Die Wölfe kommen zurück

Nachem Wölfe bei uns fast ausgerottet waren, wächst die Wolfspopulation in Deutschland und Polen allmählich wieder.
Die Wölfe kommen zurück

Verbreitung der Wölfe in Europa

Im gesamten europäischen Raum (mit Ausnahme hochalpiner Regionen) gab es in der Vergangenheit Wölfe. Doch bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurden sie in weiten Teilen West- und Mitteleuropas ausgerottet. Heute gibt es nur noch nennenswerte Restpopulationen in Spanien, in Italien, auf dem Balkan, in Skandinavien und im nord-östlichen und südlichen Polen. In Westpolen und Ostdeutschland befindet sich eine kleine wachsende Subpopulation, deren Bestand noch sehr anfällig ist und unter anderem von regelmäßigen Zuwanderungen aus den östlich gelegenen Verbreitungsräumen abhängt.

Wölfe in Deutschland

Erst als 1990 die Wölfe in ganz Deutschland unter strengen Schutz gestellt wurden, kehrten immer mehr Tiere in ihr früheres Verbreitungsgebiet zurück. Im Frühjahr 2000 wurden im Nordosten Sachsens nahe der polnischen Grenze auf einem Truppenübungsplatz erstmals in Deutschland wieder Wolfswelpen geboren. Mittlerweile haben sich in Deutschland weitere Rudel angesiedelt, vor allem in Sachsen, Brandenburg, Niedersachen und Sachsen-Anhalt. Zum Ende des Monitoringjahres 2014/15 wurden in Deutschland insgesamt 31 Wolfsrudel, 8 Wolfspaare und 6 territoriale Einzeltiere nachgewiesen. In Sachsen wurden die Wölfe im Rahmen des Projektes „Wanderwolf“ wissenschaftlich überwacht, um sie besser schützen zu können.

Ein friedliches Zusammenleben von Wolf und Mensch ist möglich

Wölfe sind ein ursprünglicher Bestandteil unserer Landschaft und ein Indikator für eine intakte Natur. Es ist das Ziel des IFAW, die Öffentlichkeit von einem möglichen friedlichen Miteinander zu überzeugen. Hierfür ist ein sachlicher Umgang mit dem Thema enorm wichtig. Letztendlich wird die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber dem Wolf entscheiden, ob der Rückkehrer bei uns eine Chance hat oder nicht. Die Akzeptanz für den Wolf ist zwar auch in den inzwischen etablierten Wolfsgebieten in Deutschland mittlerweile gestiegen, aber es bedarf noch viel Aufklärungsarbeit, um bestehende Vorurteile und Ängste abzubauen. Da Aufklärung auch bei Kindern und Jugendlichen wichtig ist, stellt der IFAW Materialen für Schulen bereit.

Tollwutübertragung durch Wölfe?

Generell lässt sich sagen, dass Wölfe dieselben Krankheiten bekommen können wie Hunde – somit auch Tollwut. Jedoch gehören nach Einschätzung des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Wölfe nicht zur Risikogruppe für eine Tollwutübertragung. Vielmehr kommt dem Fuchs als „Tollwutreservoir“ die Hauptbedeutung bei der Tollwutausbreitung zu.

Der Wolf als wichtiges Mitglied des Ökosystems

Wölfe jagen vorzugsweise Beute, die für sie mit möglichst wenig Energieaufwand zu erlegen ist. Das bedeutet, dass neben jungen Tieren vor allem kranke, verletzte und alte Tiere erbeutet werden. Das Erbeuten von kranken Tieren führt dazu, dass sich Infektionskrankheiten weniger ausbreiten. Gesunde geschlechtsreife Beutetiere müssen weniger um Nahrung und Lebensraum konkurrieren. So werden gesunde und vitale Beutetierpopulationen gefördert.

Im Yellowstone Nationalpark in den USA konnten Forscher belegen, dass die Rückkehr der Wölfe zur Erhaltung und Wiederherstellung der Artenvielfalt innerhalb eines Ökosystems führt. Durch die Wölfe konnte dort eine beinahe verschwundene Biberpopulation wieder auf eine überlebensfähige Größe anwachsen, da die Wölfe die sehr hohe Anzahl an Elchen reduzierte, die Nahrungskonkurrenten der Biber sind.

Gerissene Beutetiere, die vom Wolf nicht vollständig aufgefressen werden, dienen vielen anderen Lebewesen, wie kleineren Raubtieren (zum Beispiel Füchsen), Aasfressern (zum Beispiel Raben und Adler), Insekten und weiteren Kleintieren als Nahrungsquelle. Aber auch "Zersetzer" wie Pilze und Würmer profitieren davon. Sie verwandeln Aas in nährstoffreiche Erde, welche die Basis für das Entstehen und Wachstum von Pflanzen bildet. So ist jedes Ökosystem ein komplexes Zusammenspiel aus Tieren und Pflanzen, in dem der Verlust einer einzelnen Art schwerwiegende Folgen für das ganze System haben kann. Der Wolf trägt daher zur Artenvielfalt und Stabilität eines Ökosystems bei.

Der Wolf als natürlicher Förster

Wölfe werden auch als „natürliche Förster“ bezeichnet, da sie die Bestände von Pflanzenfressern beeinflussen. So reduzierten die wiederangesiedelten Wölfe in Teilen des Yellowstone Nationalparks die Anzahl und Dichte der Elche, die Blätter und Zweige von Espen, Pappeln und Weiden fressen. Dadurch gingen auch die Baumschäden zurück und diese Baumarten nahmen wieder zu.

Wolf und Jäger

Manche Jäger befürchten, dass der Jagdertrag durch Wölfe in ihrem Revier geschmälert wird und stehen der Rückkehr des Wolfes deshalb kritisch gegenüber. Oft wird argumentiert, die Wölfe würden die Jagd erschweren und manche Wildtierarten gänzlich verschwinden lassen.

Generell ist das Wissen über den Einfluss von Wölfen auf den Bestand von Wildarten in Deutschland noch zu gering, um sichere Aussagen zu treffen. Es gibt bisher noch keine wissenschaftlich untermauerten Ergebnisse, die einen vom Wolf verursachten Bestandsrückgang der Beutetiere Hirsch, Reh und Wildschwein bestätigen.

Allerdings gibt es bereits konkrete Erfahrungen, dass sich durch die Anwesenheit des Wolfes das Verhalten seiner Beutetiere verändern kann: Sie werden vorsichtiger und wechseln häufiger ihre Aufenthaltsorte. Dies kann dazu führen, dass die Jagd auf diese Tiere schwieriger wird. Gleichzeitig hilft der Wolf jedoch, die Bestände an Rehen, Hirschen und Wildschweinen gesund und widerstandsfähig zu halten.

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