Vor Beginn der Jagd zeigen sich kanadische Funktionäre euphorisch

Montag, März 28, 2005
Charlottetown
Aus Kanada beziehen neben Norwegen, seit Jahren Hauptabnehmer der Robbenfelle, auch andere europäische Länder Produkte, die bei der für ihre Grausamkeit bekannten Robbenjagd gewonnen wurden. Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) will erreichen, dass die europäischen Länder die Einfuhr von Robbenpro-dukten gesetzlich verbieten. Vorbereitungen laufen in Belgien, Holland und Italien.
In Deutschland hatte sich der IFAW, im internationalen Kampf gegen die Robbenjagd in Führungsposition, mit dieser Forderung wiederholt auch an die Bundesregierung gewendet. Jetzt schrieb der Leiter von IFAW Deutschland, der Meeresbiologe Dr. Ralf Sonntag, an die für den Tierschutz zuständige Ministerin Renate Künast: „Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie alles in ihrer Macht Stehende unternimmt, um Robbenprodukte vom deutschen Markt fernzuhalten.“    
 
Deutschland solle dem Beispiel der anderen europäischen Länder und der USA folgen. Die USA hätten das Handelsverbot bereits eingeführt. 
 
Wie soeben bekannt wird, forderte jetzt auch der Mexikanische Senat das Wirtschaftministerium auf, ein Importverbot einzuführen. Sollte es umgesetzt werden, hätte Kanada seine beiden Partner des Freihandelsabkommens NAFTA gegen sich. Das Abkommen besteht seit 1994 und umfasst die drei Länder USA, Kanada und Mexiko. 
 
Einen „lukrativen Markt“ verspreche die  kanadische kommerzielle Robbenjagd, die am 29. März an der Ostküste des Landes eröffnet wird. Dies verkündeten dieser Tage euphorisch kanadische Politiker und Vertreter des Fischereiministeriums. In diesem Jahr dürfen 319.500 Tiere „geerntet“ werden.
 
Als Ernte bezeichnen viele Kanadier das weltgrößte Massaker an Meeressäugetieren, das wegen seiner zahlreichen unvertretbaren Grausamkeiten, viele davon vom IFAW gefilmt, Tierschützer in aller Welt auf den Plan ruft.

Die Erschließung neuer Märkte habe den Preis pro Fell von 42 Dollar im Jahr 2004 auf 70 und zuletzt sogar auf fast 100 Dollar hochgetrieben, lassen die Funktionäre bei Medienauftritten verlauten. Das wäre zehnmal so viel wie noch vor fünf Jahren.
 
„Solche Jubelarien gehen der Robbenjagd jedes Jahr voraus, reine Zweckpropaganda. Sie sollen die Robbenjäger heiß und so manchen Skeptiker in seiner Haltung wankend machen,“ deutet dies Ulrich Schnapauff vom deutschen Büro des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW), der die Robbenjagd seit ihrer Wiederaufnahme im Jahr 1996 intensiv verfolgt und mehrmals als Beobachter dabei war.
 
„Die Wirklichkeit sieht anders aus. Zum einen fehlt überhaupt eine genaue Übersicht. Die Angaben der Funktionäre über den Umsatz der Robbenjagd 2004 reichen von 16 Mio Dollar bis 28 Mio. Aber selbst die höhere Ziffer bedeutet nicht mehr als einen Anteil von 0,05 Prozent am Bruttosozialprodukt der Provinz Neufundland. Viele Robbenjäger gehen dabei auch noch leer aus,“ so Schnapauff.
 
Für dieses Jahr hat sich die kanadische Regierung vorgenommen, den Gegnern der Robbenjagd den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Vorfeld streute sie dazu diverse Erklärungen. Zwar erhält sie in ihnen überraschend einige frühere Behauptungen nicht mehr aufrecht, etwa die, dass die Robben das Zusammenbrechen der Kabeljaubestände herbeigeführt hätten.
 
Aber wieder sind viele der jetzt neu vorgebrachten Argumente nicht nachzuvollziehen. So heißt es, die Robbenjagd beruhe auf „gesunden Naturschutz-Grundsätzen“. Der gegenwärtige Bestand von fünf Millionen Sattelrobben müsse auf 70 Prozent verringert werden, um eine starke Population für die Zukunft zu erhalten.   
 
In Charlottetown, Quartier des IFAW während der Robbenjagd, hat das Fischereiministerium für die Dauer des Robbenschlachtens ein Büro eingerichtet, das für „akkurate Information“ sorgen soll.
 
Indessen kommt in Kanada auch von anderer Seite Kritik hoch. So erklärte die Zeitung „Toronto Sun“, man dürfe die Aktivitäten nicht als Jagd bezeichnen. Es sei ein Schlachten. Die Robben hätten mit dem Mangel an Fisch im übrigen nichts zu tun.

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