CITES-Konferenz im September: Forderung nach besserem Schutz für Berberaffen

Diese seit 1975 in Anhang II des CITES-Abkommens gelisteten kleinen Primaten sind die am häufigsten in der EU beschlagnahmten Säugetiere. Deshalb müssen Berberaffen dringend besser geschützt werden. Foto: © Pond 5/Natalia PaklinaDer Berberaffe (Macaca sylvanus) ist nicht nur die einzige außerhalb Asiens anzutreffende Makakenart, sondern auch die einzige Primatenart nördlich der Sahara. Es existieren mehrere Berberaffen-Populationen in Marokko und Algerien und eine in Gibraltar.

Zwischen den männlichen Affen und den Jungtieren besteht eine starke soziale Bindung - sowohl zu den eigenen Nachkommen als auch zu anderen Jungaffen innerhalb der Gruppe.

Bereits 1999 wurde die Anzahl der in Nordafrika einst zahlreichen Makaken auf nur noch etwa 15.000 Tiere geschätzt. Jüngsten Schätzungen zufolge beträgt die Population in stark zerklüfteten Regionen Marokkos und Algeriens inzwischen nur noch 6.000 bis 10.000 Tiere.

Ursachen für diesen Rückgang sind vor allem der Verlust des Lebensraums durch menschliche Aktivitäten (großflächige Abholzung, Rodung für landwirtschaftliche Zwecke etc.) in Kombination mit illegalem Handel lebender Tiere und kommerzieller Ausbeutung vor Ort (Einfangen als Fotoobjekte in Touristengebieten und Restaurants).

Die meisten eingefangenen Tiere werden Opfer des internationalen Tierhandels. Vor allem Babys werden auf Märkten in Marokko und Algerien zu einem Preis von durchschnittlich 100 bis 200 Euro an Touristen verkauft oder nach Europa geschmuggelt. Aktuelle Untersuchungen belegen zudem, dass Primaten, einschließlich Makaken, auch über das Internet verkauft werden.

Die EU ist der wichtigste Absatzmarkt für illegal gehandelte Berberaffen. Etwa 200 Tiere werden pro Jahr über die Südgrenze Spaniens nach Europa gebracht.

Dieser kleine Affe mit einer Größe von 45 bis 70 Zentimetern wurde in der UN-Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten wildlebender Tiere und Pflanzen (CITES) von 1975 in Anhang II aufgeführt und ist außerdem in Anlage B der Verordnung des Europäischen Rates (EC) Nr. 338/97 gelistet. Im Rahmen dieser Verordnung werden CITES-Listungen innerhalb der EU sowie zusätzliche Maßnahmen für den Schutz von gehandelten Arten umgesetzt. Gemäß Artikel 4 ist die Einfuhr von Berberaffen aus Algerien und Marokko in die EU verboten, weshalb ein legaler Handel faktisch nicht möglich ist.

Trotz dieser strengen Kontrollen war der Berberaffe zwischen 2001 und 2010 mit fast 25 Prozent der Beschlagnahmungen lebender Säugetiere das am häufigsten beschlagnahmte Säugetier der CITES-Liste innerhalb der EU.

Während dieser zehn Jahre fanden innerhalb der EU 49 Beschlagnahmungen von 55 Berberaffen statt, von denen 90 Prozent aus Markokko und 8 Prozent aus Algerien stammten. Erwähnenswert ist außerdem, dass gemäß Daten der CITES-Behörden in Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Spanien die aktuelle Zahl mit 159 Beschlagnahmungen noch erheblich höher liegt.

Schließlich wurde der Berberaffe 2008 als gefährdete Art in die  Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN aufgenommen, was mit dem Rückgang der Population um geschätzte 50 Prozent über die letzten drei Generationen (24 Jahre) begründet wurde.

Im kommenden September treffen sich 182 CITES-Vertragsstaaten zur 17. Konferenz der Vertragsparteien in Johannesburg, Südafrika (CoP17). Internationale Experten des IFAW werden als Beobachter ebenfalls vor Ort sein.

Für den Berberaffen ist dieses Treffen überlebenswichtig. Nach mehreren Jahren unermüdlichen Einsatzes verschiedener Nichtregierungsorganisationen, um die Rasse vor dem Aussterben zu bewahren, reichte die Europäische Union zusammen mit Marokko den Vorschlag ein, die Einstufung des Macaca sylvanus im CITES-Abkommen von Anhang II auf Anhang I zu ändern und so seinen Schutz zu verbessern. In dem Vorschlag wird begründet, weshalb die Spezies die notwendigen Voraussetzungen für eine Einstufung in Anhang I erfüllt. Der IFAW unterstützt diesen Vorschlag und wird sich in Johannesburg für die Höherstufung einsetzen.

Rikkert Reijnen

Erfahren Sie mehr darüber, für welche Arten sich der IFAW im September auf der CITES-Vertragsstaatenkonferenz stark machen wird.

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Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
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Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
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Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
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