Nur ein einziges Schiff fährt raus zur Robbenjagd

Montag, März 29, 2010
Charlottetown
Zum offiziellen Start der diesjährigen kommerziellen Robbenjagd an Kanadas Ostküste verließ nur ein einziges Boot den Hafen im Golf von St. Lorenz. Das bestätigte das Fischereiministerium DFO gegenüber dem IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds).

Das Schiff fährt in Richtung nördlicher Golf – die einzige Region, in der Robben gesichtet wurden – um die wenigen Tiere zu töten, die die katastrophale Eissituation in diesem Jahr überlebt haben.
„Die letzte Woche über haben wir die wenigen Jungtiere beobachtet, die sich verzweifelt ans Leben klammerten,“ so Sheryl Fink, Robben-Expertin des IFAW. „Es bricht einem das Herz, sich vorzustellen, dass sie jetzt getötet werden. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass nur ein einziges Boot bisher zum Robbenschlachten rausgefahren ist.“
Dieses Jahr gab es im Golf weniger Eis als jemals zuvor. Das IFAW-Team verbrachte die letzten Tage auf Prince-Edward-Island und in Neufundland, um die Eisbedingungen und die wenigen überlebenden Jungtiere zu dokumentieren. Sattelrobben benötigen Eis für die Geburt und Aufzucht ihrer Jungtiere. Die Sterblichkeitsrate wird dementsprechend sehr hoch sein.
„Die Situation dieses Jahr ist schrecklich,“ so Fink. „Die Auswirkungen der Klimaveränderung sind verheerend für die Robben. Wir haben tote und verlassene Robbenjunge an den Stränden gesehen, verhungernde Tiere, die nach Nahrung schrien und versuchten, aneinander zu säugen sowie kleine Robben, die um ihr Leben schwammen auf der Suche nach Eis, auf dem sie sich ausruhen können.“
Die Rote Liste gefährdeter Arten führt an, dass Sattelrobben durch den Klimawandel bedroht sind. „Bei einem vorbeugenden Ansatz müssten diese Jungtiere vor der kommerziellen Jagd geschützt und ihnen eine Überlebenschance gegeben werden,“ so Dr. Ralf Sonntag, Meeresbiologe des IFAW. „Stattdessen fährt Kanada fort, diese Tiere zu töten, die andernfalls vielleicht sogar Eigenschaften entwickeln könnten, die ihnen ermöglichen würden, mit dem Klimawandel klarzukommen.“
Das mangelnde Interesse an der diesjährigen Robbenjagd liegt nicht nur an der geringen Zahl von Jungtieren, sondern auch an der mangelnden Nachfrage nach Robbenprodukten. Die Märkte für Robbenfelle scheinen gesättigt. Der Preis wird vermutlich bei ca. 11 Euro pro Stück liegen, im Vergleich zu noch 77 Euro im Jahr 2006.

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