Das Internet ist der größte Marktplatz der Welt. Kaum reguliert, weitgehend anonym und mit buchstäblich unbegrenzter Reichweite, bietet es sich für zahllose kriminelle Aktivitäten geradezu an. Dazu gehört auch ein blühender Handel mit geschützten Wildtieren. Der IFAW hat diesen Markt untersucht und entdeckt, dass eine erschreckende Vielfalt an Wildtieren und Wildtierprodukten online verkauft wird.

Darunter:

  • Elfenbein
  • Taschen aus Tigerfell, Medizin aus Tigerknochen und selbst ein lebendiges Tigerjunges, ebenso wie Mäntel aus Gepardenfell und Leopardenfelle
  • Produkte aus den Hörnern von Rhinozerossen und aus Elefantenteilen
  • vollständige Panzer von Meeresschildkröten und daraus gefertigte Schmuckgegenstände
  • gefährdete Vögel und deren Eier
  • Lebende Menschenaffen, darunter ein Gorilla (von einem sich angeblich in London aufhaltenden Verkäufer) und vier Schimpansenbabys
  • traditionelle Heilmittel aus Bärengalle, die auf äußerst grausame Art auf Kragenbärenfarmen "gewonnen" werden
  • Schals aus der Wolle der Tibetantilope, deren Verkauf oder Erwerb verboten ist
  • lebende Reptilien, die häufig gefährdeten oder geschützten Arten angehören, und deren Häute

IFAW-Untersuchungen des Online-Wildtierhandels

Bei seiner ersten Untersuchung des Online-Wildtierhandels im Jahr 2004 deckte der IFAW in Großbritannien einen blühenden Elfenbeinhandel auf. Im Rahmen einer weiteren Untersuchung, bei der in acht verschiedenen Ländern speziell der Elfenbeinhandel auf eBay in Augenschein genommen wurde, fand man innerhalb von nur einer Woche 2.275 zum Verkauf angebotene Elfenbeingegenstände.

Im Jahr 2008 führte der IFAW in 11 Ländern auf 183 Webseiten eine weitere Untersuchung des Online-Wildtierhandels durch. Im Fokus der Studie standen Arten, die auf Anhang I des Abkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten (CITES) gelistet sind. Diese Arten sind unmittelbar vom Aussterben bedroht und der Handel mit ihnen ist verboten.

Die Untersuchungsergebnisse wurden in dem Bericht "Tod per Mausklick: Eine Untersuchung des illegalen Wildtierhandels im Internet (2008)" veröffentlicht und brachten eine schockierende Anzahl von 7.122 Online-Auktionen, Annoncen und Kleinanzeigen für Produkte im Gesamtwert von 3.870.000 US-Dollar zutage. Bei über 73% aller in Augenschein genommenen Angebote handelte es sich um Angebote für Elfenbein.

Die Tatsache, dass 83% der Elfenbeinangebote beim Online-Auktionsportal eBay entdeckt worden waren, veranlasste eBay Inc. schließlich dazu, ein weltweites Verbot für den Verkauf von Elfenbein auf seinen Seiten zu erlassen.

Die Aufklärungsarbeit des IFAW bei anderen großen Webseiten-Betreibern führte auch zu einem Verkaufsverbot für Elfenbein bei Alibaba (www.taobao.com), der weltweit größten Business-to-business- und Outsourcing-Plattform für Online-Händler, sowie bei den deutschen Seiten kleinanzeigen.ebay.de (eine Tochtergesellschaft von eBay), markt.de und hood.de. Kleinanzeigen.ebay.de erklärte sich außerdem bereit, ein Verbot für den Verkauf von lebenden Tieren aus dem CITES-Anhang I zu erlassen.

Online-Wildtierhandel in Europa

Basierend auf den zuvor gewonnenen Erkenntnissen des IFAW über den Online-Elfenbeinhandel in Europa veröffentlichte INTERPOL 2013 unter dem Titel "Project Web" einen Bericht über eine INTERPOL-Untersuchung des Online-Elfenbeinhandels in neun europäischen Ländern.

Im Rahmen der Operation prüften Ermittler öffentlich einsehbare Online-Angebote und fanden über einen Zeitraum von zwei Wochen Hunderte von Elfenbeingegenständen, die zu einem Gesamtwert von etwa 1.450.000 Euro zum Verkauf angeboten wurden. Infolge der Überwachung wurden sechs nationale und drei internationale Untersuchungen mit Fokus auf jenen Angeboten eingeleitet, die Elfenbein entweder als neu ausschrieben oder die eine ausländische Herkunft angaben.

Der "Project Web"-Bericht fordert neue gesetzliche Regelungen und finanzielle Ressourcen für die effektive Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels.

Obwohl unsere Untersuchung "Tod per Mausklick" im Jahr 2008 ergeben hatte, dass über zwei Drittel aller Online-Geschäfte mit Wildtierprodukten in den USA abgewickelt werden, waren immerhin 15,2% der Produkte von Arten aus CITES-Anhang I in Großbritannien, Frankreich und Deutschland entdeckt worden. Davon waren wiederum 65% Elefantenprodukte.

Tod per Mausklick, 2.0: Im Rahmen der IFAW-Untersuchung des Online-Elfenbeinhandels in Europa wurden im Jahr 2011 drei Länder überprüft, in denen unserer Studie aus dem Jahr 2008 zufolge der meiste Online-Handel mit Arten aus CITES-Anhang I betrieben wurde – Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Zusätzlich wurden Portugal und Spanien untersucht. Im Fokus der Untersuchung stand das Ausmaß des Online-Elfenbeinhandels in diesen Ländern sowie die Wirksamkeit und Durchsetzung der bei den Online-Marktplätzen geltenden Nutzungsbestimmungen für den Verkauf von Elfenbein.

Die Untersuchung brachte einen florierenden Elfenbeinhandel im Internet zutage und es wurden zahlreiche Angebote für potentiell illegale Gegenstände auf Webseiten gefunden – insbesondere in Frankreich, Portugal und Spanien.

Der Gesamtwert aller Angebote beläuft sich auf 649.689 Euro, wobei auch einige Anzeigen verzeichnet wurden, die keinerlei Angaben zum Verkaufspreis machten.

Die Arbeit geht weiter

Der IFAW leistet weiterhin Aufklärungsarbeit bei Webseiten-Betreibern und weist sie auf die Gefahren des Online-Handels mit gefährdeten Arten hin. Wir bitten Webseiten-Betreiber darum, ihren Nutzern mehr Informationen über Wildtiere und gesetzliche Bestimmungen bereitzustellen, Filter und Überwachung für ihre Seiten zu verbessern und Verbote für den Verkauf von Wildtierprodukten zu erlassen. Bei einigen Webseiten-Betreibern, die bereits über strenge Nutzungsbestimmungen verfügen, kontrollieren wir, dass diese auch konsequent durchgesetzt werden. Für die effektive Abschreckung der skrupellosen Händler ist dies eine unverzichtbare Voraussetzung.

Untersuchungen:

Der IFAW stellt in einigen Ländern Recherchen zum Online-Handel mit geschützten und vom Aussterben bedrohten Tierarten an. Wir informieren die Behörden über jegliche Funde, damit diese eingreifen und die Täter fassen können. Außerdem geben wir unsere Erkenntnisse an Online-Marktplätze weiter, um Ihnen zu helfen, ihre Vorkehrungen gegen den Handel mit gefährdeten und geschützten Arten zu verbessern. Unsere Recherchemethoden basieren auf den Erfahrungen vieler Zoll- und Vollzugsbeamten und unsere Einschätzungen orientieren sich an den tatsächlich ermittelten Verkaufsangeboten und nicht an den aufgedeckten kriminellen Aktivitäten.

 

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