Tierärztliche Versorgung für entlegene Siedlungen der Cree-Indianer im Norden Kanadas

Knapp 1.200 Kilometer nördlich von Toronto, in den entlegenen Waldgebieten Quebecs, stellt der IFAW tiermedizinische Versorgung für die Hunde in den neun Siedlungen zur Verfügung, in denen das Volk der James Bay Cree heute lebt.

In diesen Siedlungen gibt es weder Tierärzte, noch anderweitige Hilfe bei Gesundheits- oder Sicherheitsproblemen mit Hunden. Folglich leiden viele der Tiere an Mangelerscheinungen, Grausamkeit und unbehandelten Erkrankungen und Verletzungen. 

Seit 2002 arbeitet der IFAW im Rahmen seines Northern-Dogs-Projekts mit Informationsangeboten, Tierarztservice, rechtlicher Beratung zu Vorschriften über die Hundehaltung und der Umsiedelung unerwünschter Tiere daran, den Menschen zu zeigen, dass die bestehenden Probleme dauerhaft nur durch eine verantwortungsbewusste und fürsorgliche Tierhaltung zu lösen sind.

Inhumane Tierbestandskontrolle

Die Cree nutzten Hunde seit jeher für die Jagd, als Zugtiere für Schlitten und als Wachen an den Rändern ihrer Zeltlager. Hunde galten als wichtige Mitglieder der Familie. Mit der fortschreitenden Erschließung der Cree-Gebiete hat sich auch die Rolle der Hunde geändert. Sie sind kein Partner bei der täglichen Arbeit mehr, aber auch noch keine geschätzten Begleiter, um die man sich aufmerksam kümmert.

Heute gelten alle Streuner – ganz gleich, ob sie einen Besitzer haben oder nicht – als Gesundheitsrisiko und Belästigung, und ihre unkontrollierte Vermehrung wird als Problem empfunden. Die Siedlungen sind voller misshandelter und vernachlässigter Hunde.

• Viele der ohne Futter, Wasser oder medizinische Versorgung auf sich selbst gestellten Hunde sterben durch Verhungern oder Erfrieren.
• Kranke, verletzte und überzählige Hunde und Welpen werden zusammengetrieben und getötet. An so genannten „Hundeabschusstagen” wird jeder nicht angeleinte Hund erschossen.
• Solche Tötungsaktionen bringen nicht nur großes Leid über die Tiere, sie sind auch eine außerordentlich starke psychische Belastung für die mit der Erschießung beauftragten Menschen.

Die Siedlungen im Norden Kanadas suchen nach effektiven und humanen Lösungen, die ein angenehmes und friedliches Zusammenleben von Menschen und Hunden ermöglichen.

Das Northern-Dogs-Projekt des IFAW
Jedes Jahr bringen wir im Rahmen unseres Haustierprogramms engagierte Tierärzte und Ausbilder in diese entlegenen und unterversorgten Gemeinden. Das Team stellt einen veterinärmedizinischen Ambulanzdienst zur Verfügung und informiert die Menschen vor Ort über effektive Maßnahmen zur Schaffung stabiler und gesunder Hundepopulationen.

Während dieser Ambulanzdienste nehmen die Tierärzte Kastrationen, Impfungen und Wurmbehandlungen vor. Jährlich versorgt der mobile Service etwa 500 Hunde, wobei an einem einzigen Tag 50 bis 200 Tiere geimpft und 60 kastriert werden können.

Fundierte Kenntnisse über Hunde und ihre Versorgung sind unerlässlich, um Einstellungen gegenüber Tieren zu ändern und Menschen vom großen Wert einer verantwortungsbewussten und fürsorglichen Tierhaltung zu überzeugen. Unsere Anleiter erreichen während eines Aufenthalts über 500 Menschen. Flankiert werden diese Schulungen durch Öffentlichkeitsarbeit mit Hilfe von Anzeigen, Plakaten und Radiointerviews.

Gemeinsam mit den James Bay Cree schaffen wir mit diesem Projekt bessere Lebensbedingungen für Hunde und Menschen in den Siedlungen.