Die Faszination der Menschen für den Wolf ist uralt. In der Mythologie, in der Religion sowie in Sagen und Märchen spielte der Wolf oft eine zentrale Rolle. Bis heute rufen Wolfsmythen bei vielen Menschen Gänsehaut und Schaudern hervor. Doch der Wolf ist kein gefährliches Ungeheuer, sondern ein intelligentes Raubtier mit einem ausgeprägten Sozialverhalten.

Im Zusammenleben mit Menschen zeigen sich Wölfe sehr anpassungsfähig an verschiedenste Lebensräume. Sie brauchen keine unberührte Wildnis, sondern kommen auch mit Verhältnissen in intensiv genutzter Kulturlandschaft zurecht. Voraussetzung ist allerdings, dass ausreichend Nahrung (wilde Huftiere wie Hirsche, Rehe, Wildschweine) sowie ruhige Rückzugsräume zur Welpenaufzucht vorhanden sind. Die Wölfe in der sächsischen Lausitz leben beispielsweise zum Teil in noch aktiven Tagebauten und auf Truppenübungsplätzen.

Wölfe sind in der Regel sehr scheue Tiere und suchen frühzeitig das Weite, sobald sie einen Menschen bemerken. Junge Wölfe können aber durchaus auch mal neugieriger und weniger vorsichtig reagieren, sodass man dann bessere Chancen hat, solch ein Tier zu Gesicht zu bekommen. Mehr unter Steckbrief Wolf.

Nahrung des Wolfes

Wölfe sind vornehmlich dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie meist in versteckten Lagern in dichter Vegetation. In den frühen Morgen- und Abendstunden begeben sie sich auf Nahrungssuche. Die Zusammensetzung der Wolfsnahrung ist abhängig von der Jahreszeit. So ist sie im Sommer abwechslungsreicher als in den Wintermonaten. Sie reicht von Mäusen bis zu Rehen und Hirschen, wobei Huftiere den Hauptbestandteil ausmachen.

Exkurs: Keine Gefährdung der Wildbestände durch die Wölfe

Wölfe in der Lausitz bevorzugen drei Beutetierarten: Rehe, Rotwild und Schwarzwild. Hauptsächlich erlegen sie alte, kranke und geschwächte Tiere. Rehe machen dabei mit ca. 50 Prozent den Hauptanteil der Nahrung aus. Nach Schätzungen im Rahmen einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) erbeutet ein Rudel in einem Territorium von ca. 250 km 2 jährlich etwa 400 Rehe, 54 Stück Rotwild und 100 Sauen.

Seit der Rückkehr der Wölfe konnte für alle drei Hauptbeutetierarten keine Bestandsreduzierung in der Lausitz nachgewiesen werden. Der Wildbestand weist vielmehr in den letzten 10 Jahren ähnliche Schwankungen auf, wie in den Jahren zuvor oder in Gebieten ohne Wolfsvorkommen.

Wolfsrudel = Wolfsfamilie

Wölfe leben meist in Rudeln. In Nordamerika umfasst das Territorium eines Rudels bis zu 1.000 km², in Mitteleuropa sind es etwa 200 bis 300 km² im Flachland und etwa 100 km² in den Gebirgen. Die Größe eines Rudels in unseren Breiten variiert im Jahresverlauf zwischen fünf und zehn Individuen.
Ein Wolfsrudel ist eine Familie, bestehend aus den Elterntieren, den Welpen vom Vorjahr (Jährlinge) sowie den Welpen vom aktuellen Jahr, die im Frühjahr geboren werden. Die Jährlinge helfen bei der Aufzucht ihrer jüngsten Geschwister.

Im Alter von ein bis zwei Jahren verlassen die Jungwölfe in der Regel ihr elterliches Rudel, um sich ein eigenes Territorium und einen Paarungspartner für die Gründung einer neuen Familie zu suchen.

Wilde Jungwölfe werden meist nach zwei bis drei Jahren geschlechtsreif, pflanzen sich aber frühestens im dritten (Weibchen) beziehungsweise im vierten Lebensjahr (Männchen) fort. Die Tragzeit dauert ungefähr zwei Monate, bevor in der Regel drei bis sechs Welpen meist in einem unterirdischen Bau geworfen werden.

Wolfsgeheul und andere Kommunikation

Wölfe kommunizieren mit Hilfe von Mimik, Gestik, Gerüchen und Lauten miteinander. Da alle Hunderassen direkt vom Wolf abstammen, sind uns einige Verhaltensweisen bekannt. Doch der Wolf besitzt im Vergleich zu Hunden ein viel größeres Repertoire – so zum Beispiel sehr vielfältige Lautäußerungen, die weit über das Jaulen, das wir von Hunden kennen, hinausgehen. Mit Heulgesängen verständigt sich ein Rudel über große Distanzen. Einzeln wandernde Wölfe können so zu ihrem Rudel zurück oder auch zueinander finden, um dann mit einem fremden Partner ein neues Rudel zu gründen.

Wolfswanderungen

Bei nächtlichen Streifzügen kann ein Wolf bis zu 50 Kilometer zurücklegen. Der gesamte Aktionsraum eines Rudels hängt sehr stark vom Nahrungsangebot und der Nahrungsverfügbarkeit ab. Darüber hinaus unternehmen Einzeltiere gelegentlich auch längere Wanderungen, in Extremfällen, wie zum Beispiel während einer Verfolgung, bis zu 200 Kilometer und mehr am Stück.

Die meisten Tiere, die aus ihrem Rudel abwandern, sind Jungwölfe, die um das zweite Lebensjahr herum ihre Familie verlassen und sich auf die Suche nach einem eigenen Revier begeben. Meist wandern die Männchen ab und legen dabei mitunter weite Strecken zurück. So konnte eine vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) beauftragte Studie aus dem Jahr 2009 zeigen, dass ein sächsischer Wolf innerhalb weniger Wochen sogar bis nach Weißrussland wanderte.

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