Das Internet ist der größte Marktplatz der Welt. Kaum reguliert, weitgehend anonym und mit unbegrenzter Reichweite, bietet es sich für zahllose kriminelle Aktivitäten an. Hierzu gehört auch ein florierender Handel mit geschützten Wildtieren.

Der IFAW hat diesen Markt untersucht und dabei herausgefunden, dass dort eine schockierende Vielzahl an Wildtieren und Wildtierprodukten online angeboten wird.

Im Jahr 2014 hat der IFAW vier Untersuchungen zum Online-Wildtierhandel durchgeführt. Bei diesen Untersuchungen sind wir auf einen boomenden Online-Handel mit Wildtieren und ihren Produkten gestoßen, bei dem Umsätze in Millionenhöhe erzielt werden. Bei sehr vielen Online-Anzeigen war nicht eindeutig ersichtlich, ob das Angebot legal war.

Wanted: Dead or Alive – Der Online-Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten

Sechs Wochen lang haben wir 280 Online-Marktplätze in 16 Ländern intensiv untersucht. Wir fanden dabei insgesamt 33.006 zum Kauf angebotene Wildtiere, Wildtierteile sowie Produkte von gefährdeten Arten. 32 Prozent aller Anzeigen boten Elfenbein oder mutmaßlich Elfenbein an. Anzeigen für Reptilien lagen mit 26 Prozent knapp dahinter auf Platz zwei. In 54 Prozent aller Anzeigen wurden lebende Tiere angeboten.

Der Gesamtwert aller gefundenen Angebote beläuft sich auf etwa 11 Millionen US-Dollar. Zwar ist ein Großteil des sowohl online also auch offline gehandelten Wildtiere und Wildtierprodukte legal, dennoch hatten unsere Rechercheure bei einer erheblichen Anzahl der untersuchten Online-Anzeigen die starke Vermutung, dass sie von kriminellen Händlern stammen. Deshalb leiteten sie 13 Prozent der Anzeigen zur weiteren Untersuchung an die Vollzugsbehörden weiter.

Während einer Untersuchung zum Angebot von Elfenbein im Rahmen von US-Auktionen (darunter 340 Online-Auktionen) fanden wir heraus, dass nur bei einer einzigender 351 untersuchten Auktionen Nachweise über die Herkunft, das Alter und die Legalität des zum Verkauf angebotenen Elfenbeins erbracht wurden.

Im Jahr 2014 untersuchte der IFAW Ozeanien den Handel mit gefährdeten Wildtierarten auf Online-Plattformen in Australien und Neuseeland und fand dabei zahlreiche Angebot für gefährdete Arten. Die meisten davon auf den beiden populärsten australischen Online-Marktplätzen. Und dies obwohl diese Seiten in ihren Nutzungsbestimmungen den Handel mit gefährdeten und geschützten Arten verbieten. Die Studie ergab auch, dass die Anzahl der Anzeigen für gefährdete Arten seit der letzten vergleichbaren Untersuchung im Jahr 2008 um 266 Prozent gestiegen ist.

Der IFAW hat mit mehreren führenden Online-Marktplätzen zusammengearbeitet, um den Verkauf von Elfenbein zu unterbinden.

2009 verbot eBay nach Gesprächen mit dem IFAW weltweit auf seinen Seiten den Verkauf jeglicher Elfenbeingegenstände. Seither sind andere Webseiten diesem Beispiel gefolgt. So haben auch Alibaba und Taobao in China viele Wildtierprodukte auf ihren Seiten verboten. Im Juli 2014 erließ Etsy ein Verbot für alle Wildtierprodukte.

Über das Internet lassen sich Wildtierprodukte an einen wesentlich größeren Käuferkreis vertreiben als über traditionelle Vertriebswege. Angesichts der beispiellosen Wildereikrise, die zurzeit herrscht, stellt der Online-Handel eine zunehmende Bedrohung für gefährdete Arten dar. Schätzungen zufolge wurden innerhalb von drei Jahren 100.000 Elefanten wegen ihres Elfenbeins getötet. 2013 wurden allein in Südafrika über 1.000 Nashörner gewildert. Und ein Fünftel aller Echsen-, Schlangen-, Schildkröten- und Reptilienarten sind inzwischen weltweit vom Aussterben bedroht.

Online-Marktplätze müssen gefährdete Wildtierarten vor kriminellen Händlern schützen, indem sie mit Vollzugsbehörden zusammenarbeiten. Sie müssen den Verkauf von Produkten aus gefährdeten Arten konsequent verbieten und ihre Kunden über die Wildereikrise und vorhandene gesetzliche Bestimmungen gegen den Wildtierhandel informieren.

Darüber hinaus müssen auch Regierungen strengere Gesetze gegen den illegalen Online-Handel verabschieden und die Vollzugsbehörden dabei unterstützen, dass Straftäter festgenommen und bestraft werden.

Weiterführende Untersuchungen (englischsprachig):

Der IFAW stellt in einigen Ländern Recherchen zum Online-Handel mit geschützten und vom Aussterben bedrohten Tierarten an. Wir informieren die Behörden über jegliche Funde, damit diese eingreifen und die Täter fassen können. Außerdem geben wir unsere Erkenntnisse an Online-Marktplätze weiter, um Ihnen zu helfen, ihre Vorkehrungen gegen den Handel mit gefährdeten und geschützten Arten zu verbessern. Unsere Untersuchungsmethoden basieren auf der Expertise, die wir durch die Zusammenarbeit mit zahlreichen Zoll- und Vollzugsbeamten gewonnen haben. Unser Rechercheergebnis bezieht deshalb alle von uns als fragwürdig eingestuften Verkaufsangebote ein und nicht nur nachweisbar kriminelle Angebote.

 

Kein Elfenbeinhandel in der EU

Der Elfenbeinhandel bedroht Elefanten.

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