Aufgeklärte Chinesen lehnen den Verzehr von Hundefleisch ab

Diese chinesischen Hunde wurden von Tierschützern vor der Schlachtung gerettet. © IFAWFür viele Chinesen in Yulin im Südwesten Chinas ist es eine Tradition, die Sommersonnenwende mit süßen Litschis, viel Alkohol und einem Schmaus aus Hundefleisch zu feiern. Schätzungsweise müssen mehr als 10.000 Hunde ihr Leben für dieses Fest lassen.

Während die Organisatoren und Unterstützer der Tradition an ihrem Treiben festhalten, protestieren Tierfreunde aus China und anderen Ländern seit Jahren gegen das grausame Abschlachten von Hunden.

Seit kurzem nun haben Tierschützer, die den Verzehr von Hundefleisch ablehnen, neue Verbündete an ihrer Seite. Denn die Gesundheitsbehörde sowie Rechtsexperten warnen, dass der Verzehr von Hundefleisch gesundheitliche und juristische Risiken mit sich bringe.

Ein großer Teil der Hunde, die während des Festes gegessen werden, wurde gestohlen und hat eine lange Reise zur Schlachtbank hinter sich.

In der Vergangenheit fingen chinesische Tierschützer ganze LKW-Ladungen mit Hunden ab. Die Tiere werden quer durchs Land transportiert, um sie an Hundefleisch-Restaurants auszuliefern. Hunderte, oft auch Tausende Hunde werden tagelang ohne jede Bewegungsfreiheit in winzige Käfige gesperrt. Oft müssen sie komplett verdreht oder aufeinander stehend ausharren und bekommen weder Wasser noch Futter. Häufig mangelt es sogar an Luft zum Atmen.

So reisen sie Tausende Kilometer weit. Diese Hunde sterben vielfach durch Ersticken, Austrocknung, Hitzeschlag oder Verletzungen. Von Krankheiten, die sich übertragen, ganz zu schweigen.

Obwohl es in China kein Gesetz gibt, dass den Verzehr von Hundefleisch verbietet oder den Umgang mit Haustieren regelt, hat das Landwirtschaftsministerium jetzt Quarantänegesetze erlassen. Danach muss für jedes Tier, das transportiert werden soll, ein individuelles Gesundheitszeugnis vorliegen.

Da Hundehändler für gestohlene Hunde einen solchen Nachweis nicht erbringen können, werden die Gesundheitsbelege meist gefälscht. Der Massentransport von Hunden, die nicht in Quarantäne waren und unter krank machende Bedingungen und über lange Distanzen hinweg transportiert werden, erhöht die Gefahr von Tollwut und anderen übertragbaren Krankheiten. So gefährden die Hundehändler auch die Gesundheit und Sicherheit der chinesischen Bevölkerung.

In der Provinz Guangxi im Süden Chinas gibt es bereits jetzt mehr menschliche Tollwutopfer als im gesamten Rest von China. Allein zwischen 2002 und 2006 starben in der Stadt Yulin 338 Menschen an Tollwut.

Doch laut Lui Lang, dem Direktor der Vereinigung der Kleintierärzte in Beijing, übertragen die Hunde nicht nur Tollwut. Da die Tiere nicht zum Verzehr bestimmt sind und nicht dafür gezüchtet wurden, wird Hundefleisch nicht ausreichend geprüft, was noch weitere Risiken birgt.

Es gibt Fälle, in denen Hunde mit Gift getötet wurden. Dadurch besteht Gefahr, dass die Menschen vergiftetes Fleisch zu sich nehmen. Im Mai 2014 wurden elf Menschen in Chinas Zentralprovinz Hunan zu Gefängnisstrafen verurteilt, da sie angeblich über 1.000 Hunde vergiftet und das giftige Fleisch an Restaurants verkauft hatten.

Ebenfalls im Mai schrieben im Ausland lebende Chinesen die chinesische Regierung mit der Bitte an, den Tötungen ein Ende zu setzen. Die Asia for Animals Coalition, eine Gruppe internationaler Tierschutzorganisationen, schickte einen Aufruf an den Gouverneur von Yulin und rief Tierfreunde weltweit auf, in Aktion zu treten.

Auch innerhalb Chinas wurden einige aufgeklärtere Menschen auf Weibo (dem chinesischen Pendant zu Twitter) aktiv und sprachen sich gegen das Hundefleisch-Fest aus. Im Gegensatz zu früheren Protesten, die oft mehr an die Freundschaft zwischen Mensch und Hund appellierten, kamen die Kommentare jetzt auch oft von Menschen, die selbst gar keinen Hund besitzen. Ein Kommentar auf Weibo lautete: “Du musst sie nicht lieben, aber bitte tu ihnen nichts zuleide.”

Die Ablehnung durch Menschen auf der ganzen Welt und insbesondere auch der Widerstand im eigenen Land haben Reaktionen in Yulin hervorgerufen. Man ist inzwischen sehr besorgt. sodass die Mitarbeiter dreier Krankenhäuser in Yulin der chinesischen Presse bestätigten, dass es interne Diskussionen gegeben habe und man überlege, Krankenhausangestellten den Verzehr von Hundefleisch in der Öffentlichkeit zu untersagen. Eine erste Nachricht über das geplante Verbot wurde bereits im Mai auf Weibo gepostet.

Die Veranstalter des Sommerfestivals haben wegen der Proteste bereits in vergangenen Jahren versucht, das Thema zu meiden. Örtliche Restaurants, in denen es Hundefleisch gibt, wurden angewiesen, das Wort „Hund“ auf ihren Werbetafeln zu überdecken, so die chinesische Zeitung Southern Metropolis Daily.

Ich hoffe, dass in diesem Jahr unter den wachsamen Augen der Weltöffentlichkeit weniger Hunde in Yulin diesem grausamen Schicksal zum Opfer fallen.

Und was noch wichtiger ist: Ich hoffe, dass die wachsende Ablehnung der Öffentlichkeit die Regierung dazu bewegt, diesem abscheulichen Handel ein für alle Mal zu verbieten.

Grace Ge Gabriel

Erfahren Sie mehr über die Arbeit des IFAW zum Schutz von Hunden und Katzen.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Jason Bell, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
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Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
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Sonja Van Tichelen, Vizepräsident für internationale Koordination
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Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien