impuls geben.

Ziel des IFAW ist es, dass überall auf der Welt Tierschutzgesetze etabliert und eingehalten werden. Ich weiß, dass auch immer mehr Chinesen dieses Ziel im eigenen Land verfolgen. Beispielsweise unterstützen laut einer Umfrage 80 Prozent der Befragten den Erlass eines Gesetzes, das die Tötung von Hunden zum Schutz vor Tollwut verhindert.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, Chinas Führung klar zu machen, dass es keinen besseren Weg gibt, den sozialen Fortschritt des Landes zu beschleunigen, als durch Gesetze, die Tiere als Lebewesen achten.

Grace Ge Gabriel

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW in China.

Post a comment

Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe