Schweden schießt erneut Wölfe

Freitag, Januar 14, 2011
Hamburg
Die schwedische Regierung hat erneut Wölfe zum Abschuss freigegeben. Jäger dürfen vom 15. Januar bis 15. Februar 20 Tiere schießen.

„Wie schon 2010 verstößt Schweden mit dieser unsinnigen Jagd gegen EU-Naturschutzrecht,“ erklärt Robert Kless, Wolfsexperte des IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds). „Danach ist der Wolf streng geschützt. Der Wolf oder sein Lebensraum dürfen nicht beeinträchtigt werden. Ein Abschuss wäre solch eine Beeinträchtigung. Ausnahmen kann es nur in gut begründeten Einzelfällen geben.“


In Schweden leben gut 220 Wölfe. Darunter sind höchstens 20 sich fortpflanzende Paare. Damit hat die Population bei weitem noch nicht die Größe erreicht, in der sie als stabil und gesichert angesehen werden kann. Die schwedischen Wölfe sind stark isoliert. Der mangelnde genetische Austausch mit nicht verwandten Tieren und die daraus folgende hohe Inzucht schwächt die Widerstandsfähigkeit des Bestandes und macht diesen zusätzlich sehr verwundbar.


Ziel des derzeitigen schwedischen Wolfmanagements ist die Begrenzung der Zahl der Wölfe auf 210 Tiere. Aufgrund dessen erschossen im Januar 2010 4.500 Jäger binnen weniger Tage 28 Wölfe. Zur Verringerung der Inzucht sollen 20 Tiere aus anderen Ländern ausgewildert werden, was bisher noch nicht geschehen ist. Experten bezweifeln, ob diese Maßnahme überhaupt dieses Problem löst.


Der zuständigen EU-Umweltkommissar Janez Potočnik kritisiert die schwedische Regierung für ihr Vorgehen. Er sieht darin potentiell einen Verstoß gegen geltendes EU-Naturschutzrecht und hat sich deshalb bereits Ende vergangenen Jahres mit einem Schreiben an den zuständigen Umweltminister Schwedens gewandt.


„Von Schweden hätten wir einen intelligenteren Umgang mit Wölfen erwartet,“ so Kless weiter. „Mit dem jetzigen Managementplan ist zu befürchten, dass nahezu jährlich Wölfe geschossen werden. Das kann keine Lösung sein. Wölfe sind ein integraler Bestandteil unserer Natur. Es gibt viele gute Lösungen, Konflikte zwischen Menschen und Wölfen zu lösen, ohne dass man die Tiere gleich abschießen muss.“

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