Die Robbenjagd indigener Völker

Die vor der Ostküste Kanadas betriebene, kommerzielle Robbenjagd hat nichts mit der von indigenen Gemeinschaften betriebenen Robbenjagd zur Selbstversorgung zu tun. Es beteiligen sich andere Menschen daran und es werden andere Arten in einem anderen Ausmaß aus ganz anderen Gründen gejagt.

Die Jagd indigener Gemeinschaften in der kanadischen Arktis erstreckt sich über das gesamte Jahr. Es werden dabei ausgewachsene Ringelrobben gejagt. Auf einem mehrtägigen Jagdausflug werden einige wenige Tiere erlegt, die in erster Linie der Nahrungsgewinnung dienen. Bei der kommerziellen Robbenjagd hingegen werden innerhalb weniger Wochen Zehn- oder Hunderttausende unter drei Monate alte, gerade erst entwöhnte Sattelrobbenbabys wegen ihrer Felle auf grausame Weise getötet.

Der IFAW lehnt es keineswegs ab, wenn indigene Völker zur Nahrungsbeschaffung, Herstellung von Kleidung und anderen Produkten für den eigenen Bedarf Subsistenzjagd betreiben. Wir lehnen auch nicht den Verkauf und den lokalen Vertrieb von Robbenprodukten aus der Subsistenzjagd innerhalb indigener Gemeinschaften ab.

Wir lehnen es jedoch eindeutig ab, dass die indigene Subsistenzjagd als Vorwand missbraucht wird, um die grausame, im großen Stil betriebene kommerzielle Robbenjagd zu rechtfertigen, indem man die beiden gleichsetzt. Für die Inuit ist Robbenfleisch eine wichtige Nahrungsquelle. Öffentliche Statistiken belegen jedoch, dass bei der kommerziellen Robbenjagd 90 Prozent des Fleischs weggeworfen wird. Entweder es wird ins Wasser geworfen oder verrottet auf dem Eis. Das EU-Importverbot für Robbenprodukte enthält eine Ausnahmeregelung für Produkte aus der indigenen Subsistenzjagd. Es verstrichen jedoch Jahre, bevor Kanadas Regierung überhaupt damit anfing, ein Zertifizierungsverfahren für Robbenprodukte aus der Subsistenzjagd zu schaffen.

Die IFAW Kampagne gegen die kommerzielle Robbenjagd hat sich nie gegen die Subsistenzjagd der Inuit oder anderer indigener Völker gerichtet. Wer das Gegenteil behauptet, ist falsch informiert oder hat vielleicht sogar die Absicht, den IFAW durch irreführende Informationen zu diskreditieren.