Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (Bonner Konvention)

Das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (CMS), das auch als Bonner Konvention bezeichnet wird, ist ein Naturschutzabkommen für die Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten und ihrer Lebensräume und Teil des UN-Umweltprogramms.

An der Bonner Konvention sind die Arealstaaten beteiligt, durch die die Wanderbewegungen der Tiere verlaufen. Das Übereinkommen schafft die rechtlichen Rahmenbedingungen, um gemeinsam auf internationaler Ebene  Schutzmaßnahmen für diese Tierarten durchzusetzen, einschließlich Handelsbeschränkungen und Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen.

Seit Inkrafttreten der Konvention im Jahr 1983 (vier Jahre nach Unterzeichnung des Originalabkommens in Bonn), sind immer mehr Staaten beigetreten. Inzwischen gehören  120 Vertragsstaaten aus Afrika, Asien, Europa, Mittel- und Südamerika und Ozeanien der Konvention an, die die alle drei Jahre zu einer Konferenz zusammenkommt.

Der IFAW engagiert sich seit vielen Jahren im Rahmen der Bonner Konvention und setzt sich zusammen mit dem Sekretariat der Konvention für den Schutz vieler wichtiger Arten ein –darunter Elefanten, Tiger, Wale, Haie und Robben.

Anhang 1 der Bonner Konvention führt die am stärksten gefährdeten Tierarten auf und soll sie schützen, ihren Lebensraum erhalten oder wiederherstellen, Hindernisse für Wanderbewegungen ausräumen und andere Faktoren kontrollieren, die sie gefährden könnten. In Anhang 2 werden Tierarten aufgeführt, die von internationalen Schutzmaßnahmen erheblich profitieren würden.
 

Hauptthemen der 11. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention in Quito, Ecuador, 4. bis 9. November 2014:

Haie:

Antrag: Aufnahme von 21 wandernden Hai- und Rochenarten in Anhang 1 und 2 der Bonner Konvention. Darunter sind der Sägefisch, der Riffmanta, mehrere Mobularochen, der Seidenhai, der Hammerhai und der Fuchshai

Antragsteller: Ecuador, Costa Rica, Fidschi, Paraguay, Kenia, EU

Hintergrund: Haie und Rochen sind zunehmend durch nicht-nachhaltigen Fischfang gefährdet. Zudem werden sie oft unbeabsichtigt als Beifang mitgefangen. Bei diesen Arten handelt es sich um sehr weit wandernde Arten. Aufgrund ihrer niedrigen Fortpflanzungsrate sind sie prädestinierte Opfer für Überfischung.

Position des IFAW: Wir fordern die Vertragsstaaten dringend auf, die Listung dieser Arten in Anhang 1 und/oder 2 der Bonner Konvention zu unterstützen. Nur dies ist vereinbar mit unserem Vorsorgeprinzip. Eine solche Listung würde regionale Kooperationen fördern, Populationen und Lebensräume schützen und ihre dringend benötigte Erholung ermöglichen.

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Weiterführende Informationen:

 

Eisbären:

Antrag: Aufnahme von Eisbären (Ursus maritimus) in Anhang 2 der Bonner Konvention

Antragsteller: Norwegen

Hintergrund: Eisbären, die zu den mächtigsten Raubtieren der Welt zählen, sind durch Klimawandel, Jagd und den kommerziellen Handel mit ihrem Fell vom Aussterben bedroht.

Der Klimawandel lässt das Eis in der Arktis schmelzen. Dies ist eine große Bedrohung für Arten, deren Überleben vom Meereis abhängt. Dazu gehören Eisbären, Walrosse, Robben und einige Walarten. Eisbären brauchen das Meereis im Sommer zum Jagen, zum Aufziehen der Jungen und zum Höhlenbau.

Während Umweltschützer dafür kämpfen, die langfristigen und komplexen schädlichen Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen, müssen wir alle unmittelbaren und unnötigen Bedrohungen für die Eisbären so schnell wie möglich beseitigen.

Position des IFAW: Der IFAW hält es für dringend notwendig, den Schutz von Eisbären zu verbessern. Doch auch wenn die Aufnahme von Eisbären in Anhang 2 der Bonner Konvention ein Schritt in die richtige Richtung wäre und die Gefährdung der Eisbären verdeutlichen würde, bietet sie allein noch keinen ausreichenden Schutz.

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Löwen:

Antrag: Aufnahme  des Afrikanischen Löwen (Panthera leo persica) in Anhang 1 der Bonner Konvention sowie Aufnahme aller Unterarten des Afrikanischen Löwen in Anhang 2 der Konvention

Antragsteller: Kenia

Hintergrund: Der Afrikanische Löwe kommt zurzeit in West-, Zentral-, Ost-, und Südafrika vor. Afrikanische Löwen sind zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Dazu gehören Trophäenjagd, Zerstörung und Zersiedelung ihres Lebensraumes, Verlust von Beutetieren, Krankheiten und Konflikte mit dem Menschen. Die Weltnaturschutzunion stuft ihn als "gefährdet" mit abnehmenden Population ein. Aktuellen Schätzungen zufolge ist seine Population bereits um 75 Prozent geschrumpft. Allein in den letzten 30 Jahren ist seine Verbreitung um 60 Prozent zurückgegangen.

Position des IFAW: Der IFAW sieht die dringende Notwendigkeit, die Löwen in Afrika besser zu schützen. Eine Aufnahme in Anhang 2 der Bonner Konvention wäre zwar ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Dennoch bietet dies allein noch keinen ausreichenden Schutz für die Afrikanischen Löwen.

 

Andere Tierarten:

Der IFAW wird sich auch für den Schutz von Wandervogelarten, Großsäugetieren in Zentralasien und Walen einsetzen und versuchen, die grundsätzliche strategische Ausrichtung der Bonner Konvention zu beeinflussen.

 

Updates von der 11. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention in Quito, Ecuador, 4. bis 9. November 2014: