Einmaliges Naturschauspiel an Kanadas Atlantik-Küste

Donnerstag, März 10, 2005
Charlottetown/Kanada
Eines der größten und schönsten Naturschauspiele auf unserem Planeten ereignet sich zur Zeit auf den Eisschollen vor der kanadischen Atlantikküste: die Geburt hunderttausender Sattelrobben-Babys.
Jedes Jahr zu Beginn des Winters wandert die sonst weiter nördlich lebende, etwa fünf Millionen Tiere umfassende Sattelrobben-Population nach Süden, bis nach Neufundland und in den St.Lorenz-Golf. Im Frühjahr, nach Geburt und Paarung, tritt sie den Rückweg an. Aber ohne einen großen Teil ihrer Neugeborenen. Schon Ende März setzt die kanadische kommerzielle Robbenjagd dem Leben Hunderttausender ein Ende. Letztes Jahr: 365.971.

„Die alljährliche Wanderung der Sattelrobben ist ein einmaliges Ereignis auf unserer Erde,“ kommentiert Dr. Ralf Sonntag, Meeresbiologe vom IFAW Deutschland. „Es ist eine Kostbarkeit in der Koexistenz von Mensch und Natur weltweit und hätte es verdient, als eine solche geachtet zu werden - statt die Tiere umzubringen, um Dinge von zweifelhaftem Wert zu gewinnen.“

Zwischen Ende Februar und Mitte März versammeln sich die Weibchen auf dem atlantischen Packeis und bringen ihre Jungen zur Welt - jeweils eines. Zehn bis zwölf Tage säugen sie die weißes Fell tragenden Jungtiere. In den folgenden Tagen verlieren sie das Geburtskleid und ersetzen es durch ein graues - und danach färbt sich das Eis rot. Denn dann erlaubt das Gesetz ihre Tötung.

In diesem Jahr sind 319.500 Tiere freigegeben. Aber die kanadische Regierung lässt auch die Überschreitung der von ihr selbst gesetzten Quote zu, so im Jahr 2002, als 312.367 statt 275.00 Tiere getötet wurden.

Die Zahlen der letzten Jahre liegen weit über denen der 50er und 60er Jahre, als die Robbenjagd die Population stark dezimierte. Heute kommen die Kanadier nicht nur mit Booten, sondern auch mit Schneemobilen und Hubschraubern.

„Opposition gegen die Jagd zeigt, dass hier unterschiedliche Wertvor-stellungen aufeinanderprallen: die, eine Robbe unter dem Aspekt ihre wirtschaftlichen Nutzens zu sehen, und die, dass das ehrfurchteinflößende Naturereignis für kommende Generationen erhalten zu werden verdient und die Kanadier stolz machen sollte,“ so Ralf Sonntag. „Statt die Robben zu schützen, zieht es die kanadische Regierung vor, einen sinnlosen und gemeinen Akt der Zerstörung zu unterstützen.“

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