Das antarktische Schutzgebiet

Das 1994 von der IWC ausgewiesene antarktische Schutzgebiet soll etwa drei Vierteln der noch lebenden Großwale in ihren Nahrungsgründen langfristig Sicherheit bieten.

Diese Maßnahme gibt dem einst stark bejagten Ökosystem und den darin lebenden Tieren die Möglichkeit zur Regeneration.  Einige Walpopulationen wurden mit Beginn der kommerziellen Jagd in dieser Region auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe dezimiert. So sind von den knapp 250.000 Blauwalen, die sich einst in diesem Seegebiet aufhielten, nur noch 5.000 bis 10.000 übrig.

Die Walfangkommission einigte sich 1994 fast einstimmig auf die Einrichtung des Schutzgebiets unterhalb des 40. Breitengrads Süd. Nur Japan war dagegen.

Anspruchsvolle Ziele
Mit der Einrichtung des antarktischen Schutzgebiets ist das ehrgeizige Vorhaben verbunden, verschiedene Walarten der südlichen Hemisphäre zu schützen, die hier Nahrung suchen und durch die Region ziehen. Darüber hinaus soll das Schutzgebiet einen Beitrag zur Erhaltung und Regeneration des einzigartigen und empfindlichen marinen Ökosystems leisten.

Da das antarktische Schutzgebiet und das Schutzgebiet Indischer Ozean miteinander verbunden sind, genießen einige Wale Komplettschutz auf ihren Wanderungen vom Indischen Ozean zur Antarktis und zurück. Andere Walarten kommen nur zu bestimmten Zeiten im Jahr in den Südlichen Ozean, um im kalten und nährstoffreichen Wasser nach Nahrung zu suchen.

Erholung von langjährigen Strapazen
Wale gab es in antarktischen Gewässern einst in Hülle und Fülle. Heute sind nach Schätzungen von Wissenschaftlern nur noch weniger als fünf Prozent der ursprünglichen Walpopulation übrig.

Japan hat zwar überaus „fürsorglich” darauf hingewiesen, dass die Zwergwalbestände in der Region verwaltet werden müssten, aber wir wissen ja mittlerweile, dass damit eigentlich die Jagd auf Zwergwale gemeint ist. Der IFAW ist nicht nur gegen jede kommerzielle Jagd auf Wale in diesem Gebiet. Wir sind auch fest davon überzeugt, dass sich das Ökosystem hier vielleicht am besten regenerieren kann, wenn man es sich selbst überlässt.

Ein Zeitraum von 50 Jahren sollte unserer Ansicht nach ausreichen, damit sich ein neues Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Robben-, Wal- und Seevogelarten einpendelt, die hier ein gemeinsames Nahrungsangebot nutzen. Erst dann können sich die Populationen der letzten Großwale wieder erholen.

Forschungsarbeit
Um Gewissheit darüber zu gewinnen, dass das Schutzgebiet einen effektiven Beitrag zur Erhaltung der Wale leistet, müssen wir mehr über dieses Ökosystem und die dort lebenden Wale und Meeresbewohner herausfinden.

Seit 1996 sind wir an verschiedenen Forschungsprojekten in den Gewässern um die Antarktis beteiligt und haben dafür neue und richtungweisende nicht-invasive Beobachtungs- und Untersuchungsmethoden entwickelt.

  • Mit unseren selbst entwickelten Unterwassermikrofonen können wir die Kommunikation der Wale rund um die Uhr belauschen. Die im Schlepptau eines Boots ausgelegten Mikrofone liefern komplexe Daten, die von Spezialsoftware analysiert werden, um Wale zu identifizieren und ihre Bewegungen zu verfolgen.

Fotodatenbanken ermöglichen die Erstellung von Bewegungsprofilen und die lebenslange Überwachung einzelner Wale. Fortschrittliche Software zur Bilderkennung leistet hierbei zuverlässige und schnelle Hilfe.

Das System wird bereits erfolgreich für einen Katalog mit 3.000 Südkapern eingesetzt, die nahe der argentinischen Küste ihren Nachwuchs zur Welt bringen und zur Nahrungsaufnahme in das arktische Walschutzgebiet ziehen. Diese Walpopulation wird seit über 30 Jahren erforscht. Jetzt können wir die Frage untersuchen, welchen Einfluss die Veränderungen im Ökosystem Südlicher Ozean auf den Fortpflanzungserfolg der Tiere haben.

Durch den Einsatz nicht-invasiver Untersuchungsverfahren zeigen wir ganz klar, dass niemand Wale töten muss, um sie zu erforschen. Tatsächlich liefern diese modernen Methoden mit der Zeit wesentlich aufschlussreichere Informationen über Wale als Japans sogenannter „wissenschaftliche” Walfang.