Zyklon Phailin: Tagebuch unserer Tierrettung in Indien

Unsere Tierärzte behandeln eine Hornverletzung.Die Ostküste Indiens wurde Anfang Oktober schwer vom Zyklon Phailin getroffen. Bei der größten Evakuierungsaktion der indischen Geschichte wurden fast eine Million Menschen aus den Küstengebieten in Sicherheit gebracht. Dank des raschen Handelns der Regierung hielt sich die Zahl der Todesopfer in Grenzen: 23 Menschenleben hat die Katastrophe bisher gefordert.

Vom IFAW und seiner Partnerorganisation Wildlife Trust of India (WTI) sind derzeit die Kollegen Radhika Bhagat, Dr. Reetika Maheshwari und Rudra Prasanna Mahapatra vor Ort im Einsatz und nehmen eine Einschätzung der Lage vor.

Sie befinden sich zurzeit in Bhubaneshwar, der Hauptstadt des Bundesstaates Odisha. Heute Abend werden sie bei einem Krisentreffen gemeinsam mit unserem vorhandenen Netzwerk aus Einsatzkräften, anderen privaten Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Helfern über das Ausmaß des Schadens sprechen und die nächsten Schritte vereinbaren. Der IFAW und der WTI verfügen über ein  gemeinsames Rettungsnetzwerk aus mehr als 400 Einsatzkräften im ganzen Land.

Vor allem Futtermangel und die Ausbreitung ansteckender Krankheiten sind laut Einsatzleiter Dr. Reetika Maheshwari eine große Gefahr für die Tiere. Unser Rettungsnetzwerk hat deshalb bereits begonnen, Futter und Medikamente für die Tiere zu sammeln.

15. Oktober 2013

Unser Tierrettungsteam hat heute den Küstenbezirk Ganjam erreicht und nimmt eine Lageeinschätzung vor, um die Hilfseinsätze in die Wege zu leiten. Viele Gebiete sind überschwemmt. Morgen macht sich ein Team nach Kendrapara auf, um die Tiere vor Ort zu versorgen, ein zweites Team bleibt mit einem Tierarzt in Ganjam.

Wir haben uns in Bhubaneshwar auch mit dem nationalen Katastrophenschutz (National Disaster Response Force) getroffen, der die Einsatzkoordination in Ganjam durch seine lokale Vertretung unterstützt hat. Der nationale Katastrophenschutz hat uns die Unterstützung beim Aufbau von Camps in den am schwersten getroffenen Gebieten in Ganjam angeboten. Außerdem konnten wir gestern Teams aus freiwilligen Helfern und Tierärzten zusammenstellen, die die Tiere in den Einsatzcamps in Ganjam und Kendrapara versorgen werden.

Momentan verfügen wir über das Wichtigste, um verletzte Tiere mit dem Nötigsten zu versorgen. Als Nächstes werden wir die  Camps insbesondere mit Personal, Medikamenten und Futter ausstatten. Unser Tierarzt Dr. Reetika wird vor Ort bleiben. Sobald wir unsere Stützpunkte in Ganjam und Kendrapara errichtet haben, werden wir planen, wie wir unsere Unterstützung auch auf andere Bezirke ausweiten können. Parallel versuchen wir, über unsere Zentrale in Delhi Kontakt zu den Forstbehörden in den Küstengebieten von Odisha aufzunehmen, um zu erfahren, ob dort Wildtiere Hilfe benötigen.

Aus dem Bezirk Srikakilam in Andhra Pradesh, einem Nachbarbezirk von Ganjam, wurde bereits Hilfe bei einer Rettungsaktion für Vögel angefordert. Wir holen derzeit genaue Informationen zur Lage vor Ort ein und bereiten uns darauf vor, ein Team aus Tierärzten und Einsatzkräften, die Erfahrung in der Vogelrettung haben, dorthin zu schicken.

16. Oktober 2013

Unser Rettungsteam hat seine mobile Tierarztpraxis in Betrieb genommen und heute Morgen begonnen, die Tiere in der Gemeinde Subalaya zu versorgen.

Unsere Einsatzkräfte sind inzwischen in drei Gebieten tätig. Bisher wurden über 30 Tiere versorgt, die zum Teil durch den Zyklon verletzt wurden oder unter Fieber litten. Die Teams haben die Tiere entwurmt und ihnen Mineralpräparate gegeben. Heute Abend, wenn die Tiere von der Weide zurück sind, werden wir ihre Behandlung fortsetzen.

Die Überschwemmungen stellen noch immer in vielen Gegenden die größte Bedrohung dar. Heute haben wir in Subalaya etwa 50 Tiere versorgt. Morgen werden wir mit unserer mobilen Tierarztpraxis weiter nach Birudigada fahren. Gleichzeitig ist unsere Zentrale in Delhi noch immer dabei, mehr über die aktuelle Lage in den Küstengebieten von Odisha  in Erfahrung zu bringen. Gleichzeitig ist unser Tierarzt Panjit Basumatary unterwegs, um den Rettungseinsatz für Vögel im Bezirk Srikakulam in Andhra Pradesh, einem Nachbarbezirk von Ganjam, zu unterstützen.

17. Oktober 2013

Mit unserer mobilen Tierarztpraxis konnten wir heute in der Gemeinde Birudigada mehr als 80 Tieren helfen. Jetzt sind wir dabei, Hilfseinsätze für die Bezirke Kendrapara und Balasore in die Wege zu leiten, die durch den Sturm überflutet wurden. Wir schätzen, dass allein hier 34 Tiere ums Leben gekommen sind. Für morgen sind mit der mobilen Tierarztpraxis in den Gemeinden Madhurushua und Diandein. Die Einwohner sind bereits informiert.

Ein Tierhüter beruhigt ein Tier aus seiner Herde.

Allerdings macht sich innerhalb der Bevölkerung Unmut breit. Unser Team ist in Ausschreitungen zwischen zwei Gemeinden geraten, weil Hilfsgüter angeblich ungerecht verteilt wurden. Das Team floh vor den Ausschreitungen. Unterwegs behandelte es dann aber noch eine Kuh, die eine Verletzung am Schwanz hatte.

Im Bezirk Kendrapara stellte unser Team gestern fest, dass der Wirbelsturm selbst zwar keinen übermäßig großen Schaden angerichtet hatte, die Flut danach jedoch umso mehr. Viele Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten.

Eins der von unserem Team besuchten Dörfer ist nur noch eine Insel inmitten von Wassermassen  und die Bewohner leben in ständiger Angst, dass das Wasser weiter ansteigen könnte. Futtermangel ist in diesen Gebieten ein großes Problem. Wir rechnen außerdem mit Infektionskrankheiten und werden Vorsorgemaßnahmen ergreifen, sobald dort Einsatzcamps errichtet sind. In vielen Überschwemmungsgebieten hat das Wasser das Futter verdorben.

Das Team hat außerdem berichtet, dass die Bezirke Balasore und Mayurbhanj von schweren Überschwemmungen heimgesucht wurden und die Regierung plant, die Menschen aus der Luft mit Lebensmittelpaketen zu versorgen.

Im Nachbarstaat Andhra Pradesh sind durch den Wirbelsturm Hunderte von Vögeln in Not geraten, besonders Silberklaffschnäbel. Unser Tierarzt Panjit Basumatary hat gemeinsam mit Rettungshelfer Saleem Hameed 107 Vögel versorgt, die provisorisch in einem Schulgebäude untergebracht wurden. Sechs davon erlagen ihren Verletzungen. Im Laufe des Tages kamen noch zehn weitere Vögel hinzu. Saleem zufolge handelt es sich bei den meisten Tieren um Jungvögel. Es herrscht Nahrungsknappheit. Viele Vögel brauchen dringend Fisch. Momentan suchen die Jungvögel verzweifelt nach Nahrung und stören "ihre" vermeintlichen Eltern, die damit beschäftigt sind, das vom Sturm zerstörte Nest wiederaufzubauen.

Sheren Shrestha

Die Rettung der Tiere nach dem Zyklon ist nur mit Ihrer Unterstützung möglich. Helfen Sie uns, die Tiere zu versorgen.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
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Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Katie Moore, Leiterin Marine Mammal Rescue and Research
Programmdirektorin Tierrettung
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien