Die Verbreitung der Wölfe in Zahlen

In Polen gibt es derzeit insgesamt etwa 800 bis 900 Wölfe. Hauptverbreitungsgebiete sind zum einen der Nordosten des Landes an der Grenze zu Weißrussland einschließlich des Bialowieza-Nationalparks, wo sich etwa 50 bis 55 Rudel aufhalten. Außerdem  leben in den Karpaten im Süden Polens im Grenzgebiet zur Slowakei und der Ukraine etwa 200 bis 250 Tiere in 50 Rudeln. Hinzu kommen noch etwa 20 Rudel, die sich in den großen Nationalparks Roztocze und Polesie im Osten Polens angesiedelt haben.

Im westlichen Polen lebt ein Teil der Zentraleuropäischen Wolfspopulation, zu der auch die Wölfe in Deutschland gehören.

Verbreitung der Wölfe in Westpolen (Stand: Frühjahr 2015) © AfN "Wolf"

Im westlichen Polen,  nahe der deutsch-polnischen Grenze, führt die polnische Non-Profit-Organisation Association for Nature „Wolf“ um die Biologin Sabina Nowak regelmäßig Bestandsaufnahme durch, die unter anderem durch den IFAW finanziert werden. Die Wissenschaftler schätzten aufgrund ihrer Forschungen den Wolfsbestand zum Ende des Monitoring-Jahres 2014/15 westlich der Weichsel auf insgesamt 33 Rudel und vier Wolfspaare. Dieses Vorkommen steht in enger Verbindung mit den Wölfen im östlichen Deutschland (vor allem Brandenburg und Sachsen), die als eine Einheit zu sehen ist und als Zentraleuropäische Population bezeichnet wird. Erfreulicherweise ist der Entwicklungstrend dieser Population positiv.

Da manche Rudelterritorien sowohl in Deutschland als auch in Polen verlaufen, fordert der IFAW grenzübergreifende Monitoringmaßnahmen verstärkt zu koordinieren und durchzuführen. So können Doppelzählungen vermieden werden.

Erfolgreicher Nachwuchs

Regelmäßig überprüft die Biologin Sabina Nowak, ob die Wölfe in Westpolen Nachwuchs bekommen haben. In der Zeit von Juni bis Dezember sucht ihrTeam Spuren der Wölfe. Hilfreiche Hinweise sind dabei Pfotenabdrücke der Tiere anhand derer auch Aktivität von Jungtieren ausgemacht werden können. Weitere Zeichen von Wolfspräsenz sind Kot oder Reste von Beute. Markierungsplätze liefern zudem Anhaltspunkte dafür, dass sich die Tiere in der Region aufhalten. Eindeutige Indizien für Wolfsnachwuchs sind frische Höhlen, die dem Schutz der Jungtiere dienen. An geeigneten Standorten installierte Fotofallen können zweifelsfreie Belege liefern. Anhand dieser Maßnahmen konnten die Forscher feststellen, dass im Monitoring-Jahr 2014/15 etwa 80 Prozent der Wolfsrudel in Westpolen sich erfolgreich fortpflanzten.

Ausbau der Verkehrswege gefährdet Wölfe

Die Zentraleuropäischen Wolfspopulation ist noch klein und weit entfernt von der Erreichung eines günstigen Erhaltungszustands. Neue Wölfe müssen also aus dem Osten Polens zuwandern können, damit für die weitere Fortpflanzung ein ausreichend großer „Genpool“ vorhanden ist. Ansonsten könnten Probleme durch Inzucht auftreten.

Wichtig hierfür ist, dass die Tiere von ihren starken Verbreitungsgebieten im Osten Polens ungehindert nach Westpolen und Deutschland gelangen können. Solche Wanderungen sind bereits durch das bestehende Verkehrsnetz nur eingeschränkt möglich. Zudem erschweren neue Verkehrsprojekte, wie die Via Baltica, die im Rahmen des so genannten Transeuropäischen Netzes (TEN) geplant und gebaut wird, die Wanderbewegungen.

Der IFAW fordert, dass Wanderwege der Wölfe bei der Realisierung der Via Baltica und bei anderen Verkehrswegeprojekten berücksichtigt und gemieden werden. Bereits in der Vergangenheit konnten wir unter anderem durch die Zusammenarbeit mit Vertretern des EU-Parlaments und Naturschutzorganisationen, dazu beitragen, dass die Via Baltica im Nordosten Polens möglichst wolfsfreundlich umgesetzt wird.

Ökologie der Wölfe in Polen

Nach einer polnischen Studie besteht ein Wolfsrudel durchschnittlich aus vier Tieren. Das Territorium eines Rudels erstreckt sich über eine Fläche von etwa 200-300 km² im Flachland und 100km² in den Bergen. Der Hauptanteil polnischer Wälder sind Nutzwälder. Rehe, Rotwild und Wildschweine spielen auf dem Nahrungsplan der Wölfe ebenso wie in Deutschland die Hauptrolle. Polnische Studien haben aber gezeigt, dass die Wölfe dort – anders als in Deutschland - bevorzugt Rotwild erbeuten. Der Beitrag von Rehen und Wildschweinen zur Ernährung des Wolfes ist kleiner als in unseren Wäldern.

Mit Analysen von Beuteresten und Kot kann die Art der erbeuteten Tiere ermittelt werden. Dabei fand man heraus, dass Wölfe in Polen häufig junges und weibliches Rotwild erbeuteten. Auch bei männlichem Rotwild und Wildschweinen wurden die Jungtiere öfter getötet als ältere. Die Selektion von weiblichem Rotwild und jungen Beutetieren wurde in den Beskidy Bergen nachgewiesen, während in anderen Regionen Wölfe ohne Selektion Rotwild jedes Alters und Geschlechts töteten.

Im Wald von Bialowieza erlegen Wölfe jedes Jahr etwa 15 Prozent der Rotwild-Population und etwa 5 Prozent der Wildschwein-Population. Nur 2 bis 3 Prozent ihrer Nahrung besteht aus Nutztieren.

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