Robben und Fischerei

Robbenjäger und Politiker rechtfertigen die kommerzielle Jagd immer wieder mit der Behauptung, sie diene auch dem Schutz der Fischbestände. Eine wissenschaftliche Grundlage gibt es für diese Behauptung jedoch nicht.

Auf Grundlage von Schätzungen der Fischmengen, die Robben verzehren, lassen sich keine gesicherten Aussagen über die Auswirkungen auf die Fischbestände treffen. 

Die Ökosysteme in den Ozeanen sind überaus komplex, und wir können nicht davon ausgehen, dass sich mit der Ausrottung einer Art gezielt einer anderen helfen lässt. Im Gegenteil: Die Massentötung von Robben könnte unbeabsichtigte und unvorhersehbare Folgen haben und in letzter Konsequenz sogar die Struktur und das Funktionieren eines Ökosystems stark beeinträchtigen. Eine wissenschaftliche Studie über die groß angelegte Tötung von Seebären in Südafrika kam zu dem Ergebnis, dass diese Maßnahme der Fischereiwirtschaft nicht helfen, sondern eher schaden würde. Die Bestandsregulierung wurde daraufhin abgeblasen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch ein vom kanadischen Fischereiministerium vor kurzem in Auftrag gegebenes Gutachten: „Obwohl die Robbenpopulationen immer wieder stark dezimiert werden, sind die Auswirkungen auf die Beutetierbestände bislang kaum untersucht. Über die Wirksamkeit der Maßnahme lässt sich damit keine gesicherte Aussage machen. Studien über die Regulierung der Bestände anderer Raubtierarten liefern allerdings Hinweise darauf, dass immer wieder unbeabsichtigte und kaum vorhersehbare Auswirkungen in der Nahrungskette beobachtet wurden.” 

Auch ohne eine solide wissenschaftliche Grundlage setzen einige Regierungen auch weiterhin auf die Massentötung von Robben zur Erhaltung der Fischbestände.