Wolfsjagd in Schweden
45 Jahre lang gab es keine Jagdquote für Wölfe in Schweden. Dadurch konnte sich der Wolfsbestand in und um die Provinzen von Värmland und Dalarna wieder etwas erholen. Heute leben dort laut schwedischem Umweltministerium 182 bis 217 Tiere. Bei Wolfschützern gelten diese Zahlen allerdings als viel zu hoch gegriffen.
Im Jahre 2010 wurde das Jagdverbot aufgehoben und in der Zeit vom 2. Januar bis 15. Februar 2010 der Abschuss von 27 Tieren erlaubt.
Mit dieser Maßnahme wollte die Schwedische Regierung den Wolfsbestand auf 210 Tiere und 20 Rudel begrenzen, offensichtlich um die Akzeptanz der Wölfe in der Bevölkerung zu verbessern.
Dieser Ansatz ist nicht nur unverständlich, unökologisch und unethisch, sondern widerspricht auch den Vorgaben und Zielen des europäischen Naturschutzrechtes. Der Wolf ist nach der verbindlichen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie streng geschützt.
Ob der Abschuss die Akzeptanz der Wölfe tatsächlich langfristig verbessert, ist zweifelhaft. Fest steht allerdings, dass in anderen europäischen Ländern die Menschen in Regionen mit höheren Wolfsdichten friedlich mit den Tieren zusammenleben. In Polen leben beispielsweise heute etwa 700 Wölfe in etwa 125 Rudeln bei einer Bevölkerungsdichte von 124 Personen pro Quadratkilometer. Im Vergleich: in Schweden leben 21 Personen pro km 2.
Der IFAW ist überzeugt, dass andere Maßnahmen als der Abschuss der Tiere weitaus geeigneter sind, um die Akzeptanz für die Wölfe zu erhöhen.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Erteilung der Quote ein Geschenk an die Jagdlobby ist. Innerhalb kürzester Zeit ließen sich über 12.000 Jäger für die Jagd auf 27 Wölfe registrieren. 4.500 von Ihnen gingen letztendlich auf Wolfsjagd und hatten schon nach nur wenigen Tagen 28 Tiere erlegt. Verlässlichen Berichten aus Schweden zufolge war die Jagd teilweise sehr unkoordiniert und unprofessionell. In einigen Provinzen wurde die anteilige Quote offensichtlich überschritten. Mehrere Tiere wurden nur angeschossen und mussten unnötig lange leiden, bis der Tod sie erlöste. Dies alleine ist ein massiver Verstoß gegen geltende Tierschutzrichtlinien.
Der schwedische Wolfsbestand kann nicht als stabil und gesichert angesehen werden. Die schwedisch-norwegische Wolfspopulation geht auf nur drei Tiere zurück. Die nahe Verwandtschaft der Tiere schwächt ihre Widerstandsfähigkeit. Zudem ist der Bestand von anderen Wolfspopulationen etwa in Russland oder Finnland ziemlich isoliert, es kommt also kaum neues Erbgut durch nicht verwandte Tiere in die Population. Das gefährdet den Bestand zusätzlich. Folgerichtig wird der Wolf in Schweden auf der Roten Liste immer noch als „vom Aussterben bedroht“ geführt.
Zwar wurde die sogenannte Lizenzjagd für 2012 ausgesetzt und die Zielstärke der Population von 210 auf 450 Tiere angehoben, die Jagd soll jedoch 2013 wieder aufgenommen werden. Generell bleibt fraglich, ob eine Beschränkung der Populationsgröße zum Schutz der Bevölkerung und deren Vieh überhaupt nötig ist.
Wie in anderen europäischen Ländern mit Wölfen, werden auch in Schweden immer wieder Haus- und Nutztiere von Wölfen gerissen. Jedoch gibt es auch in Schweden staatliche Unterstützung für Nutztierhalter, um geeignete Maßnahmen zum Schutz ihrer Tiere zu treffen. Und sollten diese einmal nicht geholfen haben, gibt es Entschädigungszahlungen.
Wenn einzelne Wölfe auffällig werden und wiederholt Nutztiere angegriffen und getötet haben, sieht das schwedische Gesetz durchaus die Ausnahme vor, diese Tiere zu entfernen. Für eine vorsorgliche jagdliche Bestandsregulierung zur Akzeptanzförderung gibt es allerdings keine rechtliche Grundlage.
Das schwedische Modell darf keine Schule machen. Der Wolf ist ein wichtiger Bestandteil unserer Naturräume und ein wertvoller Partner der Jäger in der Regulierung der Wildbestände. Er muss weiterhin geschützt werden.