IFAW untersucht Bestände in Westpolen

Freitag, Oktober 7, 2005
Berlin/Warschau
Die Wölfe wissen nichts davon. Sie wissen nicht, dass es in Deutschland eine ganze Reihe Menschen gibt, die sich über den Schutz und Erhalt der aus Polen eingewanderten Neubürger Gedanken machen: Forscher, Naturfreunde, Behörden-Mitarbeiter.
Auch das deutsche Büro des IFAW (Internationale Tierschutz-Fonds) engagiert sich. Und zwar auf dem Umweg über Polen. Dort unterstützt es seit dem Jahr 2001 die Erforschung der Wolfsvorkommen in Westpolen, nahe der deutsch-polnischen Grenze. Aus gutem Grund: „Dies ist unmittelbar für den Fortbestand der beiden in der sächsischen Lausitz lebenden Rudel wichtig, denn die deutschen Wölfe stammen aus Westpolen,“ erläutert Dr. Ralf Sonntag, Leiter von IFAW Deutschland.
 
„Die Zukunft der deutschen Wölfe hängt von der Situation in Westpolen ab. Auch wenn sich die beiden im Osten Deutschlands lebenden Rudel in diesem Jahr erfreulicherweise um zusammen zehn Welpen vergrößert haben, ist die Gesamtzahl der deutschen Wölfe noch zu gering, um von einem stabilen Bestand sprechen zu können. Aus Westpolen müssen neue Wölfe nachwandern und den Bestand aufstocken, Verluste ausgleichen, für genetische Vielfalt sorgen. Dies würde die Entwicklung  eines stabilen Bestands ermöglichen,“ so Sonntag.
 
Die IFAW-Mittel für die Untersuchung der Wolfsvorkommen östlich von Oder und Neiße fließen seit dem Jahr 2001 an den polnischen Naturschutzverband „Wilk“ („Wolf“) um die Biologin Sabina Nowak. Sie konnte vor kurzem ein Rudel nahe der deutsch-polnischen Grenze und mehrere Einzeltiere sicher nachweisen.
 
Obwohl der Bestand in Westpolen letztes Jahr leicht anwuchs, ist er  immer noch relativ dünn: Er dürfte bei etwa 10 Tieren liegen. Er speist sich aus den vergleichsweise großen Vorkommen in Ostpolen (ca. 500 Wölfe) – aber nicht in dem Maße, wie dies die natürlichen Gegebenheiten eigentlich zuließen. 
 
Die Experten von „Wilk“ vermuten, dass der rapide Anstieg der Wirtschaftskonjunktur in ihrem Land die Zuwanderung aus Ostpolen beeinträchtigt, dass neue Straßenbau- und Industrieprojekte immer wieder die Wanderkorridore der Wölfe durchschneiden.
 
Zudem befürchten sie, dass der ostpolnische Bestand auch seinerseits zu leiden hat: In den Nachbarländern Ukraine, Weißrußland und Slowakei sowie in Litauen, Estland und Lettland darf der Wolf in bestimmten Jahreszeiten gejagt werden, in Rußland das ganze Jahr über. Dadurch und durch Lebensraumzerstörung sind die Bestände unter Druck. Folge: Die Länder liefern nicht mehr so viele Wölfe nach Polen wie früher.     
 
In Polen (wie in Deutschland) stehen Wölfe zwar unter Schutz. Aber immer wieder kommt es vor, dass Jäger und Landwirte Abschüsse beantragen. Sie werden nicht genehmigt.
 
Wölfe können sich nur dort halten, wo sie toleriert und akzeptiert werden. Zum Schutz der Wölfe ist es deshalb wichtig, die Akzeptanz bei Landwirten, Forstleuten und Jägern zu erhöhen. In ganz Polen gehen Mitarbeiter von „Wilk“ deswegen zu ihnen und diskutieren und geben Tipps. „Die Konflikte zwischen Menschen und Wölfen sind immer lösbar,“ erklärt Sabina Nowak.
 
Mehrfach hat sich der IFAW in Sachen Wolf auch in Deutschland engagiert. So finanzierte er ein Faltblatt, das die Bevölkerung in Sachsen und anderen Bundesländern über das Thema aufklärt. Er beschaffte zudem zwei Kilometer Lappenzaun, eine Schnur mit angenähten Wimpeln, die im Wind flattern. Ein bewährtes Mittel, um Wölfe von Schafherden fernzuhalten.
 
In Brandenburg stellte der IFAW der Naturschutzstation Zippelsförde, die beim Landesumweltamt Brandenburg angesiedelt ist, vier digitale Fotofallen für die Wolfsforschung zur Verfügung. Mit diesen Geräten läßt sich beweisen, dass auch in bestimmten Gebieten Brandenburgs Wölfe leben.
 
Es wird vermutet, dass einige der Nachkommen des ersten sächsischen Rudels in das benachbarte Bundesland abgewandert sind. Ebenso ist es  sehr wahrscheinlich, dass sich einige der zehn sächsischen Welpen aus diesem Jahr nach dort aufmachen werden, wenn sie ihr Rudel verlassen.

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