Sachalin: Bau der Ölplattform muss gestoppt werden

Freitag, April 1, 2011
Hamburg
Heute trifft sich die russische Arbeitsgruppe zum Schutz der Westpazifischen Grauwale, um die Off-shore Ölexploration in der Nähe der Nahrungsgründe der extrem gefährdeten Westpazifischen Grauwale zu erörtern. In der Arbeitsgruppe sind die relevanten Regierungsabteilungen aber auch Vertreter der Ölindustrie repräsentiert.

Eine Koalition aus Umwelt- und Tierschutzgruppen, bestehend aus dem IFAW (Internationale Tierschutz-Fonds), WWF, Pacific Environment und Sakhalin Environment Watch fordert in einem Statement die russische Regierung dazu auf, den Bau einer dritten Öl- und Gasplattform vor der Insel Sachalin zu stoppen.

Der Bau einer dritten Plattform in dieser sensiblen Umgebung hat potentielle verheerende Auswirkungen auf die extrem gefährdeten Westpazifischen Grauwale,“ so das Statement. „Die Betreiberfirma Sakhalin Energy hat die rechtliche, soziale und ethische Verantwortung dafür, sicherzustellen, dass das Projekt keine inakzeptablen Schäden auf die Meeresumwelt und die darin lebenden Arten hat.“

Die zusätzliche dritte Plattform stellt eine dramatische Expansion des Projektes Sachalin II dar. Betrieben wird es von einem Konsortium bestehend aus Shell, Gazprom, Mitsui und Mitsubishi in der Nähe der Piltunbucht. Diese Bucht ist der Hauptnahrungsgrund für die Westpazifischen Grauwalmütter und ihre Kälber. Neueste Schätzungen gehen von einem Bestand von nur noch 130 Tieren aus. Wissenschaftler sagen voraus, dass schon der Tod von nur ein bis zwei Tieren jährlich das Ende der Art bedeuten kann.

„Die Arbeitsgruppe zum Schutz der Westpazifischen Grauwale ist verantwortlich für die Zukunft der Grauwale und muss in deren Interesse handeln, nicht im Interesse von Ölplattformen. Dieses Gremium muss den Bau der dritten Ölplattform ablehnen,“ sagt Aleksey Knizhnikov vom WWF Russland.

Sakhalin Energy will diesen Sommer weitere seismische Untersuchungen durchführen, um den besten Standort für die dritte Plattform zu finden. Der IFAW und die anderen Umweltschutzgruppen kritisieren, dass solche Untersuchungen, bei denen sehr laute Schallpulse abgeschossen werden, eine inakzeptable Gefahr für die Wale darstellen. Die Wale sind für die Nahrungssuche, Orientierung und Kommunikation auf ihr Sonarsystem angewiesen, dieses kann durch solche Schallpulse empfindlich gestört werden. Erst letzten Sommer wurden drei seismische Tests in oder nahe den Nahrungsgründen durchgeführt. Wissenschaftler nehmen an, dass diese schon die Wale empfindlich gestört haben. Die neuen seismischen Tests sollen nun durchgeführt werden, bevor die Auswirkungen der letztjährigen Tests auf die Wale vollständig untersucht wurden.

„Warum diese Eile?,“ fragt Patrick Ramage, Leiter der Walkampagne des IFAW. „Die führenden Experten raten eindringlich, dass dieses sensible Gebiet nicht weiter industriell erschlossen werden sollte, bevor nicht die bisherigen Auswirkungen auf die Umwelt eingehend untersucht worden sind. Im Licht weltweiter Umwelt-Katastrophen, wie auch der von BP im Golf von Mexiko, hoffen und glauben wir, dass die beteiligten Firmen und Institutionen diesen Schnellschuss für die dritte Plattform ablehnen werden.“

Ursprünglich hatte Sakhalin Energy die Betriebserlaubnis für zwei Plattformen im Projekt Sachalin II. Eigene Untersuchungen hatten ergeben, dass eine dritte Plattform aufgrund moderner Bohrtechniken überflüssig sei. Die Firma hatte sich auch für nur zwei Plattformen ausgesprochen, da sie einen geringeren Einfluss auf die Umwelt haben. Zudem zeigt eine weitere Untersuchung von Sakhalin Energy, dass der vorgeschlagene Standort der dritten Plattform aufgrund eines instabilen Tonbodens in diesem erdbebengefährdeten Gebiet ungeeignet ist. Dennoch will sie entgegen vorheriger Empfehlungen nun eine dritte Plattform bauen.

Die Umweltgruppen fordern, dass die Pläne für eine dritte Plattform fallen gelassen werden, da die Entwicklungsfirma schon grundlegende Betriebsstandards verletzt hat. Sie heben hervor, dass es keine umfassende Umweltverträglichkeitsstudie für die dritte Plattform sowie keine Evaluierung der bisherigen Aktivitäten und ihre Auswirkungen auf die Umwelt gibt.

Der wissenschaftliche Beirat für Westpazifische Grauwale, eine Gruppe weltweit anerkannter Experten, betonte vor kurzem, dass „eine stückweise Beurteilung der Auswirkungen der Öl- und Gasförderung in Sachalin, bei der jede Aktivität isoliert betrachtet wird, nicht dem Standard entspricht. Sie lässt kumulative oder synergetische Effekte völlig außer acht.“

Hinweise:
• Der kritische Text der Umweltverbände ist auf www.panda.org
• Das Sakhalin Energy Dokument mit der Aussage, dass zwei statt drei Plattformen “die Auswirkungen auf die Umwelt signifikant reduzieren“ finden sie hier: www.sakhalinenergy.ru/en/documents/doc_32_pab.pdf
• Der neueste Bericht des Westpazifische Grauwal-Beirat (Western Gray Whale Advisory Panel - WGWAP) finden sie hier: www.iucn.org/wgwap/wgwap/meetings/wgwap_9/

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