Rehabilitation von Schimpansen in Uganda

Der Jäger ist auf einer Straße unterwegs, die von einem multinationalen Holzeinschlagunternehmen tief in den Wald hineingetrieben wurde. Er erspäht seine Beute und schießt. Ein ausgewachsener weiblicher Schimpanse fällt zu Boden. Der Jäger wird den Schimpansenkörper zerlegen und ihn an den nächsten zahlungswilligen Kunden verkaufen – der lukrative Handel mit Buschfleisch hat ein weiteres Opfer gefordert. Das eng an die Mutter gekauerte Schimpansenbaby wird der Jäger mitnehmen, um es als „exotisches“ Haustier zu verkaufen.

In Teilen Zentral- und Westafrikas spielen sich derlei Tragödien Tag für Tag ab. Der Handel mit Buschfleisch floriert, die Nachfrage nach exotischen Haustieren war niemals größer, und für die letzten Menschenaffen wird die Zeit knapp.

Das Ngamba Island Chimpanzee Sanctuary in Uganda wurde 1998 eingerichtet und bietet verwaisten Schimpansen ein sicheres Zuhause. Die Einrichtung ist nach einem ganzheitlichen Ansatz konzipiert, der unter anderem Initiativen zur Entfernung von Fallen, Informationsprogramme, Ökotourismus und Projekte zur Eingewöhnung von Schimpansen umfasst.

Das Ngamba Island Sanctuary wird geleitet vom Chimpanzee Sanctuary and Wildlife Conservation Trust (CSWCT), dem der IFAW, das Jane Goodall Institute, das UWEC (Uganda Wildlife Education Center), die UWA (Uganda Wildlife Authority), die UWS (Uganda Wildlife Society) und ECOTRUST angehören, deren gemeinsames Anliegen das Wohlergehen und der Schutz von Wildtieren ist.

Das von Menschen unbewohnte Ngamba Island Chimp Sanctuary bietet derzeit 47 verwaisten Schimpansen eine Heimat. Es handelt sich um eine dicht bewaldete, etwa 40 Hektar große Insel auf Äquatorhöhe am Vikoriasee, 23 km von Entebbe (Uganda) entfernt. Verglichen mit anderen Tierreservaten ist die Insel groß und bietet den Schimpansen einen sicheren, fast natürlichen Lebensraum.

Die Schimpansenfamilie auf Ngamba wurde zuletzt um vier Schimpansenkinder erweitert (Cocoa, Minni, Sarah und Medina), die aus dem Südsudan gerettet wurden. Die vier Weibchen verloren ihre Mütter an den Buschfleisch-Handel. Man vermutet, dass sie aus der Demokratischen Republik Kongo in den Südsudan geschmuggelt wurden.

Der Trust verwaltet das Schutzgebiet, koordiniert zahlreiche flankierende und ergänzende Projekte und kümmert sich praktisch um alles, was mit dem Schutz der Schimpansen in Zusammenhang steht. Dazu gehören Informationsarbeit und Hilfsprojekte, Bestandszählungen von Wildtieren sowie der Ökotourismus.

Im Jahr 2010 konnte der Trust das Schutzgebiet weiter ausbauen und verbessern. Damit den Schimpansen mehr Raum zur Verfügung steht, wurde das Auffanglager um einen zusätzlichen Bereich erweitert und ein in den Wald führender Korridor eingerichtet. Auch ein neuer Solarkühlschrank für die Aufbewahrung von Blut- und Gewebeproben wurde angeschafft. Eine Zuwendung des IFAW wurde für die Anschaffung eines zweiten Schnellboots genutzt, das die Verbindung zwischen Insel und Festland erheblich verbessert.

Schimpansen sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) sowie durch die Gesetze Ugandas und anderer Länder geschützt, doch ihr Bestand ist nach wie vor ernsthaft bedroht: durch Wilderer, die den Markt mit Buschfleisch und exotischen Haustieren versorgen, durch die Abholzung der Wälder und landwirtschaftliche Aktivitäten.