Auch 2017 alle Hände voll zu tun in der IFAW-Tierarztpraxis in Berlin

Bahia hat die schwierige OP zum Glück gut überstanden!

Das vergangene Jahr begann für das Team unserer Berliner Tierarztpraxis mit einem Sondereinsatz: Zwischen Weihnachten und Neujahr 2016, wenn viele wohlverdient die Füße hochlegen, werkelten und weißelten Tierärztin Janine Bräuer, ihr Mann und ihre Praxishelferin in den Räumlichkeiten bei der Berliner Tiertafel: Die winzige Praxis sollte umgebaut werden, um Platz zu schaffen und effektiver arbeiten zu können. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Aus dem eher spartanischen Raum ist eine freundliche kleine Praxis geworden, die es dem Team ermöglicht, mehr Tiere in kürzerer Zeit zu behandeln.

Insgesamt hat unsere Tierärztin bis Mitte November an elf Praxistagen 633 Tiere von Menschen in Not behandelt. Dazu gehört Vorbeugung und Impfung genauso wie die Behandlung von akuten Erkrankungen und OPs. Elf Hunde und vier Katzen operierte Janine in diesem Jahr, meist lebensnotwendige Eingriffe wie die Entfernung von Tumoren. Viel hat sich getan in den sechs Jahren, seit Janine die Praxis betreibt. Anfangs waren viele Tiere in schlimmem Zustand, weil den Besitzern das Geld für kostspielige Tierarztbehandlungen fehlte oder weil die Erkrankungen nicht richtig diagnostiziert wurden. Schritt für Schritt wurden die Vierbeiner aufgepäppelt, mit notwendigen Medikamenten und speziellem Futter versorgt, geimpft, Wurmkuren verabreicht etc. Jetzt sind die Tiere der regelmäßigen Klienten allesamt in gutem Zustand und es müssen in erster Linie Notfälle versorgt bzw. chronisch kranke Tiere behandelt werden. Die machen inzwischen einen Großteil der Kosten aus. Ein häufig unterschätztes Problem: Chronische Erkrankungen und insbesondere Allergien sind schwer zu diagnostizieren und verursachen dauerhaft hohe Ausgaben. Haben Hunde beispielsweise Futterallergien brauchen sie Medikamente und Spezialfutter und ihre Halter müssen pingelig auf die Einhaltung der Diät und darauf achten, dass sie nichts unterwegs fressen – das ist nicht einfach bei Hunden, die überall schnüffeln und naschen.

Ein solcher Fall ist Bahia – eine weiße wilde Schönheit, die ihr jetziges Frauchen vor zehn Jahren aus dem Tierheim holte – dort galt sie als äußerst schwierige Hündin. Aber es war wohl Liebe auf den ersten Blick und mit viel Geduld gewann Frauchen Elke das Vertrauen von Bahia, die zunehmend sanfter und ruhiger wurde. Irgendwann ging es Bahia plötzlich zunehmend schlechter und es kam die Diagnose Futtermittelallergie. Leider verlor Elke vor zwei Jahren ihre Arbeit und die Kosten für das Spezialfutter wären für sie nicht zu tragen. Zum Glück übernimmt die Berliner Tiertafel die Futterkosten und die Medikamente werden zum großen Teil vom IFAW getragen – einen Eigenanteil müssen die Klienten aber auch leisten. Dann vor einigen Monaten der Schock: Bahia hatte einen Bauchtumor in der Größe einer Kokosnuss, der sich bereits gefährlich ausgebreitet hatte. Da Bahia trotz ihres hohen Alters in gutem Zustand war, entschied sich Tierärztin Janine, die riskante Operation zu wagen. Sie dauerte mehrere Stunden – und glückte! Bahia erholte sich rasch und wurde wieder völlig gesund.

 Buffy litt fürchterlich unter ihrer Allergie und war stark abgemagert. Heute ist Buffy gesund und kräftig

Oder Buffy – auch er hat einen typischen Krankheitsverlauf: Weil seine Futtermittelallergie nicht erkannt wurde, hatte er einen jahrelangen Leidensweg hinter sich und sein Zustand wurde immer erbärmlicher. Sein ganzes Fell war ausgefallen, er war fast kahl und übersät mit offenen Stellen. Erst die IFAW-Tierärztin fand die Ursache und das Medikament, das ihm half, wieder auf die Beine zu kommen. Aber auch hier – wie bei vielen Klienten unserer Praxis – würde das Arbeitslosengeld von Buffys Besitzern niemals für Medikamente und Futter reichen. 1200 Euro pro Jahr kosten allein die Tabletten, die Buffy täglich nehmen muss. Ohne unsere Tierärztin und die Berliner Tiertafel müssten Besitzer Uwe und seine Frau ihren geliebten Hund ins Tierheim geben.

Solche Fälle zeigen, wie wichtig diese Hilfe für Tierbesitzer in Not ist. Sie hängen mit großer Liebe an ihren Tieren und sind bereit, Opfer zu bringen – immer wieder höre ich von ihnen, dass sie zur Not lieber am eigenen Essen sparen würden. Helfen wir diesen Menschen, ihren Tieren zu helfen. Sie alle haben es verdient.

Dörte von der Reith

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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Veterinarian, DVM, PhD - IFAW Beijing
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Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe