Brillenbär „Azul“ wird bald in seine Heimat im Nebelwald zurückkehren

Azuls zukünftiges Zuhause im ecuadorianischen Nebelwald

Es ist eine Sache, über die Brillenbären im ecuadorianischen Nebelwald (engl. „cloud forests“, also Wolkenwald) zu sprechen. Die andere ist es, selbst dort zu sein – es ist tatsächlich „in den Wolken“.

Schwer atmend in fast 4.000 Meter Höhe befinden wir uns an dem einsamen, aber wunderschönen Ort, an dem Azul wieder in die Freiheit entlassen werden soll.

Der acht Monate alte Azul ist einer von drei verwaisten Brillenbären, die sich derzeit im Andean Bear Conservation Project (ABCP), einem Rehabilitationszentrum für Brillenbären, in Ecuador befinden. Azul und seine beiden Mitbewohner "Mazhavito" und "Sugaua" sind Überlebende einer vom Aussterben bedrohten Art.

Brillenbären sind die letzten lebenden Verwandten, der einst sehr verbreiteten Kurznasenbären. Überhaupt sind sie die einzigen Bären in ganz Südamerika. Ihren Namen verdanken sie der weißen Zeichnung um die Augen.

Jetzt fallen sie in großer Zahl Wilderern zum Opfer. Zudem ist gleichzeitig auch  ihr Lebensraum bedroht. Brillenbären sind auf Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet (IUCN-Status: gefährdet). Daher ist es sehr wichtig, diese verwaisten Bären zu retten und zu rehabilitieren, um sie danach wieder in Schutzgebiete in den Anden auszuwildern. Genau dies tut der ABCP mit großem Erfolg. Vor kurzem besuchte ich dieses vom IFAW geförderte Projekt.

Brillenbär Azul heute. Copyright: ABCP

Hier Azuls Geschichte:

Am 1. Februar 2013 bekam ABCP-Präsident Armando Castellanos von einem Mitarbeiter des Chimborazo Wildlife Reserve (RPFC) die Nachricht, dass Wildhüter einen jungen Bären beschlagnahmt hatten, der in einem Dorf in der Provinz Bolivar angekettet war.

Armando und seine Leute fuhren bei schwerem Regen und dichtem Nebel zur Wildhüter-Station des RPFC, wo sie lange nach Einbruch der Dunkelheit eintrafen. Zuerst musste der Tierarzt den kleinen Bären ruhig stellen, um ihm die schweren Ketten und Seile abnehmen zu können, mit denen er  gefesselt worden war. Erst danach konnte er das Bärenjunge untersuchen.  

Das Rettungsteam stellte fest, dass der Bär stark unterernährt war. Er war schwach und hatte an einem Auge eine möglicherweise schwere Verletzung. Hätten wir ihn nicht gerettet, wäre er sehr bald gestorben.

Wir brachten ihn ins Rehabilitationszentrum. Die erste Zeit war der kleine Bär mit all den Veränderungen in seinem Leben jedoch vollkommen überfordert und fraß und trank nicht. Selbst um auf eine Plattform zu klettern, die sich einen Meter über dem Boden befand, war er zu schwach. Und er hatte große Angst vor Menschen und den beiden anderen Bären unserer Obhut.   

Seit wir Azul gerettet haben, wird er medizinisch versorgt. Die gute Ernährung trägt zu seinem Wachstum bei. Und sein Appetit ist mittlerweile enorm. Er frisst fast alles – auch Bromelien und Avocados.  Er ist ziemlich wild und Menschen gegenüber nach wie vor sehr misstrauisch. Doch das ist auch gut so, denn es wird ihn schützen, wenn er wieder in Freiheit ist.

Ich stehe in den Wolken und betrachte Azuls zukünftiges Zuhause. Dabei freue ich mich, wie viel besser es ihm geht, seit er von den Ketten befreit wurde – und darüber, dass eine glückliche Zukunft in Freiheit auf ihn wartet.

Der IFAW wird dieses Projekt auch künftig weiter finanziell unterstützen – wie auch die anderen weltweiten Bären-Rehabilitationsprojekte. Damit Azul und die anderen Brillenbären ein artgerechtes Leben im Nebelwald führen können.

Gail A Brunzo

Unterstützen Sie die weltweiten Projekte des IFAW zur Rettung und Rehabilitation in Not geratener Tiere.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
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Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
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