Die Hauptverbreitungsgebiete der Wölfe in Polen sind zum einen im Nord-Osten des Landes an der Grenze zu Weißrussland, einschließlich des Bialowieza-Nationalparks, zum anderen in den Karpaten im Süden Polens im Grenzgebiet zur Slowakei und der Ukraine. Im westlichen Polen gibt es eine kleine Subpopulation, die als Einheit mit den Wolfsvorkommen im östlichen Deutschland gesehen werden muss.
Die Verbreitung der Wölfe in Zahlen
In Polen gibt es insgesamt etwa 800-900 Wölfe. Eines der größten Rückzugsgebiete der polnischen Wölfe sind dabei die Berge und Hügel der Karpaten, die etwa 200-250 Tiere in 50 Rudeln beherbergen. Diese Population hält sich teilweise auch in der Slowakei und in der Ukraine auf. Ein anderes Wolfsgebiet sind die weiten Wälder im Nordosten des Landes. Hier leben ebenfalls etwa 50-55 Wolfsrudel. In den großen Nationalparks im Osten Polens (Roztocze und Polesie) leben ca. 16-21 Rudel.
Im westlichen Polen, nahe der deutsch-polnischen Grenze, führt die polnische Non-Profit-Organisation Association for Nature „Wolf“ um die Biologin Sabina Nowak regelmäßig Bestandsaufnahme durch, die unter anderem durch den IFAW finanziert werden. Aktuell gibt es dort etwas mehr als 20 Rudel mit ca. 100 – 110 Wölfen. Dieses Vorkommen steht in enger Verbindung mit den Wölfen im östlichen Deutschland (v.a. Brandenburg und Sachsen) und ist als eine Einheit zu sehen. Erfreulicherweise ist der Entwicklungstrend dieser Subpopulation positiv.
Da manche Rudelterritorien sowohl in Deutschland als auch in Polen verlaufen, fordert der IFAW grenzübergreifende Monitoringmaßnahmen verstärkt zu koordinieren und durchzuführen. So können Doppelzählungen vermieden werden.
Ausbau der Via Baltica gefährdet Wölfe
In Ostdeutschland gibt es noch zu wenig Rudel, um eine stabile Populationen zu erhalten. Neue Wölfe müssen aus Polen nachkommen, damit für die Fortpflanzung ein ausreichend großer „Genpool“ vorhanden ist. Ansonsten würden zwangsläufig Probleme der Inzucht auftreten. Die ersten Tiere sind aus Westpolen eingewandert, und es besteht die Hoffnung, dass sich weitere Tiere aus dem Osten in Sachsen, Brandenburg oder anderen deutschen Bundesländern niederlassen.
Wichtig hierfür ist, dass die Tiere von ihren traditionellen Verbreitungsgebieten im Osten Polens ungehindert nach Westpolen und dann weiter ins östliche Deutschland gelangen können.
Eine solche Wanderung ist durch das bestehende Verkehrsnetz nur eingeschränkt möglich. 2004 kam die Planung eines neuen Bauvorhabens hinzu, welches Anlass zu größter Sorge gab. Im Rahmen des so genannten Transeuropäischen Netzes (TEN) wurde unter anderem in Polen das Verkehrsprojekt „Via Baltica“ geplant. Nach diesem Plan eine Schnellstraße, die von Helsinki über Estland, Lettland und Litauen nach Warschau führt, auch in Polen weiter ausgebaut werden. Ausbauarbeiten an bestehenden Straßenabschnitten, die auf der geplanten Trasse liegen, hatten bereits begonnen. Da die Strasse aber direkt durch wertvolle Schutzgebiete verläuft, u.a. durch den Biebrza-Nationalpark im Nordosten des Landes, hätte der Ausbau verheerende Folgen für die dortige Fauna gehabt und wichtige Wanderrouten der Wölfe verbaut.
Dies hätte damit auch negative Auswirkungen auf die Entwicklung und Zukunft eines stabilen Wolfbestandes in Deutschland gehabt.
Der IFAW forderte damals: Das Projekt "Via Baltica" muss Wanderwege der Wölfe berücksichtigen!
Natur- und Artenschutzorganisationen hatten bereits eine alternative Trassenvariante ausgearbeitet. Der Entwurf sah vor, dass sensible Gebiete umfahren und die Strecke um 30 Kilometer verkürzt werden müsse. Zusätzlich war der Bau von Wildbrücken an geeigneten Stellen vorgesehen. Diese sogenannten Korridore ermöglichen den Tieren das Überqueren der Straßen. Die Wanderwege der Wölfe in Richtung Westen würden so erhalten bleiben.
Im Herbst 2004 organisierte der IFAW ein Treffen mit verschiedenen Vertretern des EU-Parlamentes und Naturschutzorganisationen in Brüssel, um eine wolfsfreundliche Umsetzung des „Via Baltica“- Projektes zu ermöglichen.
Der vielseitige Einsatz hatte Erfolg. Im März 2009 stand fest: Der Ausbau der Schnellstraße „Via baltica“ im Nordosten Polens werde nicht entlang der ursprünglich vorgesehenen Route erfolgen. Betroffene Naturschutzgebiete werden umfahren und somit bleibt der Lebensraum nicht nur der Wölfe, sondern auch vieler anderer Tiere erhalten. In Zusammenarbeit mit polnischen Wolfsexperten wird sich der IFAW auch weiterhin dafür einsetzen, dass bei zukünftigen Ausbauarbeiten der Via Baltica die Wanderrouten der Wölfe berücksichtigt werden und der Ausbau möglichst geringe Schäden in der Umwelt hinterlässt.
Ökologie der Wölfe in Polen
Nach einer polnischen Studie besteht ein Wolfsrudel durchschnittlich aus vier Tieren. Das Territorium eines Rudels erstreckt sich über eine Fläche von etwa 200-300 km² im Flachland und 100km² in den Bergen. Der Hauptanteil polnischer Wälder sind Nutzwälder. Rehe, Rotwild und Wildschweine spielen auf dem Nahrungsplan der Wölfe ebenso wie in Deutschland die Hauptrolle. Polnische Studien haben aber gezeigt, dass die Wölfe dort – anders als in Deutschland - bevorzugt Rotwild erbeuten. Der Beitrag von Rehen und Wildschweinen zur Ernährung des Wolfes ist kleiner als in unseren Wäldern.
Mit Analysen von Beuteresten und Kot kann die Art der erbeuteten Tiere ermittelt werden. Dabei fand man heraus, dass Wölfe in Polen häufig junges und weibliches Rotwild erbeuteten. Auch bei männlichem Rotwild und Wildschweinen wurden die Jungtiere öfter getötet als ältere. Die Selektion von weiblichem Rotwild und jungen Beutetieren wurde in den Beskidy Bergen nachgewiesen, während in anderen Regionen Wölfe ohne Selektion Rotwild jedes Alters und Geschlechts töteten.
Im Wald von Bialowieza erlegen Wölfe jedes Jahr etwa 15% der Rotwild-Population und etwa 5% der Wildschwein-Population. Nur 2 – 3% ihrer Nahrung besteht aus Nutztieren.
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