Blickpunkt Indien: Wildhüter schaffen sicheren Lebensraum für Elefanten

Die von uns gesund gepflegten und besenderten Jungelefanten Tinku und Rupa wurden in freier Wildbahn gesichtet. Sie verhalten sich wie normale Wildtiere!Diesen Beitrag hat der Biologe Anjan Sangma geschrieben. An uns weitergeleitet wurde der Bericht von Sheren Shrestha (Koordinator für Kommunikation). Beide sind Mitarbeiter unserer indischen Partnerorganisation Wildlife Trust of India (WTI).

Auch bei alltäglichen Jobs gibt es Tage, an denen man Nicht-Alltägliches erlebt: Der 17. April diesen Jahres war so ein Tag. Wir waren im Doimari-Gebiet im Manas-Nationalpark unterwegs und suchten wie jeden Tag nach Spuren der Elefantenkälber, die unser Team mit der Hand aufgezogen und dort  ausgewildert hatten. Das Team besteht aus Forstwächtern, Mitgliedern der Bürgerorganisationen Manas Maozigendri Ecotourism Society und Agrang Ecotourism Society sowie aus IFAW/WTI Tierhütern.

Es war gegen 9:15 Uhr, als unser Tierhüter Gobinda Garh uns plötzlich zum Stehenbleiben aufforderte und flüsterte, dass vor uns im Flussbett zwei Elefanten seien. Als ich die beiden Elefanten sah, schoss mir sofort durch den Kopf, dass es die Kälber sein könnten, die unser Team in die Wildnis entlassen hatte.

Wir pirschten uns etwas näher heran und erkannten in einem der Elefanten Tinku. Sein verschlissenes Funkhalsband verriet ihn. Wir näherten uns weiter und Gobinda und Debojit Saikia (ein weiterer Tierhüter) bestätigten, dass es sich bei dem zweiten Elefanten um Rupa handelte!

Rupa, die ihre Rüsselspitze verloren hatte, war eines der ersten Elefantenkälber, das zusammen mit fünf anderen Kälbern 2007 in Manas freigelassen worden war. Die letzten bestätigten Sichtungen datierten aus Februar 2010, als ihr das Halsband entfernt wurde.  Danach hatten wir sie nur noch einmal einen Monat später gesehen.

Debojit und Gobinda versuchten, sich den Kälbern zu nähern, um an Tinkus Halsband zu kommen, aber die Kälber wandten sich ab und verschwanden im Busch, bevor wir sie erreichen konnten. Auch wenn wir nicht an ihr Halsband kamen, war dies ein gutes Zeichen: Beide Elefanten waren im sicheren Wald und mieden Menschen. Ein klares Signal, dass sie sich zu Wildtieren entwickelt hatten!

Ich musste sofort an all die Waldhüter und Bürgerorganisationen denken, ohne die es nicht möglich wäre, den Kälbern in Manas ein sicheres Zuhause zu geben. Jeden Tag aufs Neue sorgen sie dafür, dass der Manas-Nationalpark und seine Elefanten beschützt sind: Sie fahren Patrouille, gehen gegen Wilderer vor und manchmal helfen sie auch, Konflikte zwischen Einheimischen und Elefanten zu verhindern oder zu lösen.

Damit die Wildhüter die Elefanten noch besser schützen können, lässt der IFAW/WTI sie im Rahmen des Greater Manas Conservation Project an Fortbildungen teilnehmen. Außerdem statten wir sie mit der nötigen Ausrüstung aus, die sie für ihre tägliche Arbeit brauchen. Aber nicht nur ihre Kenntnisse wollen wir vertiefen, sondern auch ihre Wertschätzung für die Tiere und ihre Motivation. Meistens bemerken Außenstehende nichts von ihrer harten Arbeit. Es wird nur dann über sie berichtet, wenn etwas schief läuft. Und aus meiner unmittelbaren Erfahrung kann ich sagen: Wenn mal etwas schief läuft, schmerzt es niemanden mehr als diese Menschen an vorderster Front.

Es sind solche kleinen Erfolgsgeschichten wie die Sichtung von Rupa und Tinku, die dafür sorgen, dass die Wildhüter weitermachen. Und es sind genau sie, denen wir Dank sagen wollen für solche Erfolge.

Sheren Shresta

Lesen Sie mehr über unsere Arbeit zum Schutz der Elefanten.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien