Jede kommerzielle Robbenjagd ist inhuman

Wie grausam das blutige Geschäft der Robbenjäger in der Praxis tatsächlich ist, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Sie müssen in einem unkalkulierbaren Umfeld schnell und ertragsorientiert arbeiten. Unter solchen Bedingungen ist ein möglichst schmerzloses Töten nahezu unmöglich. 

Robbenjagd in Kanada

Jedes Frühjahr bewegen Jäger vor der Ostküste Kanadas ihre Boote durch gefährliche Gewässer oder laufen über tückische Eisschollen, um in der kurzen verfügbaren Zeit so viele junge Robben wie möglich zu töten. Die Tiere sind meist noch zu jung für eine erfolgreiche Flucht unter Wasser und werden entweder erschossen oder mit einem Holzknüppel mit Metallhaken am Ende (Hakapik) erschlagen.

Die kanadische Regierung bemüht sich zwar immer wieder darum, die kommerzielle Robbenjagd mit der Viehtötung zu vergleichen. Doch tatsächlich haben beide Vorgänge wenig miteinander gemein. Robben werden nicht im Schlachthaus getötet, sondern im Freien unter extrem schwierigen Bedingungen, die ein möglichst schmerzloses Töten nicht zuverlässig ermöglichen.

Der IFAW ist davon überzeugt, dass Kanadas kommerzielle Robbenjagd niemals die Anforderungen an möglichst schmerzloses Töten erfüllen kann, und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Wegen des hohen Konkurrenz- und Zeitdrucks ist Schnelligkeit wichtiger als möglichst schmerzloses Töten.

    Die Robbenjagd gleicht von ihrem Ablauf her einem Wettbewerb, bei dem es für die Jäger darum geht, so viele Felle wie möglich zu sammeln, bevor die Fangquote erreicht ist. So wurden an einigen Tagen bis zu 75.000 Robben getötet. Unter solchen Bedingungen ist möglichst schmerzloses Töten keine Priorität.

  2. Bei der Robbenjagd werden unangemessen viele Tiere nur verletzt.

    Schießen die Jäger mit Gewehren aus schwankenden Booten auf flüchtende Robben oder verfolgen sie ihre Beute mit dem Hakapik in der Hand übers tückische Packeis, ist ein tödlicher Treffer mit einem einzigen Schuss oder Schlag äußerst unwahrscheinlich. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die Tiere nur angeschossen oder verwundet werden und starke Schmerzen erleiden. Einige Robben tauchen angeschossen ins eisige Wasser ab und nie wieder auf.

  3. Die aktuellen Schutzgesetze für Meeressäugetiere sehen keine Vorschriften für das möglichst schmerzlose Töten von Robben vor.

    Die Jagdvorschriften lassen auch ausgesprochen inhumane Vorgehensweisen zu: lebende Tiere werden bei vollem Bewusstsein auf Stahlhaken gespießt; Robben dürfen von schwankenden Booten aus und im offenen Wasser geschossen werden; die Jäger müssen nicht jedes einzelne Tier, das sie geschossen haben, auf Bewusstseinsverlust überprüfen, sondern können erst zu anderen Tieren übergehen und die Prüfung dann vornehmen; die Robben müssen nicht unmittelbar nach Überprüfung des Bewusstseinsverlusts ausgeblutet werden. Vorschriften für möglichst schmerzloses Töten sind nicht gesetzlich verankert und werden auch nicht angewendet.

  4. Eine effektive Überwachung und Durchsetzung der Jagdvorschriften ist unmöglich.

    Als Robbenjagdbeobachter mit 40-jähriger Erfahrung wissen wir, dass die Durchsetzung geltender Vorschriften unmöglich ist. Die Fangboote sind über eine Fläche von einigen hunderttausend Quadratkilometern verteilt und an der Jagd sind Hunderte, bisweilen sogar Tausende Boote beteiligt. Die auf wenige Schiffe verteilten und für die Überwachung der Jagd verantwortlichen Beamten sind mit ihrer Aufgabe hoffnungslos überfordert.

  5. Die offene Missachtung der Vorschriften zeigt die mangelnde Bereitschaft – und die Unfähigkeit – des Fischereiministeriums zur Durchsetzung geltenden Rechts.

    Das kanadische Fischereiministerium, das die Robbenjagd stets als „human” bezeichnet, darf nicht als Behörde für die Durchsetzung der geltenden Jagdvorschriften zuständig sein, da hier ganz offenbar ein Interessenskonflikt besteht.

Unser Dokumentationsmaterial zeigt klar, dass die kommerzielle Robbenjagd nicht human abläuft und dass eine Überwachung und Durchsetzung der Jagdvorschriften unmöglich ist. Jede kommerzielle Robbenjagd kann nur inhuman ablaufen, und Robben – wie auch andere Wildtiere – dürfen nicht aus wirtschaftlichem Interesse ausgebeutet werden.

Weitere Informationen:

  • Video-Dokumentation von der Beobachtung der Robbenjagd 2011
  • Wissenschaftliche Abhandlung über die Robbenjagd in Namibia