Das Internet ist der größte Marktplatz der Welt. Kaum reguliert, weitgehend anonym und mit buchstäblich unbegrenzter Reichweite, bietet es sich für zahllose kriminelle Aktivitäten geradezu an. Dazu gehört auch ein blühender Handel mit geschützten Wildtieren.
Der IFAW hat diesen Markt untersucht und entdeckt, dass eine erschreckende Vielfalt an Wildtieren und Wildtierprodukten online verkauft wird. Darunter:
- Elfenbein
- Taschen aus Tigerfell, Medizin aus Tigerknochen und selbst ein lebendiges Tigerjunges, ebenso wie Mäntel aus Gepardenfell und Leopardenfelle,
- Produkte aus den Hörnern von Rhinozerossen und aus Elefantenteilen,
- vollständige Panzer von Meeresschildkröten und aus solchen Panzern gefertigte Schmuckgegenstände,
- gefährdete Vögel und deren Eier,
- lebende Menschenaffen, darunter ein Gorilla (von einem sich angeblich in London aufhaltenden Verkäufer) und vier Schimpansenbabys,
- traditionelle Heilmittel aus Bärengalle, die auf äußerst grausame Art auf Kragenbärenfarmen „gewonnen“ werden,
- Schals aus der Wolle der Tibetantilope, deren Verkauf oder Erwerb verboten ist,
- lebende Reptilien, die häufig gefährdeten oder geschützten Arten angehören, und deren Häute.
Dem Internethandel auf der Spur
2008 nahm der IFAW die umfassendsten Nachforschungen in Angriff, die die Organisation jemals durchgeführt hat, um ein Bild vom Umfang des internetbasierten Wildtierhandels zu gewinnen. Unser Bericht „Tod per Mausklick“ förderte bei Untersuchungen von Internetseiten in acht Ländern wie den USA, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland einige erstaunliche Ergebnisse zutage.
Im Lauf von sechs Wochen entdeckten wir mehr als 7.000 Wildtiere und aus ihnen gewonnene Produkte, die online zum Verkauf angeboten wurden und deren Wert sich auf 21 Millionen Euro beläuft.
Zwar hatte die Untersuchung ergeben, dass über zwei Drittel aller Online-Geschäfte mit Wildtierprodukten in den USA abgewickelt werden, allerdings waren immerhin 15,2% der Produkte von Arten aus CITES-Anhang I in Großbritannien, Frankreich und Deutschland entdeckt worden. Davon waren wiederum 65% Elefantenprodukte.
Erschreckenderweise erfassen diese Zahlen das Problem noch nicht in seinem gesamten Ausmaß, da die Untersuchung sich auf einige wenige der weltweit bedrohtesten Arten beschränkte.
Mit Hilfe unserer Untersuchungsergebnisse konnte der IFAW im Oktober 2008 in intensiven Gesprächen mit eBay™, Inc. erreichen, dass eBay weltweit den Verkauf jeglicher Elfenbeinprodukte auf seinen Internetseiten verbietet. Das Verbot ist seit Januar 2009 in Kraft. Wir müssen weiterhin wachsam sein, damit Produkte aus Elfenbein nicht wieder auf diesem oder anderen Internet-Marktplätzen erscheinen.
Aufspüren von Grausamkeiten
Ein Grund dafür, warum der Online-Handel mit geschützten und gefährdeten Wildtieren und aus ihnen gewonnenen Produkten derart floriert, ist, dass er großenteils im Verborgenen stattfindet. Deswegen sind unsere Untersuchungen so wichtig.
Neben „Tod per Mausklick“ hat der IFAW eine Reihe anderer Ermittlungen angestellt. Sie haben dazu beigetragen, Entscheidungsträger und Gesetzgeber über das Ausmaß und den Charakter dieses grausamen Geschäfts zu informieren.
Lesen Sie hier die Zusammenfassungen früherer Untersuchungen zum internetbasierten Wildtierhandel in verschiedenen Ländern:
- In unserem Bericht zum Wildtierhandel in Großbritannien von 2004, Elephants on the High Street: an investigation into ivory trade in the UK, zeigen wir, dass der Elfenbeinhandel im Internet kaum überwacht oder strafrechtlich verfolgt wird.
- Für den IFAW-Bericht von 2005, Caught in the Web: Wildlife Trade on the Internet, spürten wir mehr als 9.000 online zum Verkauf angebotene Wildtiere und aus ihnen hergestellte Produkte auf. Übrigens beschränkten wir uns bei dieser Recherche auf englischsprachige Internetseiten und lediglich fünf Kategorien geschützter Arten.
- Unser Bericht Dutch Animal Trade Survey 2006: Caught in the Web dokumentiert den legalen und illegalen Handel mit Wildtieren auf privaten und kommerziellen niederländischen Internetseiten. In nur einem Monat fanden sich im Internet mehr als 150 Seiten auf Niederländisch, die Produkte gefährdeter Tierarten verkauften.
- Im globalen Folgebericht 2007, Bidding for Extinction, dokumentierten wir einen regen Handel mit Elfenbein auf den Seiten des weltgrößten Internetauktionshauses eBay. In der einwöchigen Kurzstudie zählten wir auf acht nationalen eBay™-Seiten (in Großbritannien, Australien, China, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Kanada und den USA) über 2.200 zum Verkauf angebotene Elfenbeinprodukte.
Im Jahr 2011 wurde im Rahmen einer Überprüfung von ausgewählten Internetseiten in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Portugal und Spanien ein blühender Handel mit Elfenbeinprodukten gefunden. Die Legalität der meisten Angebote ist höchst zweifelhaft. Die bereits für „Tod per Mausklick“ untersuchten, immer noch aktiven Seiten sowie neue Handelsplattformen wurden nach Elfenbeinprodukten durchforstet. Die so erhobenen Daten sollen Regierungen, Strafverfolgungsbehörden und Internetplattformen im jeweiligen Land dabei unterstützen, den Online-Elfenbeinhandel besser zu überblicken und zu bekämpfen.
Für eine Zukunft ohne Online-Wildtierhandel
In internationalen Verträgen und Abkommen wurde der tödliche Internethandel bislang nicht gebührend berücksichtigt. Der IFAW unternimmt Kampagnen zum Schutz der Tiere vor jeglicher Form von illegalem Handel. Wir drängen Regierungen und Anbieter kommerzieller Internetseiten, gegen den Schwarzhandel mit Wildtieren vorzugehen.
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