Aus der IFAW-Praxis in der Tiertafel Berlin: Mit etwas Hilfe können „Bernie“ der junge Bernhardiner und sein Herrchen zusammenbleiben

 

Bernie brach zusammen, als er vor dem Gebäude der Tiertafel in Berlin wartete.Bernie brach zusammen, als er vor dem Gebäude der Tiertafel in Berlin wartete. Als wir einige Zeit später dort eintrafen, befand er sich schon im Warteraum der Tierarztpraxis des Internationalen Tierschutz-Fonds IFAW - ganz ruhig mit seinen traurig blickenden Augen und den hängenden Lefzen - typisch Bernhardiner. Es genügte jedoch ein Blick auf Bernie um zu wissen, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war.

Wenn man einen voll ausgewachsenen Bernhardiner sieht, weiß man, dass es riesige Hunde sind. Sie reichen einem bis fast zur Hüfte und man kann ihnen einfach die Hand auf den Kopf legen ohne sich zu bücken.

Bernhardiner wiegen normalerweise zwischen 60 und kolossalen 80 kg. Bernie aber brachte nur 34 kg auf die Waage. Und wenn man die Hand über seinen Rücken gleiten lies, dann konnte man jeden einzelnen Dorn seiner Wirbelsäule fühlen. Selbst sein wuscheliges Fell konnte seine skelett-dürre Erscheinung nicht mehr verbergen.

Wer den Tierarzt konsultieren will, muss normalerweise mindestens schon ein halbes Jahr bei der Tiertafel registriert sein - dem Partner des IFAW, welcher Futterausgabestellen für Haustiere Bedürftiger in ganz Deutschland unterhält. Man muss einen Termin vereinbaren und für die Behandlungen oder Medikamente auch einen kleinen Eigenanteil bezahlen. Den Großteil aber finanziert der IFAW – und er hilft auch schnell bei echten Notfällen wie Bernie.

Im Falle von Bernie besteht kein Zweifel darüber, dass der Gang zur Tiertafel sein Leben rettete. Es stellte sich heraus, dass der Kollaps auf dem Gehweg vor der Tiertafel nicht sein erster war. Bernies Besitzer erklärte, dass der Hund in den ergangenen zwei Wochen schon mehrfach zusammengebrochen sei und wie ohnmächtig dagelegen habe. Tatsächlich hatte sein Herrchen ihn mehr als einmal mit Herz-Lungen-Massage wiederbelebt.

Bernies Besitzer ist - wie alle Kunden der Tiertafel - auf staatliche Unterstützung angewiesen. Derzeit ohne Arbeit und gezwungen, mit dem Allernötigsten auszukommen, war es für ihn unmöglich, die hohen Kosten einer regulären tierärztlichen Behandlung zu zahlen. Als man sah, wie verzweifelt er war, blieb kein Zweifel, wie sehr er seinen Hund liebte, und dass die sich immer weiter verschlechternde Gesundheit von Bernie beide beträchtlich leiden lies.

Bernies Untersuchung ergab nicht nur, dass er stark abgemagert war, sondern auch dass er viel Blut im Urin und gefährlich hohes Fieber hatte. Gerade mal drei Jahre alt, zeigte er klare und gesunde Augen und Ohren und das einwandfreie Gebiss eines jungen Hundes, doch sein Körper baute rasch ab.

Die IFAW-Tierärztin brauchte nicht lange, um zwei mögliche Diagnosen zu stellen – entweder litt Bernie schon an den Folgen einer bis dahin unentdeckten Diabetes oder an einer Nierenentzündung. Genauere Laboruntersuchungen ergaben mittlerweile letzteres.

Ohne eine schnelle Behandlung würde er so oder so nicht lange überleben, aber mit bestimmten Medikamenten wäre er bald wieder auf dem Damm. 

Als dem Besitzer allerdings erklärt werden musste, dass Bernie diese Medikamente täglich und zwar für den Rest seines noch jungen Lebens brauchen würde, wurde er weiß im Gesicht. Solche Behandlungen sind nicht billig. Doch er hatte überhaupt keine Wahl.

Es ist gut möglich, dass Bernies Herrchen nicht für immer die Unterstützung der Tiertafel benötigen wird. Sein Glück könnte sich wieder zum Guten wandeln und er kann wieder Arbeit finden. Er könnte wieder etwas Geld zum sparen übrig haben, wahrscheinlich sogar genug, um für einen Hund sorgen zu können. Doch wenn es da nicht Orte wie die Tiertafel und Tierarztpraxis des IFAW gäbe, wo erkannt wurde, dass schlimme Dinge auch guten Menschen passieren können, würde diese bessere Zukunft ohne Bernie beginnen.

Mindestens zwei mal im Monat öffnet die Tiertafel ihre Pforten, um Futter für die Haustiere auszugeben, die sonst leer ausgehen würden und deren Besitzer dann wohlmöglich die qualvolle Entscheidung zu treffen hätten, ihren geliebten Freund abgeben zu müssen, weil die Zeiten hart sind und die finanzielle Not groß ist.

Der IFAW ermöglicht es der Tiertafel in Berlin neben dem Futter auch tierärztliche Dienste anbieten zu können. Gleich, ob routinemäßige Behandlungen wie chippen, impfen und einfache Untersuchungen oder kritische lebensrettende Behandlungen wie im Falle von Bernie.

Die Tierärztin erklärte seinem Herrchen, dass alles gut werden könne. Mit dem Hundefutter, welches er von nun an von der Tiertafel bekommen könne, wäre er in der Lage mit dem so eingesparten Geld die Zuzahlung für die nötigen und teuren Medikamente zu leisten; und das Tierarztprojekt des IFAW wird helfen, dass Bernie wieder gesund wird. Somit können er und sein Herrchen zusammen bleiben. 

-- HL

Kommentare: 2

 
Gast
3 Jahre ago

Ein jeder,darf nicht vergessen .Wie schnell er in eine Situation kommen kann.
Ohne,es gewolltt zu haben.
Arbeit weg,Fam.weg.usw.oder schwere Krankheit.
So,ist das Leben.
Ich selbst habe einen Golden Retriver seit acht Jahren.
Also von klein auf.Er ist mein Lebensinhalt.
Vater mit 61 verstorben,Mutter mit 59.
Alle beide Herzinfarkt.
Das war,die Fam.
Mein Hund,hält mich aufrecht.Trotz schwerer Krankheit.Mußte im Juli über 1000 Euro Op Kosten tragen.Ich habe es geschafft.Wie auch immer.Aber was ist? Wenn ich das nicht kann??

 
Gast
3 Jahre ago

Ich halte diesen Hundebesitzer für verantwortungslos.
Er hätte schon viel früher etwas gegen das Leiden seines Tieres unternehmen müssen!
Ich denke, man muss sich bevor man ein Tier anschafft, wirklich gut überlegen, ob man sich das Tier finanziell leisten kann. Und gerade ein Bernhadinder benötigt viel Futter, Platz und Auslauf und hin und wieder eben auch einen Tierarzt. Gerade wenn man Sozialhilfe bezieht, ist es schwierig, ein so großes Tier zu finanzieren. Tiere sind im Sozialsatz nicht wirklich vorgesehen!
Das alles hätte das Herrchen bedenken sollen, bevor es einen Hund anschafft, den es sich nun nicht leisten kann.
Ich finde es wirklich gut, dass es die Tiertafel gibt - aber ich finde es verantwortungslos von den Tierhaltern, sich Tiere anzuschaffen, für die man dann nicht angemessen sorgen kann. Ich möchte auch auf das Leid der Tiere hinweisen, die einfach nicht mehr versorgt werden, die in der Toilette landen oder in der Mülltonne "entsorgt werden" oder einfach ausgesetzt werden.
Wer sein Tier liebt, der sorgt dafür, dass es rechtzeitig gut versorgt wird und gibt es nötigenfalls auch an einen anderen, verantwortungsvollen Halter ab.

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Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
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Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
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Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe